Massiver Einbruch – vor allem beim Fassbier

Rönsahler Brauerei kämpft mit Umsatzrückgang durch Corona

In Handarbeit füllt Tim Feldmann die Flaschen in der Rönsahler Brennerei ab. Auch das Etikettieren geschieht in dem kleinen Betrieb von Hand
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In Handarbeit füllt Tim Feldmann die Flaschen in der Rönsahler Brennerei ab. Auch das Etikettieren geschieht in dem kleinen Betrieb von Hand

Mit Krombacher, Veltins und Warsteiner leiden die großen Brauereien der Region stark unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie – doch auch die Rönsahler Brauerei, in der seit zehn Jahren das Rönsahler Landbier gebraut wird, spürt die Auswirkungen der Schutzmaßnahmen extrem.

Rönsahl - „Vor allem im Fassbierbereich haben wir starke Einbrüche, das sind schon etliche Hektoliter“, erzählt Tim Feldmann, der gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Marcel Faulenbach die Brauerei in der Historischen Brennerei vor etwas mehr als drei Jahren übernommen hat. Man leide zwar bei Fassbierabsatz nicht so stark unter der Schließung der Gastronomie wie andere Brauereien. Doch die Fässer mit dem heimischen Bier seien gerne für Familienfeiern geordert worden – und auch für Veranstaltungen in der Brennerei. Dazu komme noch, so Feldmann, dass es seit Frühjahr des vergangenen Jahres keine Brauereiführungen habe geben können.

Ganz weggefallen ist auch der Umsatz aus dem kleinen Biergarten neben dem Brennereigebäude. „Aufgrund des historischen Gebäudes können wir gar nicht die geforderten Hygienemaßnahmen umsetzen. Auch funktioniert bei uns der Flaschenbierverkauf nicht so wie bei anderen Biergärten. Unser kleinsten Flaschen fassen 0,75 Liter, die trinkt man nicht mal so eben“, so Feldmann.

Doch aufgeben wollen die beiden Jungunternehmer auf keinen Fall. Feldmann: „Der Flaschenbierverkauf im Handel ist stabil und ein Jahr haben wir ja bereits überstanden. Wir werden auf jeden Fall weitermachen. Wir merken, dass uns unsere Größe dabei sehr hilft. Für uns ist vieles einfacher als für die Betriebe, die zahlreiche Mitarbeiter beschäftigen.“

Darüber hinaus hofft der Unternehmer, dass es sich in diesem Jahr wieder positiver entwickelt. Allerdings rechnet er nicht damit, dass das zehnjährige Bestehen der Rönsahler Brauerei groß gefeiert werden kann. „Ob es überhaupt ein Fest geben kann, ist noch nicht klar“, sagt Feldmann.

Der Hopfen dient der Abrundung des Geschmacks und wird im Brauvorgang zugegeben

Wolfgang Becker hatte die Brauerei 2011 ins Leben gerufen, nachdem er sich einen historischen Braukessel besorgt hatte. Allerdings wollte der Rönsahler, der zuvor ein kleines Unternehmen in Rönsahl leitete, aus seiner Idee eigentlich keinen Vollerwerbsbetrieb machen. Doch schnell hatte er mit seinem hellen und dunklen Landbier echte Fans gefunden, die den Absatz des heimischen Bieres in die Höhe trieben. Vor allem Gesellschaften, die in den Räumen der Brennerei feierten, nutzten gerne die Brauerei im Haus, um ihren Gästen ein besonderes Bier zu präsentieren. Dann kamen auch noch Brennerei- und später Brauereiführungen hinzu, die meist ihren Abschluss in dem kleinen Schankraum der Brauerei fanden.

So unverzichtbar die Brennerei für die Brauerei ist, so sehr hemmt sie aber auch den Betrieb. Denn dort, wo über lange Jahre Schnaps gebrannt wurde, herrschen keine idealen Voraussetzungen für einen modernen Brauereibetrieb.

Zwar setzte Becker und setzen auch die neuen Brauer auf einen historischen Kessel. Doch bei der Lagerung des fertigen Produkts und den Zutaten gibt es keine Kompromisse. Aufgrund der Gebäudestruktur lagern die modernen Edelstahltanks in kleinen Räumen. Die Flaschenabfüllung, in der von Hand gearbeitet wird und die immer nur das gleichzeitige Abfüllen von zwei Flaschen (0,75 Liter) erlaubt, steht in einem fensterlosen Raum und die Zutaten für das Bier müssen aus den Tiefen der Brennerei von Hand zum Kessel getragen werden. Doch an einen Standortwechsel denken auch die jungen Brauer nicht, da sie eine nicht lösbare Verbindung zwischen Brennerei und Brauerei sehen.

Die jungen Brauer und ihre Idee

Marcel Faulenbach, der eine Ausbildung zum Brauer bei einer heimischen Brauerei gemacht hat, konnte auch in seiner Freizeit nicht aufhören, sich mit der Herstellung von Bier zu beschäftigen. Gemeinsam mit Tim Feldmann hat er im heimischen Keller im Oberbergischen Bier gebraut. Als die beiden dann für eine private Feier größere Mengen des eigenen Bieres herstellen wollten, kamen sie auf der Suche nach einer Hausbrauerei auch nach Rönsahl. Von dort fuhren sie nach einem Gespräch mit Wolfgang Becker wieder nach Hause – mit dem Angebot, die Brauerei zu übernehmen.

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