35 Reinigungskräfte verlieren ihren Arbeitsplatz

Die Kiersper Gesamtschule ist das größte städtische Gebäude und damit bei den Reinigungskosten wohl auch das teuerste. Ab 1. Januar soll auch dort billiger gereinigt werden. - Foto: van den Wall

KIERSPE - Den Mitarbeitern, die bislang die städtischen Gebäude der Stadt Kierspe gereinigt haben, wurde in den vergangenen Tagen eine Kündigung zugesandt. Ursache für diese „Massenentlassung“ ist die Kündigung des Vertrages zwischen der Stadt und der Reinigungsfirma, die ihr Regionalbüro in Herscheid hat.

Gerade Schultoiletten zu reinigen gehört sicher nicht zu den beliebtesten Aufgaben des Reinigungspersonals. Doch auch Klassenräume und Umkleidekabinen in Turnhallen verlangen mitunter einen robusten Magen. Da sind die Amtsstuben im Rathaus sicher schon angenehmer. Doch trotz aller Hinterlassenschaften und unangenehmen Tätigkeiten, zumindest finanziell sind die Putzkräfte nicht ganz so schlecht gestellt, wie andere Arbeitnehmer, die im sogenannten Billiglohnbereich ihr Auskommen suchen. Doch für die 35 Beschäftigen, die als Angestellte der Firma Jürgens arbeiten, deren Niederlassung sich in Herscheid befindet, ist am Ende dieses Jahres erst einmal Schluss mit der Arbeit in den städtischen Einrichtungen in Kierspe – und damit auch mit dem tarifvertraglichen Lohn von neun Euro. Denn die Stadt hat den seit Jahren bestehenden Vertrag mit Jürgens gekündigt.

Gekündigte Angestellte hatten gar den Verdacht geäußert, „Billigarbeiter“ aus Rumänien würden in Zukunft den Feudel in Kiersper Gebäuden schwingen. Dem widerspricht Kämmerer Olaf Stelse aber entschieden: „Egal, wer im kommenden Jahr den Auftrag bekommt, die städtischen Einrichtungen zu reinigen, auch dieser Betrieb muss den Tariflohn zahlen, da der Tarifvertrag als allgemeingültig anerkannt ist.“ Ursache für das Vorgehen der Stadt sei eine Prüfung der städtischen Ausgaben durch die Gemeindeprüfungsanstalt. „Dabei wurde festgestellt, dass Kierspe aufgrund seiner Größe mehr Geld für die Reinigung ausgebe, als vergleichbare Kommunen im Mittel. In der Konsequenz haben wir den Vertrag mit dem bisherigen Unternehmen gekündigt und die Arbeiten neu ausgeschrieben“, so Stelse, der in diesem Zusammenhang auch betonte, dass es keine sonstigen Probleme mit der Firma gebe und diese sich selbstverständlich auch an der Ausschreibung beteiligen könne.

Ein solches Vorgehen hat die Firma Jürgens auf Nachfrage der Meinerzhagener Zeitung auch angekündigt.

Im aktuellen Haushalt hat die Stadt derzeit stolze 462 000 Euro eingestellt, um die städtischen Gebäude reinigen zu lassen. Den Zuschlag erhalte, nach den Aussagen von Stelse, aber nicht zwingend der billigste Anbieter, vielmehr werde man das „wirtschaftlich vernünftigste Angebot“ berücksichtigen.

Sorgen, der neue Vertragspartner könne die Kosten durch irgendwelche Tricksereien senken, macht sich der Kämmerer nicht. Stelse: „Jede Firma, die für einen solchen Vertrag in Frage kommt, wird regelmäßig überprüft. Sollte sie in der Vergangenheit schon mal aufgefallen sein, dann ist das ein Ausschlusskriterium.“

Den gekündigten Reinigungskräften bleibt nur der Trost, dass sie sich bei der „neuen“ Firma bewerben können, denn auch diese wird ja nicht ohne Personal putzen können. - Johannes Becker

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