„Riesenspaß“ an der Gesamtschule

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Beim Arbeiten mit Filz konnten die Schüler ihre Kreativität unter Beweis stellen. ▪

KIERSPE ▪ Wer in diesen Tagen der Gesamtschule einen Besuch abstattet, sollte sich nicht wundern: Auf den umliegenden Sportplätzen herrscht reger Betrieb und auf den Fluren sind Schüler unterwegs, die sich wie Affen gebärden. Wieder andere sind damit beschäftigt, die Wände mit farbenfrohen Bildern zu gestalten und viele Klassenzimmer sind verwaist – ein deutliches Zeichen dafür, dass wieder einmal die Projektwoche ansteht.

„Bestimmt schon 30 Jahre“ werden laut Frank Bisterfeld, didaktischer Leiter an der Schule, diese „besonderen“ Tage angeboten. Vor den Osterferien wurden den Schülern unterschiedliche Projekte, zum Beispiel aus den Bereichen Naturwissenschaften, Kunst, Technik oder Sport vorgestellt. Anschließend konnten die Jugendlichen drei Dinge angeben, die sie besonders interessiert. Nach den Ferien erfuhren sie dann, an welchem Kurs sie letztlich mitwirken.

Da die Projektwochen jedes Jahr wieder stattfinden und so mancher Kurs genauso regelmäßig angeboten wird, „läuft vieles einfach so“, so Bisterfeld. Aber trotzdem steckt einiges an Organisation dahinter: Schüler sind doch nicht mit ihrer Wahl zufrieden und wollen in einen anderen Kurs oder ein Lehrer wird überraschend krank und ein Projekt muss somit ausfallen – Bisterfeld versucht für alles eine Lösung zu finden. Die Fünftklässler sind während dieser Woche auf Klassenfahrt, die zwölfte Klasse muss die ersten Abiturprüfungen absolvieren.

Im Pädagogischen Zentrum der Schule sind knapp 90 Jugendliche versammelt und bereiten alles für ihren großen Auftritt am Tag der offenen Tür am Samstag, 28. April, vor. Im Theaterprojekt wird in diesem Jahr das Musical „Das Dschungelbuch“ einstudiert. Dabei sind nicht nur die Schauspieler gefragt, es braucht auch junge Leute, die sich um die Technik, die Kulissen oder die Kostüme kümmern. Als „Aushängeschild“ der Projektwochen bezeichnet Bisterfeld, was hier Jahr für Jahr erarbeitet wird. Dazu gehört aber auch viel Arbeit: Die Schüler, die dort mitwirken, proben und werkeln den ganzen Tag.

Mit dem fächer- und jahrgangsübergreifenden „Unterricht in anderer Form“, wie Bisterfeld es nennt, soll ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden. Die Schüler sollen ihren Neigungen und Fähigkeiten nachgehen können. In der Regel sei das Ganze für alle Beteiligten ein „Riesenspaß“.

Und die Projekte, in denen sich die Schüler in dieser Woche engagieren, könnten unterschiedlicher nicht sein: Da gibt es amerikanische Sportarten oder Akrobatik, wer lieber kreativ sein will, kann mit Filz arbeiten, ein Video für die Abschlussfeier erstellen oder die Wände der Schule mit Gemälden verschönern. Eine andere Gruppe beschäftigt sich mit allem „Rund um die Schokolade“ , inklusive eines Besuchs im Schokoladenmuseum. Währenddessen gibt es in der Küche „Gesundes aus der Auflaufform“. Auch Projekte zum Thema Naturwissenschaften und Technik sind unter dem abwechslungsreichen Angebot.

Unter der Leitung von Lehrerin Katja Schwichtenberg geraten die Schüler mächtig ins Schwitzen: Zu heißen Rhythmen lernen die jungen Leute lateinamerikanische Tänze wie Cha-Cha-Cha oder Samba. Auch einige männliche Schüler geben ihr Bestes, um eine möglichst gute Figur zu machen. Schwichtenberg unterrichtet zwar eigentlich Deutsch und Gesellschaftslehre. Aber privat ist das Turniersporttanzen zusammen mit ihrem Mann ihre große Leidenschaft.

Beim Projekt „Gesundheit macht Schule“ ist an diesem Tag Ernährungsberaterin Andrea Haase zu Gast. Jeden Morgen nehmen die Schüler gemeinsam ein gesundes Frühstück zu sich, um anschließend alles Wissenswerte über eine ausgewogene Ernährung zu erfahren. Diesmal wird ein kleines Ernährungs- und Bewegungstagebuch gebastelt, damit die Jugendlichen sich bewusst werden können, wo in dieser Hinsicht noch Verbesserungsbedarf bei ihnen besteht.

Auch im Fitnessstudio Multisports ist eine Schülergruppe unter der Leitung von Susanne Witt und Andreas Hembach aktiv. Knapp 20 Kinder lernen mit Unterstützung des TV Berkenbaum Tennis zu spielen. Erst führen die Jugendlichen weitgehend selbstständig ein Aufwärmprogramm durch, dann lernen sie etwas zur Technik, um im Anschluss daran im Spiel das Gelernte umzusetzen.

Eine andere Gruppe lässt sich als Sporthelfer ausbilden. Sie bekommen am Ende des Kurses ein Zertifikat darüber, dass sie dann in der Lage sind, sich im Verein oder in der Schule als Helfer zu betätigen. An diesem Tag wird ihnen unter anderem gezeigt, welche Spiele sie als Pausensport für ihre Mitschüler anbieten können.

Im Physikraum erfahren die Jugendlichen an verschiedenen Stationen, an denen unterhaltsame Experimente aufgebaut sind, auf spielerische Art und Weise mehr über unterschiedliche naturwissenschaftliche Phänomene . Da drehen sich dann flackernde Kerzen auf Plattentellern, ein schales Bier bekommt im Vakuum wieder eine ansehnliche Krone oder ein festgekochtes und ein rohes Ei liefern sich einen Wettlauf.

Eines ist die Projektwoche an der Gesamtschule nach einhelliger Meinung nicht: Langweilig. Auch die Lehrer stehen hinter der Veranstaltung. Als die Frage im Raum stand, ob die Projektwoche weiter fester Bestandteil des Schulprogramms bleiben soll, sprach sich auch das Kollegium eindeutig dafür aus – trotz des organisatorischen und zeitlichen Aufwandes, der dahinter steckt. Die Ergebnisse dieser Woche werden dann beim Tag der offenen Tür am 28. April vorgestellt. ▪ Andrea Mackenbruck

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