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Es waren einmal ... Petroleumlampen auf dem Bahnsteig "Gogarten"

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Das ehemalige Hinweisschild auf den früheren Bahnhof Ohl-Rönsahl gibt es auch heute noch.

Rönsahl – Die Verwendung von Elektrogeräten in vielfacher Form und die Verfügbarkeit von elektrischer Energie in praktisch unbegrenzter Menge gehören in unserer Zeit zu den ganz selbstverständlichen Dingen des Alltags.

Hell erleuchtete Straßen und Häuser, elektrisches Licht in vielfacher Form überall und praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit, Kraftfahrzeuge, die anstatt mit herkömmlichem Verbrennungsmotor mehr und mehr durch elektrische Energie angetrieben werden, und, und, und... Dass das indes keinesfalls von jeher so war, scheint heute kaum noch vorstellbar. 

Und dennoch: Es ist gerade einmal um die rund 100 Jahre her, da war das Vorhandensein elektrischer Energie keinesfalls auch nur annähernd überall so selbstverständlich wie heute. Ein kleines Beispiel dafür liefert ein Artikel in der „Kierspe-Rönsahler Zeitung“ aus dem Jahr 1928. Dort richtet der Berichterstatter den Blick auf eine Begebenheit in Rönsahls unmittelbarer rheinischer Nachbarschaft, die Anlass zum Schmunzeln gibt.

Zum besseren Verständnis des nachfolgenden Artikels, der unter „Gogarten, 20. September 1928“ in der Lokalzeitung abgedruckt war, muss man wissen, dass damals die im Jahr 1901 in Betrieb genommene Eisenbahnlinie von Elberfeld über Lennep, Wipperfürth, Ohl-Rönsahl und Marienheide nach Gummersbach und weiter hinein ins Oberbergische für einen erheblichen Güter- und Personenverkehr in der hiesigen Gegend gesorgt hatte und dementsprechend äußerst wichtig für das öffentliche Leben war.

Auf halber Strecke zwischen dem Bahnhof Ohl-Rönsahl und dem in Marienheide gab es den Haltepunkt Gogarten, also zumindest die Gelegenheit zum Ein- und Aussteigen für die Bewohner von Gogarten, Kempershöh und der umliegenden Gehöfte, die die Vorteile der Bahnlinie nutzten.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude gibt es auch heute noch, während der nur wenige Minuten entfernt gelegene ehemalige Haltepunkt Gogarten bereits vor etlichen Jahren vollständig entfernt wurde.

„Es war einmal“, so erzählen heute Eltern ihren Kindern, „eine Zeit, da gab es noch Petroleumbeleuchtung, und wer jetzt hört oder sieht, dass es noch Petroleumlampen gibt, der schüttelt überlegen den Kopf über diese vorsintflutlichen Beleuchtungsmittel.“ So beginnt besagter Artikel. „Auf dem Haltepunkt Gogarten gab es bis zum 10. September noch solches Licht aus der Sagen- und Märchenwelt und manchen Reisenden an dunklen, regnerischen Abenden, wenn der Sturm den armselig flackernden Lampen das bisschen Lebenslicht ausgeblasen hatte, der schimpfend und fluchend auf Bahnsteig und Treppe umhergetappt ist, um den Ausgang zur Straße zu finden. Soll es doch sogar manchmal vorgekommen sein, dass sogar der Lokomotivführer durchgefahren ist, weil er in der Dunkelheit das Bahnhöfchen übersehen oder nicht gefunden hatte.

Jetzt hat die Reichsbahn diesem Zustand ein Ende gemacht und elektrisches Licht angelegt. Drei große Bogenlampen auf dem Bahnsteig und eine am Ausgang erleichtern und sichern jetzt abends Reisenden das Ein- und Aussteigen. Da der Haltepunkt von 20 Uhr an nicht mehr besetzt ist, hat man eine Schaltuhr angebracht, die die Lampen zu den Abendzügen selbsttätig ein- und ausschaltet.

Die Bewohner von Gogarten wird es auch interessieren, dass der Winterfahrplan insofern eine Verbesserung aufweist, dass der Zug 1558 Waldbröl – Elberfeld, der sonst in Gogarten um 14.32 Uhr durchfährt, vom 7. Oktober an dort halten wird.“ So weit dieser Bericht aus vergangenen Tagen. Nun, den Haltepunkt Gogarten der früheren Reichs- und späteren Bundesbahn gibt es – wie auch den Bahnhof Ohl-Rönsahl – seit der Streckenstilllegung Anfang der 1970er-Jahre schon nicht mehr, das eine oder andere „Vertelleken“ rund um die hiesige Bahnlinie indes schon noch.

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