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Drohneneinsatz mit Folgen: Wolf entdeckt und Kitze gerettet

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Von: Detlef Ruthmann, Markus Klümper

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Bei Mäharbeiten auf Feldern ist gerade in diesen Zeiten Vorsicht geboten. Denn Rehkitze verstecken sich oft in den gut bewachsenen Feldern. Nun wurden nicht nur Kitze entdeckt, sondern auch noch ein Wolf.

Kierspe - Angesichts des schönen Wetters standen auch in Kierspe in NRW für den vergangenen Samstag Mäharbeiten auf großen Flächen an. Wie inzwischen an vielen Orten üblich, wurde das Areal zuvor mit einer Drohne überflogen, um Rehkitze und andere Tiere vor dem sicheren Tod durch den Mähdrescher zu retten.

Doch um etwa 9 Uhr sichtete die Wärmebildkamera der Drohne ein Geschöpf, mit dem der Landwirt wohl nicht gerechnet hatte: mutmaßlich ein Wolf. Der „sonnte“ sich auf einer Wiese abseits der „Eierkurven“ und hätte das nach Einschätzung von Jäger Helmut Brand wohl noch den ganzen Tag lang getan. Die Sichtung wurde allerdings bislang nicht von offizieller Seite bestätigt, war in der Abteilung Wolfsmonitoring und -management des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LaNUV) NRW noch nicht bekannt, wie eine Nachfrage der MZ dort ergab.

Drohneneinsatz mit Folgen: Wolf entdeckt und Kitze gerttet

Für Helmut Brand, langjähriger Mitpächter des „Jagdgebiets Mark 2“, war das nicht die erste Begegnung mit einem Wolf: Bereits am 6. Juli 2019 befand er sich auf dem Rückweg von einer Schwarzwildjagd, als er am frühen Morgen gegen 5.30 Uhr auf einer frisch gemähten Wiese einen Wolf entdeckte. Brand verfolgte das Tier mit dem Auto und konnte es dabei auch fotografieren.

Wolf - Sichtung - Kierspe
Bereits vor knapp zwei Jahren konnte Helmut Brand einen Wolf nicht nur sichten, sondern auch fotografieren. © Helmut Brand

Dass es sich – ebenso wie zwei Monate zuvor im Ebbegebirge – um einen Wolf handelte, wurde vom LaNUV Nordrhein-Westfalens bestätigt. Für den Jäger wurden damals auch einige Zusammenhänge klar: Ein in der Nähe gerissenes Kalb, das allerdings nicht auf den Wolf hin untersucht worden war, und eine auffällig geringe Zahl an Rehen mit ihren neu geborenen Kitzen – für Helmut Brand konnte nur ein Wolf die Ursache dafür sein.

Daher war er sich auch diesmal sicher, dass mit der Drohne solch ein Tier entdeckt worden war. Auch, wenn es nicht nur ein Foto der Wärmebildkamera gab, sondern auch ein mit einer normalen Kamera aufgenommenes Bild, so blieb es für den Laien schwierig bis fast unmöglich, das Tier auf diesen Fotos zu entdecken, geschweige denn zu erkennen.

Wolf - Sichtung - Kierspe
Nur für den erfahrenen Drohnenpiloten auf diesem Foto einer Wärmebildkamera zu erkennen: Der Wolf flüchtete, als sich Menschen der Fundstelle näherten. © Helmut Brand

Drohneneinsatz mit Folgen: Entdecktes Tier ergreift Flucht

Doch der längst geschulte Blick des Drohnenpiloten bestätigte den Fund. Als die Beteiligten sich bis zur Stelle der Sichtung „durchkämpften“, ergriff das entdeckte Tier die Flucht. Hätte es sich dabei um einen Hasen oder ein Reh gehandelt, wäre das an diesem Tag zweifellos ein völlig normaler Vorgang gewesen. Doch Helmut Brand identifizierte einen Wolf: „Wir haben an der Fundstelle auch Haare sicherstellen können, die auf einen Wolf hinweisen“, untermauert der Jäger seine Feststellung.

Während mancher Naturschützer die „Rückkehr“ des Wolfes sehr positiv sieht, hat der Jagdpächter eine eher ambivalente Haltung zu dieser Gattung: „Auf der Welt gibt es in zahlreichen Gegenden durchaus Wolfspopulationen, sodass die Art Wolf überhaupt nicht gefährdet ist“. Das sieht für typische Beutetiere des Wolfes ganz anders aus, vor allem durch die derzeitigen, großflächigen Waldrodungen: „Rehkitzen und vielen anderen Waldbewohnern fehlt es an Rückzugsraum.“

Drohneneinsatz mit Folgen: Kein angemessener Ausgleich

Für Nutztiere sei der Wolf ebenfalls sehr gefährlich. Schafe beispielsweise seien dem Tier quasi schutzlos ausgeliefert. Jedoch fördert das Land Schutzmaßnahmen wie Elektrozaun und Untergrabungsschutz zu 100 Prozent. Gleichwohl, so findet Helmut Brand, sei der Schadenersatz, den Schäfer oder Landwirte bekommen würden, kein angemessener Ausgleich: „Für ein gerissenes Schaf gibt es eine Entschädigung von 40 Euro, aber dafür müssen seitenweise Formulare ausgefüllt werden“.

Der Einsatz der Drohne am Samstag war aber auch in doppelter Hinsicht ein Erfolg: Zum einen wurde möglicherweise in Kierspe wieder ein Wolf entdeckt (noch nicht bestätigt). Zum anderen konnten sechs Rehkitze durch die Suchaktion aus der Luft gerettet werden – bevor der Mähdrescher zum Einsatz kam.

Von der Sichtung bis zur Bestätigung und Veröffentlichung

Wenn jemand einen Wolf sichtet und dies auf Fotos oder einem Video festhält, kann er sich mit einem ehrenamtlichen Wolfsberater in Verbindung setzen. Im Märkischen Kreis sind Daniela Beisemann, Thomas Kroll-Bothe vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland, Hans Obergruber vom Naturschutzzentrum Märkischer Kreis, Alexander Ramm, Ralf Scholz (Nördlicher Märkischer Kreis) und Dr. Wolfram Schulte ehrenamtliche Wolfsberater – Telefonnummer und E-Mail-Adressen finden sich im Internet unter der Adresse https://wolf.nrw (Stichwort: Wolfsberater), die dann den Sichtungsort verifizieren und damit bestätigen. Danach gehen Fotos oder Videos an das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) des Landes Nordrhein-Westfalen, wo das Material in der Abteilung Wolfsmonitoring und -management untersucht – und die Frage, ob es sich wirklich um einen Wolf handelt, beantwortet wird. Die Nachweise werden dann entsprechend im Internet veröffentlicht und sind unter https://wolf.nrw/wolf zu sehen. Dort finden sich aber noch weitere Informationen rund um das Thema „Wolf“, beispielsweise die Liste der Wolfsberater, den Wolfmanagementplan NRW (Handlungsleitfaden zum Umgang mit einzelnen, durchziehenden Wölfen) und die entsprechende Förderrichtlinie, etwa, wenn es um eine finanzielle Unterstützung für Tierhalter geht.

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