Rönsahl ist zu weit draußen für fachgerechte Hilfe

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Sind auf Hilfe angewiesen, die sie aber nicht bekommen: Heidi und Heinrich Höfl aus Rönsahl.

Rönsahl  - Prächtige Villen, ein intaktes Dorfleben und auch noch einen Arzt im eigenen Ort. Rönsahl hat viel zu bieten. Doch manchmal hat auch die Lage abgeschlagen von Kierspe Nachteile. Das musste nun auch das Ehepaar Höfl erfahren. Findet sich doch kein Physiotherapeut, der die Anfahrt in das Dorf auf sich nehmen möchte.

Vor drei Jahren stand Heinrich Höfl noch auf dem Gelände des Gutes Haarbecke und lauschte den Bands, die dort im Sommer wöchentlich ihre Auftritte hatten. „Da hätte ich niemals gedacht, dass ich heute fast nichts mehr kann“, erzählt Höfl. Seit vielen Jahren leidet der Rönsahler bereits an der Lungenkrankheit COPD. 2013 verschlechterte sich dann sein Zustand derart, dass er an der Lunge operiert werden musste. Hinzu kommt noch eine massive Herzschwäche, die ihn in seinem täglichen Leben beeinträchtigt. Viel Zeit verbringt der 77-Jährige im Bett, angeschlossen an ein Sauerstoffgerät, das ihm das Atmen erleichtert. Steht er auf, ist er auf seinen Rollstuhl angewiesen.

Zu all den Beeinträchtigungen, mit denen Höfl leben muss, kommen noch massive Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich. Um diese zu behandeln, hat ihm sein Hausarzt Krankengymnastik verschrieben – ausgewiesen ist auf dem Rezept, dass diese zu Hause stattfinden soll.

Zu groß der Aufwand, den Senior für jeden der sechs Behandlungstermine in ein Taxi zu setzen. Aber auch die Belastung für Höfl wäre hoch, gerade auch, weil er dann ohne Sauerstoff unterwegs sein müsste. Höfl: „Und bei dem Wetter, das wir im Moment haben, würde meine Lunge auch nicht lange mitmachen.“

Normalerweise wären solche Gedanken ja aufgrund des Rezeptes unnötig, doch es findet sich kein Physiotherapeut, der den Weg nach Rönsahl auf sich nehmen würde. „Von den Praxen in Wipperfürth wurde mir gesagt, dass sie maximal bis Ohl fahren würden. Den Kiersper Krankengymnasten war es auch zu weit und die Mitarbeiterin einer Praxis aus Meinerzhagen bot mir an, zu kommen, allerdings nur, wenn wir eine Anfahrtspauschale von 25 Euro pro Besuch zahlen würden“, erzählt Heidi Höfl von ihren vergeblichen Versuchen, Termine zu vereinbaren. Selbst der Krankengymnast, zu dem Höfl viele Jahre selbst gefahren ist, winkte mit dem Hinweis auf die Entfernung ab. Da haben die Höfls mit ihrem Hausarzt mehr Glück. Dieser kommt aus Meinerzhagen, so oft es nötig ist. „Herr Höfl ist viele Jahre in meine Praxis gekommen, da kann ich ihn ja jetzt nicht im Stich lassen“, sagt er und bittet darum, seinen Namen nicht zu nennen. Und auch die Ergotherapeutin nimmt regelmäßig den Weg aus Meinerzhagen auf sich, um dem Patienten zu helfen.

Am Montag zeichnete sich dann doch noch eine Lösung ab. Eine Physiotherapeutin aus Meinerzhagen hatte angekündigt, in drei bis vier Wochen einen freien Termin zu haben – und dann auch nach Rönsahl zu kommen. „Aber verstehen kann ich nicht, dass sich kein Therapeut aus Kierspe findet“, stellt Höfl ein wenig resignierend fest.

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