Mit der VHS ans Ende der Welt

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Auch in die historische Stadt Petra in Jordanien führte schon eine Fahrt der VHS Volmetal.

Kierspe - Bis ans Ende der Welt, oder zumindest knapp davor. Nicht selten führen die Reisen der Volkshochschule Volmetal in exotische Länder – und lassen damit Reisen wieder zu einem Abenteuer werden. Doch wer sind die Menschen, die an diesen Reisen teilnehmer? Und wer arbeitet die Touren aus?

"Das Leben sehen, die Welt sehen, Augenzeuge großer Ereignisse sein, die Gesichter der Armen und das Gehabe der Stolzen erblicken“, so formulierte das Magazin Life die Absichtserklärung an sich selbst. Und dieses Motto könnte auch so für die Volkshochschule gelten. Schaut man ins Programm des kommenden VHS-Halbjahres, dann fallen die Reisen nach Japan und Buthan aus dem Rahmen. Allein schon preislich stellen sie einen Kontrast zum üblichen Programm dar. Müssen die Japanreisenden doch immerhin für die 14-tägige Fahrt 3700 Euro zahlen, für die 13 Tage nach Nepal und Buthan (siehe Info-Kasten) stehen 3600 Euro auf dem Preisschild.

In der Vergangenheit ging es auch schon mal nach Südafrika, Myanmar, Ecuador oder Rajasthan in Indien. Als regelrechte Abenteuerreise bezeichnet die stellvertretende VHS-Leiterin Kathleen Berchter die Tour nach Syrien, Jordanien und Israel vor einigen Jahren. Da mussten die Reisenden ihren Bus vor der Grenze stehen lassen und hinter dem Schlagbaum einen neuen besteigen. Kaum vorstellbar, wann sich diese Reise sich aufgrund der politischen Verhältnisse im Nahen Osten noch einmal wiederholen ließe.

Fragt man Berchter nach den Reisenden, wird schnell klar: Den typischen VHS-Reisenden gibt es nicht. So sind die Mitfahrer eher älter als 50 Jahre, zu einem nicht geringen Teil Alleinreisende – und vor allem sind sie Wiederholungstäter. „Manche sind fast jedes Jahr dabei, andere immer mal wieder“, erzählt die stellvertretende VHS-Leiterin. Es seien vor allem Fernreisen gefragt, „nach Bayern oder an die Nordsee fahren unsere Kunden selber“.

Oft handele es sich um Menschen, die viel arbeiten würden und wenig Zeit hätten. „Die möchten solch eine aufwendige Fahrt nicht ausarbeiten. Und solche Fahrten müssen nun einmal gut vorbereitet werden“, sagt Berchter und erzählt, dass auch sie schon einmal im Rahmen ihres privaten Urlaubs und auf eigene Kosten im Vorfeld einer Fahrt in eines der Reiseziele gefahren sei, um sich ein Bild von dem Land zu verschaffen.

Und ein Bild von dem Land zu bekommen – und Lebenssituationen abseits der normalen touristischen Programms zu erleben, sei ein Antrieb für viele Reisende. Als Beispiel nennt Berchter ein Sozialprojekt in Afrika, bei dem Frauen alle möglichen Gegenstände aus alten Teebeuteln fertigen. „Meist sind die Mitfahrer natürlich weltoffen und interessiert. Man darf bei diesen Fahrten auch keine Scheu vor anderen Kulturen haben. Man muss bereit sein, andere Lebensweisen zu tolerieren und akzeptieren. Für viele wird es zum Aha-Erlebnis, wenn sie erkennen, dass auch Menschen, die in Armut und unter ganz anderen Umständen leben, glücklich sein können“, sagt Berchter.

Ausgesucht werden die Ziele in erster Linie vom VHS-Team, aber auch die Anregungen von Reisenden würden in die Pläne einfließen. So denke man derzeit über eine Reise nach Äthiopien nach. Ob sich dieses Ziel aber letztlich für eine Gruppenreise anbiete, sei noch längst nicht sicher.

Und so weit die Teilnehmer auch reisen, sie kommen selbst nahezu alle aus dem gleichen Gebiet. Berchter: „Fast alle Teilnehmer wohnen im Märkischen Kreis. Ist mal ein Einzelreisender oder ein Paar aus anderen Teilen des Landes dabei, sind es meist Freunde von Teilnehmern aus unserer Region. Wobei wir uns natürlich niemandem verschließen.“

Die stellvertretende VHS-Leiterin rät aber auch jedem Mitreisenden, sich vor der Anmeldung gut zu informieren. „Das sind echte Bildungsreisen. Da bleibt wenig Zeit für Erholung. Wir haben schon Fahrten gehabt, da sind wir morgens um 6 Uhr am Hotel losgefahren und haben das nächste erst nach zwölf Stunden wieder erreicht.“ Doch vor solchen Strapazen scheinen sich viele nicht zu fürchten. So findet beispielsweise die Fahrt im kommenden Jahr nach Japan zum zweiten Mal statt, weil durch die Anmeldungen zur ersten Tour eine lange Warteliste entstanden war. Das bestätigt dann wohl auch die Einschätzung des VHS-Teams, das in den Fahrten etwas ganz Besonderes sieht. Berchter: „Der Blick auf die Welt ändert sich.“

Eine Bezuschussung der Volkshochschulfahrten findet nach Angaben von Kathleen Berchter nicht statt. Im Gegenteil, erwirtschaftete Gewinne (zu denen die VHS laut Satzung verpflichtet ist) kommen anderen Angeboten zugute, die dann preiswerter, manchmal sogar kostenlos angeboten würden.

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