Gespinstmotten sorgen für bizarres Schauspiel

Die Raupen der Gespinstmotte hüllen Pflanzen in einen silbrig glänzenden Schleier und fressen diese kahl. Foto: Meyer

Kierspe - Ein gespenstisches Bild bietet sich zurzeit Spaziergängern, die den kleinen Pfad zwischen Bollwerk und der Löwensiedlung in Oberbrügge zurücklegen. „In der Masse habe ich das noch nicht gesehen“, sagt Christian Lübke. Sein Bruder Stepha-Klaus ist beinahe sprachlos angesichts des bizarren Schauspiels.

von Martin Meyer

„Da ist fast nichts mehr grün an den Bäumen und darunter ist alles schneeweiß“, meint der Kiersper. Gespinstmotten haben zahlreiche Bäumen befallen und hüllen diese vom Stamm bis zu den Blättern in einen silbrig glänzenden Schleier.

Laut Naturschutzbund NRW spinnen die Raupen der Motten, von denen es alleine in Mitteleuropa rund 74 Arten gibt, Stämme, Äste und Zweige komplett ein, um sich vor Fressfeinden und Witterungseinflüssen zu schützen. In ihren dichten Gespinsten fressen sie die befallenen Bäume kahl. Betroffen sind laut der Naturschützer vor allem Traubenkirschbäume, aber auch Weißdorn, Pappeln, Pfaffenhütchen oder Weiden – gelegentlich werden auch Obstbäume befallen. Auf etwa 50 Pflanzenarten kann man die Gespinstmotten finden.

Bis Mitte Juni fressen die Raupen das Blattwerk und die Knopsen ab, danach wandern sie zum Stammfuß, wo sie sich verpuppen. Anfang Juli schlüpfen dann die weißen, schwarz gepunkteten Falter. Durch den Klimawandel bedingt sei dieses Schauspiel laut der Nabu-Entomologen seit einigen Jahren regelmäßig zu beobachten. Doch ihre massenhafte Vermehrung würde durch 80 verschiedene Insektenarten – darunter die Schlupfwespe, die Raubwanze und einige Parasiten – verhindert.

Eine Bekämpfung des Befalls mit Gift ist laut den Naturschützern gefährlich. Insektengifte würden den natürlichen Feinde der Motten und den Pflanzen schaden. Wenn das Gespinst einmal ausgebildet ist, dann seien die Raupen kaum noch zu kämpfen. Ratsam sei es deshalb, rechtzeitig die Raupen von den Bäumen abzusammeln. Spätestens um den 26. Juni mit Beginn des sogenannten Johannistriebs würden die kahlgefressenen Pflanzen wieder austreiben. Der Spuk hat dann ein Ende – der gespenstische weiße Schleier an den Bäumen weicht dann wieder einem satten Grün.

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