Von 160 Veranstaltungen auf Null

Rönsahler Brennerei im Dornröschenschlaf

Die Historische Brennerei fristet einen Dornröschenschlaf. Fanden im Jahr 2019 noch rund 160 Veranstaltungen statt, gab es in den vergangenen 13 Monaten dort keine Aktivitäten.
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Die Historische Brennerei fristet einen Dornröschenschlaf. Fanden im Jahr 2019 noch rund 160 Veranstaltungen statt, gab es in den vergangenen 13 Monaten dort keine Aktivitäten.

„Ohne Kunst und Kultur wird’s still.“ Mit dieser Aussage machten im vergangenen Jahr Künstler auf ihre Situation in der Corona-Krise aufmerksam. Still geworden ist es auch in der Historischen Brennerei.

Rönsahl - „Wir sind nicht pleite, dazu haben wir in der Vergangenheit zu gut gewirtschaftet. Aber das Gebäude erfüllt nicht den Zweck, den wir uns dafür überlegt haben“, sagt Horst Becker, der das Gebäude einst kaufte und ihm mit dem von ihm gegründeten Brennereiverein neues Leben einhauchte.

Viele Absagen

Auf die Frage, wie denn das vergangene Jahr gelaufen sei, sagt Becker in seiner ihm eigenen Art: „Total bekloppt.“ Dabei bezieht er sich auf die ständigen Terminabsagen und -verschiebungen. „Wir hatten etliche Hochzeitsfeiern, die von 2020 auf 2021 verschoben wurden, von denen sind jetzt schon wieder einige auf das kommende Jahr verschoben worden“, erzählt Becker.

Da ist er ganz froh, wie Becker sagt, dass das Gebäude nur geringe Nebenkosten verursache und der Verein über einen großen Mitgliederstamm verfüge.

Trauungen geplant

Einen kleinen Lichtblick in diesem Jahr gibt es bei den standesamtlichen Trauungen. „Die wurden von der Stadt terminiert. Allerdings weiß ich noch nicht, mit wie vielen Gästen diese dann stattfinden, da gibt es noch kein Hygienekonzept. Ich denke, das wird dann kurzfristig der jeweiligen Situation angepasst“, sagt der Rönsahler.

Außer den Trauungen stehe gerade einmal eine Veranstaltung im Terminkalender. „Da hat KuK gebucht, aber natürlich nur unter Vorbehalt“, so Becker.

Auch das eigene Vereinsleben sei komplett zum Erliegen gekommen. „Wir bekommen aufgrund der Bestimmungen ja nicht mal unsere Jahresversammlung hin“, so Becker. Das liege auch daran, „dass das Digitale nicht so unseres ist“.

Im Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung erinnert Horst Becker an die Zeit, in der noch kein Virus alle Planungen zunichtegemacht habe: „Im Jahr 2018 hatten wir 183 Veranstaltungen, das war nicht mehr zu schaffen. Wir haben dann fürs kommende Jahr reduziert.

Doch 2019 gab es immer noch 160 Veranstaltungen. Vergangenes Jahr waren es dann nur noch die wenigen in den ersten Monaten des Jahres“, erzählt Becker.

Im Dachgeschoss der Brennerei wurde eine große Eisenbahn aufgebaut. Diese wurde in den vergangenen Monaten deutlich ausgebaut.

Der Rönsahler bedauert auch, dass es auf absehbare Zeit auch keinen Biergarten geben werde: „Nachdem wir da zuerst Probleme mit der grundsätzlichen Genehmigung hatten, wurde diese im vergangenen Jahr erteilt.“

Brauerei

Dazu hatte sich auch vor einiger Zeit Tim Feldmann, der gemeinsam mit Marcel Faulenbach die Brauerei in der Brennerei betreibt, geäußert. Er teilte damals im Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung mit, dass man aufgrund der Bauart des Gebäudes und der darin befindlichen sanitären Anlagen keinen Weg sehe, ein Hygienekonzept zu entwickeln, mit denen Begegnungen ausgeschlossen werden könnten.

In den Räumen der Brauerei ist aber nach wie vor geschäftiges Leben, da das Bier nicht nur auf eigenen Veranstaltungen im Haus getrunken wird, sondern sich der Flaschenverkauf außer Haus nach wie vor großer Beliebtheit erfreut.

Modelleisenbahn

Es gibt aber noch einen Bereich im Haus, in dem sich etwas tut. Denn ganz oben unter dem Dach hat Horst Becker mit einigen Mitstreitern eine Modelleisenbahnanlage mit beeindruckenden Maßen aufgebaut. „Durch eine Schenkung konnten wir die Anlage um gut 30 Prozent erweitern. Im Gegenzug für die Schenkung mussten wir die Anlage selbst abbauen. Insgesamt haben wir die Eisenbahn in 15 Stücke geschnitten, um sie aus dem Wohnhaus zu holen. Jetzt wird sie in der Brennerei wieder aufgebaut“, freut sich Horst Becker.

Die Geschichte der Brennerei

Eigentlich könnte der Verein Historische Brennerei Rönsahl in diesem Jahr ein Jubiläum feiern. Denn das Gebäude in zentraler Lage von Rönsahl wurde vor 150 Jahren (1870/71) erbaut. Mit der Alkoholproduktion selbst hatte der Landwirt Wilhelm Haase bereits 1854 begonnen. Noch bis in die 1950er-Jahre betrieb die Familie die Brennerei und verkaufte sie dann an den Spirituosenhersteller Krugmann aus Meinerzhagen. Dieses Unternehmen produzierte dann dort noch bis 2002. Danach erwarb Horst Becker das 1986 unter Denkmalschutz gestellte Gebäude und vermietete es ab 2008 für einen symbolischen Betrag an den von ihm mitbegründeten Verein. In den ersten Jahren bestand die Hauptaufgabe in der Renovierung des Gebäudes. Mit Unterstützung der NRW-Stiftung (142 000 Euro) wurden Dächer, Fallrohre, Gesimskästen und der 25 Meter hohe Schornstein saniert. Im Obergeschoss befindet ein Veranstaltungsraum, der für private Feiern und Kulturveranstaltungen genutzt wird.

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