Weltenbummler Eddy macht auch in Rönsahl Station

Blick in die Karte: Eine tägliche Wegstrecke von mindestens 100 Kilometern will der passionierte Weltreisende auf seinem derzeitigen Trip über Berlin und markante Anlaufpunkte im Osten unseres Landes in den nächsten Tagen und Wochen unter die Reifen nehmen. Foto: Crummenerl

Rönsahl - MZ-Mitarbeiter Rainer Crummenerl machte kürzlich eine ungewöhnliche Entdeckung, über die er nun berichtet: „Zu einer unchristlichen Uhrzeit gaben die Hunde meines Nachbarn laut. Sie wollten sich gar nicht beruhigen. Nachbar Hermann sah nach, kam kurz darauf zu mir und sagte, dass da hinterm Busch auf der Wiese ein Mann mit seinem Fahrrad stehe und nur Englisch spreche.“

Einigermaßen neugierig geworden, zögerte Rainer Crummenerl nicht lange und sah nach, was da los war und ob er irgendwie helfen könne. Und tatsächlich: Im hohen Gras auf der Futterwiese nebenan saß ein Mann von hagerer Statur mit weißem Haar und braun gebranntem Gesicht. Zwei hellwache Augen blickten auf, als der Rönsahler Chronist der MZ auf ihn zukam. Mit einem Lächeln erwiderte er seine Begrüßung mit „Hallo, how are you?“. „Mehr fiel mir im ersten Moment nicht ein. Mein Schulenglisch ist nach langen Jahren und inzwischen auch fehlender Berufspraxis doch ein wenig eingerostet“, sagt Crummenerl. „Dass es sich nach kurzer Zeit wieder eingependelt hatte, lag laut dem Journalisten auch an Eddy, seinem 61-jährigen Gegenüber, der da vor seinem Einmannzelt im Gras saß, genüsslich seinen Kaffee schlürfte und dabei ganz nebenbei „den Haushalt“ erledigte. Er reinigte das benutzte Alugeschirr und räumte den einfachen aber sehr effizienten Benzinkocher zum Zubereiten warmer Mahlzeiten an die Seite. Daneben am Zaun lehnte ein besonders solide gearbeitetes Fahrrad mit insgesamt vier Satteltaschen, in denen alles verstaut war, was dessen Besitzer unterwegs benötigt.

„Ich brannte geradezu vor Neugier. Eddy schien das zu ahnen und war wohl auch froh, dass er seine abenteuerliche Geschichte erzählen konnte. Nachdem wir uns gegenseitig bekannt gemacht hatten, erfuhr ich, dass Eddy gemeinsam mit seiner Frau Marianne in einer kleinen Stadt bei Gent in Belgien zuhause ist und dort ein eigenes Haus besitzt. Als waschechter Flame spreche er schon aus Prinzip kein Wort französisch und bediene sich stattdessen im Ausland der englischen Sprache“, erzählt der Ronsähler. Seit geraumer Zeit bereits Rentner, könne der ehemalige Stahlwerker jetzt ausgiebig seinem zeitlebens betriebenen Hobby, dem Erkunden fremder Länder – und das ausschließlich als Rucksacktourist mit Zelt und Fahrrad – frönen. Seine Frau Marianne, die Beiden sind kinderlos geblieben, teile seine Reiseleidenschaft. Manchmal sind beide gemeinsam auf Europas Straßen unterwegs, so vor zehn Jahren, als es per Fahrrad von Belgien nach Portugal und zurück ging oder auch 1998, als Finnland und Schweden ihr Ziel waren.

„Der Weltenbummler, denn nichts anderes ist mein Gesprächspartner, geriet geradezu ins Schwärmen, als er von der im letzten Sommer unternommenen Flugreise, einem Billigflug mit den Katar- Airlines nach Indien, erzählte. Er schilderte beeindruckende Erlebnisse in Katmandu und Bangkok, auch von Übernachtungen im Zelt am Fuße des Himalaja, den Besuch im Tadjmahal und von der ihm erwiesenen Freundlichkeit zumeist armer Menschen, denen er begegnet ist“, so Crummenerl. In den letzten 15 Jahren hat Eddy rund 50 000 Kilometer per Fahrrad zurück gelegt. Zwei bis dreimal jährlich geht’s auf Achse in Europa und Asien. Eddy hat Südkorea kennen gelernt, war in Sri Lanka und mehrmals in Indien. „Aber am Schönsten auf der Welt sei es in Nepal. Aber nur, wer mit offenen Augen und wachem Sinn unterwegs ist, weiß auch, dass man auch ohne viel Geld zu haben die Schönheiten in aller Welt erkennen und dabei reich beschenkt werden kann“, zitiert unserer Mitarbeiter die Lebensregeln des Weltenbummlers.

Zur Zeit habe ihn das Reisefieber erneut gepackt. Wenngleich erst am vergangenen Montag ein heftiges Gewitter Hagelschäden am eigenen Haus verursacht hatte, gab ihm seine „bessere Hälfte“ dennoch grünes Licht für einen neuerlichen Trip auf Europas Straßen. „Er habe sich mit einer Fahrt durchs Braunkohlenrevier in der Gegend um Köln-Jülich einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Nach rund hundert Kilometern im Sattel bot sich die Übernachtung auf der Wiese in Rönsahl eher zufällig an. Am nächsten Morgen gehe es dann weiter in Richtung Brilon, von da aus dann nach Leipzig, Dresden und Passau, bevor dann Innsbruck auf dem Plan steht“, gibt Rainer Crummenerl die Reisepläne des Belgiers wieder. Überall, so auch in der Schweiz, wolle er Freunde von diversen Reisen treffen. Der Rönsahler: „Auch wir tauschten unsere E-Mail-Adressen aus, bevor Eddy nach einem gemeinsamen Frühstück, zu dem meine Frau und ich ihn eingeladen hatten, aufbrach zu neuen Reiseabenteuern.“

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