Junger Historiker kommt aus Kierspe

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Mit einem Förderpreis wurde der Wettbewerbsbeitrag von Robin Busch prämiert.

Kierspe - Der Ausdruck von Robin Buschs Beitrag zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ist inzwischen etwas abgegriffen, das Interesse von Pfarrer Thorsten Rehberg ungebrochen: Denn Buschs Arbeit, die im letzten Jahr mit einem Förderpreis ausgezeichnet wurde, beschreibt Entstehung, Reformation, vor allem aber die Neugründung der katholischen Pfarrgemeinde Kierspe seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Sein Geschichtslehrer habe ihn auf die Idee gebracht, erzählte der heute 15-Jährige. „Gott und die Welt – Religion macht Geschichte“, unter diesem Thema konnten sich Kinder und Jugendliche aller Alters- und Klassenstufen an dem Wettbewerb beteiligen, möglichst mit regionalem Bezug. Anfangs tat Robin sich schwer: „So eine kleine Kirchengemeinde, was will man da Spektakuläres erwarten?“, fragte er sich. Wollte er ursprünglich über ihre Gründer schreiben, änderte er seinen Schwerpunkt, als er die Chronik der Gemeinde entdeckte. Die war handschriftlich verfasst und – je nach Chronist – sehr ergiebig. Das Problem bestand vor allem darin sie auch zu entziffern; Sütterlin konnte der damals 13-Jährige nicht lesen.

Zum Glück hatte er in diesem Punkt die Unterstützung seiner Mutter, denn die war als Historikerin an alte Handschriften gewöhnt. Die Fakten aus der Chronik ergänzte Robin durch Interviews mit Zeitzeugen, die noch Krieg und Nachkriegsjahre miterlebt hatten. „Das war wie Puzzeln nach Vorlage“, beschrieb er seine Vorgehensweise. Die Fakten, die er bereits aus der Chronik kannte, spiegelten sich in den Erinnerungen seiner Gesprächspartner, teilweise taten sich aber auch Widersprüche auf – ein typisches Problem, mit dem Historiker leben müssen.

Die Konflikte zwischen evangelischer Stammbevölkerung und zugezogenen Katholiken waren von einer Schärfe, die den Jugendlichen mitunter fassungslos machte. So erwähnte einer seiner Gesprächspartner lobend, dass sein Chef den Katholiken den gleichen Lohn zahle wie den anderen Arbeitern. Selbstverständlich war das offensichtlich nicht.

Obwohl seine Arbeit erfolgreich war – noch einmal würde er sich den Stress nicht antun, da ist sich Robin Busch sicher. Er machte bei dem Wettbewerb Erfahrungen, die manch anderer erst im Studium erlebt: die Schwierigkeiten, ein Thema und Material zu finden, einzugrenzen und dabei mit einem vorgegebenen Zeitrahmen zurechtzukommen, und das alles neben der Schule.

Die Gemeinde dankt es ihm – Pfarrer Rehberg will Robins Arbeit jetzt in größerer Stückzahl drucken lassen und interessierten Gemeindemitgliedern zur Verfügung stellen.

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