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Rezeptfreies Viagra? Apotheker sehen auch Risiken

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Von: Detlef Ruthmann

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Kiersper Apotheker weisen auf Risiken bei Viagra-Einnahme und Beratungen hin
Können Männer die „blaue Pille“ bald ohne Rezept in der Apotheke erhalten? Eine Expertenkommission des BfArM berät Ende Januar über die Entlassung aus der Rezeptpflicht. © Uli Deck/dpa

„Für viele Männer ist es sicherlich nicht schlecht, weil sie sich nicht trauen, mit ihrem Arzt darüber zu sprechen“, Apotheker Franz-Josef Ruthmann von der Montigny-Apotheke sieht in der möglichen Befreiung aus der Verschreibungspflicht von Potenzmitteln wie Viagra durchaus positive Gründe.

Kierspe - Der Wirkstoff Sildenafil und seine Weiterentwicklungen werden wird bei Medikamenten verwendet, mit denen die erektile Dysfunktion beim Mann behandelt wird und dessen bekanntestes Produkt zweifellos Viagra ist. Ein Expertengremium des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) will Ende dieses Monats beraten, ob die oft als „blaue Pille“ bezeichnete Viagra-Tablette und vergleichbare Produkte auch künftig rezeptpflichtig sind oder man sie – wie die Pille danach für Frauen – auch ohne Rezept in der Apotheke bekommt.

Mögliche Nebenwirkungen

Das Problem sehen die Kiersper Apothekerinnen und Apotheker in den Nebenwirkungen, die insbesondere für Männer mit Vorerkrankungen wie Herzinsuffizienzen, Bluthochdruck, Übergewicht sowie Raucher zum Risiko werden können. „Bei Herzproblemen hatte es nach der Einnahme schon Todesfälle gegeben“, weiß Christiane Karge von der Apotheke zum Wildenkuhlen.

Und auch Bärbel Schulz von der Rauk- und Helmut Gerlach von der Post-Apotheke betonen – ungeachtet der Bedingungen, unter denen das Medikament aus der Rezeptpflicht entlassen wird – , dass stets zwischen den Kontraindikationen und dem Nutzen abzuwägen sei. Für Schulz und Gerlach ist ebenso wie für Ruthmann und Karge klar, dass die Beratungen vor dem Verkauf sehr wichtig sind und sich nicht von denen zu anderen Arzneimitteln unterscheiden.

Für viele Männer ist das sicherlich nicht schlecht.

Franz-Josef Ruthmann, Apotheker

Dabei handelt es sich für Bärbel Schulz und Christiane Karge um kein Tabu-Thema. Auf der anderen Seite sei jedoch nicht sicher, ob die Kunden auch stets die Wahrheit sagen, Viagra & Co. als Lifestyle-Mittel betrachten und es nicht bei der richtigen Indikation einsatzen. Denn es handelt sich um ein Medikament, das nicht lebenswichtig sei, aber sehr wohl die Lebensqualität verbessern könne.

„Es ist dann prädestiniert für die Versandapotheke“, befürchtet Karge, „wo sie die Arznei dann ohne Beratung erhalten“, fügt Schulz hinzu. Beide hoffen wie ihre Kollegen, dass die Bedingungen bei einer Entlassung aus der Rezeptpflicht ähnlich sind wie bei der „Pille danach“ für Frauen. Die gibt es bereits rezeptfrei, jedoch muss ein Beratungsbogen ausgefüllt werden. Die Beratungen eines Viagra-Käufers sollten ebenfalls dokumentiert werden.

Es ist dann prädestiniert für die Versandapotheke.

Christiane Karge, Apothekerin

Dennoch befürchtet nicht nur Franz-Josef Ruthmann, dass die Situation in diesem Bereich unübersichtlicher wird. Er wie auch Helmut Gerlach, Bärbel Schulz und Christiane Karge sehen zwar die Beratungstätigkeit als eine ihrer wesentlichen Aufgaben, gleichwohl wäre es aus ihrer Sicht besser, wenn ein Patient vor dem Kauf von Viagra & Co. mit seinem Arzt darüber sprechen würde. Denn der Arzt kenne seinen Patienten und könne das Risiko, die Restgefahr besser einschätzen. Die Apotheker weisen zwar ebenfalls auf die Gefahren hin, wüssten jedoch nicht, ob der Patient nicht doch etwas verheimlicht – nur, um am Ende das Medikament zu bekommen.

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