Afrikanische Schweinepest: Jetzt müssen die Jäger ran

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Die Jäger sind aufgefordert, die Anzahl der Wildschweine zu reduzieren. Schaut man sich die Zahlen des vergangenen Jahres an, sind sie wohl auf einem guten Weg.

Kierspe - Osteuropa klingt für Menschen in Nordrhein-Westfalen genauso weit weg wie Sardinien. Verglichen damit ist Belgien schon ganz nah. Und genau dort ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) mittlerweile angekommen. Und damit ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Krankheit auch zwischen Rhein und Weser auftritt. Letztlich liegt es nun an den Jägern, durch einen stärkeren Abschuss von Wildschweinen die Auswirkungen zu mindern.

„Wenn eine Krankheit, die vor allem in Osteuropa auftritt, plötzlich auch in Belgien für erkrankte Schweine sorgt, dann ist das ein klares Indiz dafür, dass der Mensch für die Ausbreitung gesorgt hat“, fasst Matthias Heveling die Entwicklung der vergangenen Wochen zusammen und schaut mit Sorge darauf, dass es von Belgien bis Kierspe gerade einmal noch 300 Kilometer sind. „Deshalb ist die Frage nicht mehr, ob die Schweinepest hier auftritt, sondern nur noch, wann und wo“, formuliert es der Vorsitzende des Hegerings Kierspe-Rönsahl.

Er ist sich bewusst, dass die Politik, aber auch die Halter von Hausschweinen jetzt ihre ganze Hoffnung in die heimischen Jäger setzen, denn letztlich sind sie die Einzigen, die nun die Wildschweinbestände reduzieren und damit die Ausbreitung verlangsamen – vielleicht gar eine Übertragung auf Hausschweine verhindern können.

Da haben die Jäger in Kierspe, im Märkischen Kreis und im ganzen Land auch im vergangenen Jahr bereits eine gute Vorarbeit geleistet. Wurden in NRW zwischen April 2016 und März 2017 rund 39 000 Schweine geschossen, waren es in dem Zeitraum ein Jahr später bereits etwa 66 000. Für den Märkischen Kreis sieht der Anstieg so aus, dass in dem erstgenanten Zeitraum 2864 Wildschweine geschossen wurden, ein Jahr später 4348. In Kierspe wurde zwischen April 2016 und März 2017 genau 119 Wildschweine erlegt, in dem darauf folgenden Jahreszeitraum waren es schon 238. Allerdings sagt auch Heveling, dass diese Zahlen nicht viel über die tatsächliche Population aussagen.

„Im Moment zeigt sich sehr deutlich, dass es noch sehr viele Wildschweine gibt. Als es vor etwa zwei Wochen nach langer Trockenheit noch einmal regnete, waren sofort alle Waldränder und waldnahen Wiesen durchwühlt“, so Heveling.

Obwohl aufgrund einer Schonzeitänderung mittlerweile nahezu alle Schweine mit Ausnahme der Muttertiere ganzjährig geschossen werden dürfen, ist nach Ansicht des Hegeringvorsitzenden die Drückjagd die beste Methode, den Bestand zu reduzieren. Heveling: „Doch erst muss das Laub von den Bäumen sein, damit man die Tiere sieht, deshalb fangen wir mit diesen Jagden frühestens im Oktober an.“ Das Laub spielt auch deshalb eine so große Rolle, weil die Jäger vermuten, dass sich aufgrund der starken „Mastjahre“ bei Buchen und Eichen die Schweine vor allem in den Laubwäldern aufhalten. „Doch letztlich können wir auch nur hoffen, dass die Schweine dort sind, wo wir jagen“, erklärt der Kiersper.

Ist die Jagd erfolgreich, wird sich für die Jäger einiges ändern, wenn die ASP ihr Revier erreicht. Bislang muss stets eine Probe von jedem Schwein von einem Tierarzt auf Trichinen untersucht werden. Doch wenn Auffälligkeiten an den Organen festgestellt werden, dann muss der Jäger das Schwein zur Bezirksuntersuchungsstelle nach Arnsberg bringen. Auch müssen spätestens ab dem Auftreten der ASP alle Bestandteile des Tieres, die nicht verwendet werden können, über Fachbetriebe entsorgt werden. Und das alles bei Preisen fürs Wild, die bereits jetzt „im Keller sind“.

Heveling: „Wir sind dann auch angehalten, bei der Verarbeitung der Tiere auf stärkere Hygiene zu achten.“ So müsse dann die Kleidung nach der Berührung mit Schweinen bei 60 Grad Celsius gewaschen werden, um so eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

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