Richtig handeln bei Notfällen

Dr. Dirk Wierich vom Rettungsdienst MK und der Kiersper Allgemeinmediziner Guido Kussek klären zur richtigen Alarmierung bei medizinischen Notfällen auf. J

KIERSPE ▪ Besonders nach der Einführung der zentralen Notfallpraxis für den kassenärztlichen Vertretungsdienst am Klinikum in Lüdenscheid-Hellersen und der neuen einheitlichen Notfallrufnummer 0180/ 50 44 100 für die Fälle, die aus gesundheitlichen Gründen keine Möglichkeit haben, selbst dorthin zu gelangen und daher den Hausbesuch eines Arztes brauchen, dies verbunden mit dem Wegfall des örtlich geregelten Vertretungsdienstes, hat es immer wieder schwierige Situationen und teilweise auch gefährliche Verzögerungen gegeben.

Hauptgrund ist, dass die Menschen verunsichert sind, wohin sie sich bei bestimmten gesundheitlichen Problemen wenden müssen, und genauso, welche Angaben dann wichtig sind. Hierzu klären zusammen der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes beim Märkischen Kreis, Dr. Dirk Wierich, und der Kiersper Arzt Guido Kussek auf.

„Hinter den vielen ähnlich klingenden Begriffen wie Notarzt, Notdienst, Notfalldienst oder auch Rettungsdienst verbergen sich ganz unterschiedliche Systeme der medizinischen Hilfe“, so Wierich. Für die Bürger sei dies kaum noch zu durchblicken und so gebe es bei medizinischen Notfällen immer wieder Unsicherheit, welche Telefonnummer für eine adäquate Hilfe zu wählen sei und was sich hinter diesen Nummern verberge.

„Gerade mit der Neuregelung des kassenärztlichen Vertretungsdienstes ab Februar dieses Jahres entstand sehr viel Verwirrung bei den Patienten“, weiß auch Kussek als niedergelassener Allgemeinmediziner. Es gebe im Grunde zwei verschiedene Systeme, die medizinische Hilfe anbieten: Das sei zum einen der unter der deutschlandweit einheitlichen Notrufnummer 112 erreichbare Rettungsdienst. Dieser sei besonders für die Behandlung von Notfallpatienten in akuter Lebensgefahr oder bei denen schwere gesundheitliche Schäden zu befürchten sind, zuständig. Wierich nennt konkret die Indikationen wie Bewusstlosigkeit oder auch akute Bewusstseinsstörungen, schwere Atemnot, anhaltende Schmerzen in der Herzgegend, starke Blutungen, plötzlich auftretende Lähmungen der Arme und Beine, Unfälle aller Art oder auch Verdacht auf eine Vergiftung. In all diesen Fällen sei die 112 immer die richtige Wahl. Lähmungen könnten so für einen Schlaganfall sprechen und gerade dabei würde häufig viel zu spät alarmiert, berichtet der oberste Rettungsarzt im Kreis.

Neben dem Rettungsdienst, so Guido Kussek weiter, existiere zum anderen noch der kassenärztliche Vertretungsdienst, auch Notfalldienst genannt. Hierbei handele es sich um einen Vertreter des Hausarztes außerhalb der Praxisöffnungszeiten. Die Zuständigkeit dieses Dienstes erstrecke sich auf weniger dringliche Notfälle, bei denen der Patient normalerweise einfach den Hausarzt konsultieren würde, er aber nicht mehr warten kann bis zur Praxisöffnung am nächsten Werktag. Das könne beispielsweise bei einer schweren Erkältung, Schnupfen oder Husten so sein, aber auch bei Schmerzen mittlerer Stärke oder Übelkeit und Erbrechen, sofern diese nicht lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. „Diesen Dienst kann man in einer der landesweit 67 Notfallpraxen in Anspruch nehmen. Die nächste befindet sich eben in Lüdenscheid“, so Kussek. Wenn ein Patient aus medizinischen Gründen eine dieser Praxen nicht selbst aufsuchen könne, finde wie früher ein Hausbesuch durch einen Arzt statt. Dieser kassenärztliche Vertretungsdienst sei in Nordrhein-Westfalen über die Telefonnummer 0180/ 50 44 100 erreichbar.

Die Disponenten, die übrigens anders als bei der Einsatzleitzentrale für den MK-Rettungsdienst in Lüdenscheid, wo durchweg Rettungssanitäter beschäftigt sind, über keine medizinische Ausbildung verfügen, sitzen in Duisburg und regeln dann den Arztbesuch zuhause. „Da der diensthabende Arzt im Fahrdienst für einen großen Bezirk zuständig ist, kann es auch schon mal mehr als eine Stunde dauern, bis er beim Patienten eintrifft“, so der Allgemeinmediziner, der aber auch weiß, dass es in Einzelfällen sogar noch länger dauern kann. Zudem verfügen die Fahrzeuge des kassenärztlichen Vertretungsdienst nicht über Sonderrechte im Straßenverkehr, also Blaulicht und Martinshorn wie beispielsweise die Fahrzeuge des Rettungsdienstes. Wenn die Nummer in Duisburg gewählt wurde, der Zustand des Patienten sich jedoch zunehmend verschlechtert, empfiehlt Kussek, dann lieber doch noch die 112 anzurufen und damit den Rettungsdienst.

Ein paar wichtige Tipps gibt Dr. Dirk Wierich ebenfalls zu den Angaben, die bei den Anrufen gemacht werden müssen, obwohl gerade die Kräfte bei der Einsatzleitzentrale für den Rettungsdienst bei der Abfrage der wichtigsten Angaben geschult seien: So werde als erstes nach dem Standort des Patienten gefragt und dann nach den akuten Beschwerden und gegebenenfalls Zahl und Art der Verletzungen. „Ganz wichtig“, macht Wierich aufmerksam, „ist eine Schilderung von wesentlichen Vorerkrankungen des Patienten, die mit den akuten Beschwerden im Zusammenhang stehen könnten.“ Es sei gut, wenn sich die Patienten oder deren Angehörige genau darauf schon vorher einstellten, damit nichts vergessen werde.

Beim Rettungsdienst sei schnelle Hilfe garantiert. So gilt für den ländlichen Raum, dass mindestens innerhalb von zwölf Minuten Hilfe beim Patienten eintrifft, in Städten sogar nach acht Minuten. Diese Empfehlungen würden im Märkischen Kreis zu 90 Prozent eingehalten. In Kierspe verkürzt sich die Zeit zusätzlich noch durch das Helfer-vor-Ort-System des DRK und drei niedergelassenen Medizinern, die auch in den Rettungsdienst eingebunden sind und, weil sie sich vor Ort befinden, natürlich schneller bei den Betroffenen sind als ein Arzt aus Lüdenscheid oder der Rettungswagen aus Meinerzhagen.

Von Rolf Haase

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