Reinhold Korte ist Globetrotter aus Leidenschaft

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In Hagen fing alles an: Von dort aus startete Reinhold Korte zu seinen Reisen rund um die Welt.

Kierspe - Die Haustür ist mit Fotos exotischer Landschaften verklebt, darunter steht „Deutsche Zentrale für Globetrotter e.V.“. Mit der Pfeife im Mund öffnet Hausherr Reinhold Korte und bittet herein in sein Wohnhaus in Mittelheukelbach.

An der Raumgestaltung scheint sich seit dem Bau im Jahr 1688 wenig geändert zu haben: niedrige Decken, kleine Fenster; geheizt wird mit Holzöfen und das Plumpsklo im Stall ist von 1860. Wohnkomfort sieht anders aus und Reinhold Korte erzählt freimütig, dass seine Frau es unter diesen Umständen vorgezogen habe, in ihrer Wohnung in Neuss zu bleiben.

Er selbst ist an ein spartanisches Leben gewöhnt, auf seinen vielen Reisen hat er schon weit schlechter gewohnt. Reinhold Korte ist Globetrotter aus Berufung. Wandertrieb und Abenteuerlust nennt er als Triebfedern seiner Lebensweise. Das sei kein Tourismus, stellt er klar. Mit Leuten, deren Reisen sich auf den gesetzlichen Jahresurlaub beschränken, will er nicht verglichen werden.

Praktisch sein ganzes Erwachsenenleben war Reinhold Korte unterwegs, allein, mit Freunden oder als Reiseleiter. Mit bürgerlicher Sicherheit hat das nichts zu tun, auch einen Beruf hat er nie erlernt, aber immerhin hat er einen LKW-Führerschein. Der war ihm schon vielfältig von Nutzen – um Geld als Fernfahrer zu verdienen oder auf Reisen, um durch Mitfahrer die eigenen Kosten kleinzuhalten.

Dabei ist Reinhold Korte keineswegs der Einzige, für den das Reisen Lebensziel und -zweck ist. Im Jahr 1974 war er mit dabei, als in seiner Heimatstadt Hagen die „Deutsche Zentrale für Globetrotter“ gegründet wurde. Inzwischen hat der Verein mehr als 700 Mitglieder und dient gleichermaßen als Informationsbörse und Netzwerk. Eine Zeitlang war „Resozialisierung“ ein vorrangiges Ziel, denn wer jahrelang unterwegs war, brauchte erst einmal wieder eine Wohnung und einen Job.

Das Problem stellt sich für Reinhold Korte nicht, er hat feste Bindungen in Deutschland. Seine Frau lernte er auf Madeira kennen, wo er als Wanderführer arbeitete. Zwei Söhne wurden geboren und schon im Vorschulalter auf „Kurzreisen“ mitgenommen – gemeint sind Reisen innerhalb von Europa. Inzwischen studieren beide, aber der Kontakt ist gut. Zu Weihnachten trifft sich die ganze Familie in Neuss.

Reiseerlebnisse werden zu Büchern verarbeitet

Als Reiseleiter arbeitet Reinhold Korte inzwischen nicht mehr – die Zeit wird auch für den inzwischen 69-Jährigen knapper. „Ich kann wahrscheinlich nur noch bis zu meinem 90. Geburtstag reisen“, sagt er und scheint das fast ernst zu meinen. Deshalb strebe er zunehmend Ziele an, die ihm persönlich wichtig seien: Guyana gehört dazu und die Mongolei.

Seine Reiseerlebnisse verarbeitet der Globetrotter auch weiterhin zu Büchern, das nächste erscheint in diesem Monat. „Irisches Flusstagebuch“, in Anlehnung an Heinrich Böll.

Ein mögliches Reiseziel liegt aber gewissermaßen vor seiner Haustür: Eine Kanufahrt über Kerspe und Wupper bis zum Rhein – das würde ihn schon noch reizen. „An der Staumauer ist das Wasser tief genug, da kann man losfahren.“

Natürlich weiß auch Reinhold Korte, dass die Kerspe über weite Strecken nicht gerade schiffbar ist. Aber das stört ihn nicht: „Dann wate ich eben durchs Wasser und ziehe das Kanu hinter mir her. Oder ich zerre es durchs Gebüsch und hebe es über Baumstämme. Das bin ich schließlich gewohnt.“

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