Drei albanische Familien aus Kierspe müssen neue Heimat verlassen

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Auch Elona und Dashnor Malecka mussten mit ihrer kleinen Tochter das Land verlassen. Nun erwartet sie in Albanien ein Leben in Armut und ohne eine Chance auf Arbeit.

Kierspe - Die gute Integration der Kinder, die schwere Erkrankung eines Familienvaters und das Anrufen der Härtefallkommission konnten drei albanische Familien aus Kierspe nicht vor der „Rückführung“ in ihr Heimatland bewahren.

Ausgestattet mit einem mehr als geringen Übergangsgeld gehen sie nun in eine ungewisse Zukunft. Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte Familie Malecka in Kierspe ein echtes Familienleben kennengelernt. Im April 2015 waren Elona und Dashnor mit ihrer kleinen Tochter nach Kierspe gekommen. Im vergangenen Jahr teilte ihnen dann das Amt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mit, dass sie keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen würden. „Wir haben uns für die Maleckas und eine weitere Familie an die Härtefallkommission gewandt, doch von dort gab es trotz der aufwendigen Vorarbeit nicht einmal eine Stellungnahme“, zeigt sich Karin Schmid-Essing vom Arbeitskreis Flüchtlinge enttäuscht.

Dabei hätte es aus Sicht des Arbeitskreises durchaus Gründe gegeben, die als Härtefall anerkennenswert gewesen wären. So leidet Dashnor an einer Venenerkrankung, die aus medizinischer Sicht jede harte körperliche Arbeit verhindert – und eventuell wieder auftreten könnte und dann schnellstmöglich behandelt werden müsste. Damit ist ihm im Grunde auch jede Möglichkeit genommen, wieder als Illegaler in Italien oder Griechenland einen Job zu finden – ein Leben das er bereits Jahrzehnte führte und das erst durch die schwere Krankheit ein Ende fand.

Bei einer zweiten Familie hatten die Schüler an der Gesamtschule noch im November des vergangenen Jahres Hunderte Unterschriften gesammelt und sich so für ein Bleiberecht ihrer Mitschüler eingesetzt – vergeblich. Bei dieser Familie, die namentlich nicht genannt werden möchte, kommt hinzu, dass sie befürchten müssen, der in Albanien noch verbreiteten Blutrache zum Opfer zu fallen.

Mit Unterschriftenlisten, die im Rathaus an den Beigeordneten Olaf Stelse übergeben wurden, demonstrierten die Gesamtschüler im November ihre Solidarität mit ihren albanischen Mitschülern, die abgeschoben werden sollten.

 

Insgesamt machten sich nun drei Familien aus Kierspe auf zum Flughafen in Köln, um von dort den Rückflug in ein ungewisses Leben anzutreten. „Es war eine nahezu gespenstische Stimmung in den Terminals“, schildert Schmid-Essing, die eine der Familie zum Flughafen gefahren hatte. Mehr als 200 Menschen, meist mit kleinen Kindern hätten schweigend in der Halle gestanden. Schmid-Essing: „Für die meisten ist ganz klar, dass sie nach ein paar Wochen in ihrem Heimatland wieder aufbrechen werden, um als Illegale ihr Geld im Ausland zu verdienen.“ Deutschland habe zwar den Flug bezahlt, doch die 150 Euro Übergangsgeld pro Familie würden letztlich nur reichen, um zwei Wochen leben zu können. „Sozialhilfe gibt es in dem Land nicht. Letztlich müssen Verwandte für Hilfsbedürftige aufkommen, vorausgesetzt, sie haben selbst etwas“, erklärt die Flüchtlingshelferin.

Nach der Rückkehr direkt wieder auf der Flucht

Danach müssten die, die sich als Illegale in der Landwirtschaft der südlichen EU-Länder verdingen können, wieder ausreisen – immer mit der Angst erwischt und zurückgeschickt zu werden. Familie Malecka, für die dieser Weg versperrt ist, kann die Wohnung eines Verwandten beziehen, muss jedoch die Stromkosten im Voraus bezahlen. Auch ein Kindergartenplatz ist nicht in der Nähe der Unterkunft zu finden. Für die Fahrtkosten werden wohl rund 40 Euro im Monat fällig.

Um die Menschen, die nun das Volmetal verlassen mussten, nicht ganz und gar ihrem Schicksal zu überlassen, haben sich nun einige Kiersper bereitgefunden, sie in der Anfangszeit zu unterstützen. So zahlt beispielsweise eine Kiersper Familie die Kindergartenkosten für die kleine Tochter der Maleckas. Schmid-Essing: „Im Verein ,Menschen helfen’ war schnell klar, dass wir die Rückkehrer nicht in ihren Heimatländern versorgen können, denn schließlich leben in Kierspe mittlerweile rund 400 Geflüchtete, die ebenfalls auf Hilfe angewiesen sind.

Der Verein ist aber bereit, zielgerichtete Spenden anzunehmen und an die albanischen Familien weiterzuleiten.“ Doch selbst dieses sei nicht so ganz einfach. So gebe es keine Möglichkeit für Daueraufträge und eine normale Überweisung erweise sich schon nicht als ganz einfach.

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