Risiko durch PIGS-Staaten

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Die Volksbank-Vorstände Stephan Baldschun (sitzend) und Stephan Böhse sehen aus Bankensicht hoffnungsvoll in das kommende Jahr.

KIERSPE ▪ „Früher gehörten ausländische Staatsanleihen ganz selbstverständlich zum Portfolio vieler Anleger. Das hat sich grundlegend geändert. Kaum jemand hat im vergangenen Jahr solche Papiere aus den sogenannten PIGS-Staaten gekauft“, so Stephan Böhse, Vorstand der Volksbank, der gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Stephan Baldschun auf die zurückliegenden – und aus Bankensicht – turbulenten Monate zurückblickt.

PIGS – hinter diesen Buchstaben verbergen sich Portugal, Irland, Griechenland und Spanien. Also Staaten, die aufgrund ihrer unsoliden Staatsfinanzen den Euro ins Wanken brachten und nach der Bankenkrise erneut für dunkle Wolken am Finanzhimmel sorgten und sorgen.

Gemeinsam mit der lahmenden Konjunktur in den Vereinigten Staaten sehen die beiden Volksbank-Leiter in diesen Ländern auch das größte Risiko für das kommende Jahr. Denn grundsätzlich hoffen die beiden Vorstände auf ein wirtschaftlich gutes Jahr. Die Grundlagen dafür haben sie jedenfalls gelegt. Die Einlagen seien nach wie vor auf einem hohen Niveau. Rund 87 Millionen Euro haben die Kunden der Bank anvertraut. In nicht einmal zwei Jahren haben diese Einlagen um rund acht Millionen Euro zugenommen. „Ein deutliches Zeichen dafür, dass die Anleger uns mehr vertrauen als vielen Privatbanken“, so Böhse. Und noch eine andere Statistik bestätige diese Einschätzung. So habe die Bank im vergangenen Jahr rund 200 neue Kunden gewonnen. Auch freuen sie die Vorstände, dass es keine nennenswerten Abwanderungen von Kunden zu Privatbanken gegeben hat.

Doch die Zunahme an Kapital und Vertrauen stellt die Bankfachleute in der Volmestadt auch vor neue Aufgaben. Baldschun: „Natürlich erwarten die Kunden von uns, dass wir sichere Anlagemöglichkeiten finden. Da ist es natürlich für uns sehr gut, dass das Kreditgeschäft deutlich angezogen hat.“ 3,5 Prozent mehr Wachstum im Bereich der privaten und gewerblichen Kredite habe die Bank in diesem Jahr verzeichnen können.

Sicherheit sei aber auch beim Wertpapiergeschäft gefragt. Dort sei der Umsatz mit Kunden wieder auf deutlich mehr als zehn Millionen Euro angewachsen. „Für viele unserer Kunden ist auch die Ausschüttung der Dividenden wieder ein ausschlaggebendes Kriterium beim Kauf von Aktien. Und in Krisenzeiten sollte der Kauf von Unternehmensbeteiligungen über Aktien mit in die persönliche Anlagestrategie einbezogen werden“, so Böhse.

Doch trotz dieser erfreulichen Zahlen sehen die beiden Bankvorstände neben den Krisenmeldungen von finanzschwachen Staaten auch noch andere Stolpersteine auf dem Weg in ein wirtschaftlich gutes neues Jahr.

„Wir erleben derzeit massive staatliche Eingriffe in unser Geschäft. Und dabei werden alle Banken gleich behandelt, egal wie verantwortungsvoll oder verantwortungslos sie sich in der Bankenkrise verhalten haben. Dazu kommt dann noch die sogenannte Bankenabgabe, die auch uns auferlegt wurde. Gleichzeitig werden Privatbanken mit Milliarden von Steuergeldern gestützt. Und es sind dann leider häufig die selben privaten Banken, die mit Lockangeboten bei Kontoeröffnungen oder Tagesgeldkonditionen am Markt auftauchen, mit denen seriös wirtschaftende Unternehmen nur schwer mithalten können“, so Baldschun. Und Böhse ergänzt: „Wir dürfen nicht müde werden, Kunden und Politiker auf die massiven ökonomischen Fehlentwicklungen hinzuweisen.“ ▪ Johannes Becker

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