Reise zu Möglichkeiten des Sterbegeleits

„Sanftes Sterben – eine Reise zu den Möglichkeiten des Übergangs und seines Geleits“, überschrieb Prof. Dr. Franco Rest den Fachvortrag, den er am Samstagabend im Awo-Seniorenzentrum hielt.

KIERSPE ▪ Seit 40 Jahren beschäftigt sich Prof. Dr. Franco Rest bereits mit der Sterbeforschung. Am Samstagabend hielt der Mitbegründer der Hospizbewegung in Deutschland dazu im Seniorenzentrum am Haunerbusch einen Fachvortrag.

Eingeladen hatten die ehrenamtliche Hospizgruppe Kierspe-Meinerzhagen und das Awo-Seniorenzentrum im Rahmen ihrer gemeinsamen Veranstaltungsreihe „Sanftes Sterben“, die in diesem Herbst in Kierspe stattfindet.

Mit seinem Gedicht „Wiegenlied“ stimmte Franco Rest das Publikum auf seinen Vortrag ein. Nach viel Forschung und Politik beschäftigt sich der 68-Jährige jetzt intensiv mit der Poesietherapie. Den Menschen auch im Sterben eine Stimme zu geben, mache sie „lebenssatt“ und erleichtere ihnen den Übergang in das „Danach“, zeigte er sich überzeugt.

In seinem Ritt durch die Geschichte der Sterbeforschung skizzierte der Referent zunächst den Umgang mit sterbenden Menschen, bevor die Hospizbewegung in Deutschland vor mehr als 30 Jahren entstand.

Damals wurden Sterbende in Badezimmer oder Abstellräume in Krankenhäusern und Altenheimen abgeschoben. Der Tod wurde aus der Familie verbannt und das Sterben nicht thematisiert. „Das persönliche, sanfte Sterben braucht aber die Solidarität der Umwelt, es ist ein gesellschaftlicher Auftrag“, machte Rest deutlich. Heute näherten wir uns ihm dadurch an, dass wieder vermehrt in der vertrauten häuslichen Umgebung gestorben werde. Das Thema Tod tauche auch in den Lehrplänen für Ärzte und Pflegekräfte, ja sogar für Schulkinder auf.

Vor allem das große ehrenamtliche Engagement der Hospizvereine trüge dazu bei, letzte Wünsche zu ermöglichen und einen persönlichen Beistand im Sterbeprozess sicherzustellen. „Heute sind Kommunikationshemmungen und Sprachlosigkeit zum Thema Tod weitgehend abgebaut“, berichtete der Sterbeforscher.

Als zentrale Ängste sterbender Menschen benannte Franco Rest die Angst vor Schmerzen, Luftnot, Anonymität und Alleinsein. Aber auch die vor einem Verlust der eigenen Persönlichkeit oder Anderen zur Last zu fallen. Aufgabe des Begleiters sei es, sich diesen Ängsten zu stellen und mit ihnen umzugehen. „Gelingendes Sterben stellen sich Betroffene selbst als schmerz- und symptomkontrolliert, individuell begleitet, losgelassen, aber nicht vereinsamt, still und nicht sprachlos vor. Menschen möchten lebenssatt ihre Biografie beschließen“, fasste Prof. Rest die Ergebnisse seiner Forschungen zusammen.

37 „Verhaltensregeln“ hatte er für hospizliche Begleiter abschließend zusammengestellt. „Sanftes Sterben ist nicht erzwingbar, sondern ein Geschenk, das den Menschen dann zuteil wir, wenn wir die Fehler der Vergangenheit vermeiden, ihre Persönlichkeit achten und ihnen erlauben ihr Sterben selbst zu gestalten und zwar gemäß der Sehnsüchte und Hoffnungen, die sie damit verbinden“, gab der Professor seinen Zuhörern mit auf den Weg. ▪ msh

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