Rauchmeldertag in Kierspe: Veranstaltung kann in diesem Jahr nur im Netz stattfinden

Feuerwehr wirbt für Rauchmelder

Ganz schnell tritt der Notfall ein. Doch schlafende Menschen können den Brandrauch nicht wahrnehmen. Da kann nur ein Rauchmelder rechtzeitig warnen und somit Leben retten.
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Ganz schnell tritt der Notfall ein. Doch schlafende Menschen können den Brandrauch nicht wahrnehmen. Da kann nur ein Rauchmelder rechtzeitig warnen und somit Leben retten.

Kierspe – Gleich zwei Einsätze in der Nacht zu Mittwoch dieser Woche – und beide Male wurde die Kiersper Feuerwehr nicht durch einen aufmerksamen Kiersper alarmiert, sondern durch Überwachungsanlagen.

In der Seniorenresidenz entwickelte eine Industriespülmaschine nach einem technischen Defekt Rauch. Dieser wurde von der Brandmeldeanlage registriert, die dann die Leitstelle des Kreises automatisch alarmierte. Letztlich hatten die Wehrleute nicht viel zu tun. Doch bei einem Brand in einem Seniorenzentrum würde jede Minute zählen, Minuten, die eine Brandmeldeanlage verschaffen kann.

Doch was in solchen Heimen aber auch in Firmen seit Jahren Standard ist, ist in Privathäusern erst wenige Jahre Pflicht. Grund genug für die Wehr an ihrem Rauchmeldertag, der traditionell an einem Freitag den 13. stattfindet, auch nach 20 Jahren noch festzuhalten. „Als die Rauchmeldertage das erste Mal im Jahr 2000 stattfanden, waren gerade einmal fünf Prozent der Privathäuser mit Rauchmeldern ausgestattet“, berichtet Christian Schwanke, der bei der Kiersper Wehr für die Pressearbeit zuständig ist.

Wie viele Wohnungen oder Häuser heute mit einem solchen Alarmgeber ausgerüstet sind, kann er nicht sagen. Schwanke: „Aber es sind sehr viele – und eigentlich müssten es in Nordrhein-Westfalen alle sein.“ Denn seit 2013 besteht in Neubauten eine Rauchmelderpflicht und seit vier Jahren müssten auch alle anderen Wohngebäude nachgerüstet sein.

Die steigende Zahl an Rauchmeldern macht sich auch bei der heimischen Feuerwehr bemerkbar. „Wir haben mehr als zehn Einsätze im Jahr, bei denen ein ausgelöster Rauchmelder die Alarmierungsursache war“, sagt Yannic Weigel, der für den Social-Media-Auftritt der Wehr zuständig ist – und diese Kanäle in den kommenden Tagen auch nutzt, um auf das Thema aufmerksam zu machen. „In den vergangenen Jahren waren wir immer am Rauchmeldertag mit einem Stand vertreten, entweder vor dem Rewe oder am Fachmarktzentrum. Da das in diesem Jahr nicht geht, verlagern wir unsere Aktivitäten ins Netz“, so Schwanke.

Der Mindestschutz durch Rauchmelder in einem Einfamilienhaus.

Brände hingegen finden nach wie vor in der realen Welt statt – und da ist es gut, wenn auch der Nachbar hört, wenn der Rauchmelder losheult. „Das erleben wir oft, vor allem natürlich, wenn die Hausbesitzer in deren Haus der Alarm ertönt, nicht da sind, so war das auch bei einem Alarm im Außenbereich in der Nacht zu Mittwoch. Glücklicherweise handelte es sich um eine Fehlauslösung“, sagt der Pressesprecher, der auch nicht verschweigt, dass diese Fehlalarme gar nicht so selten sind. „Diese nehmen wir aber gerne in Kauf, denn wenn es kein Fehlalarm ist, dann geht es um Leben und Tod, zumindest aber um das Bewahren von Sachwerten“, so Schwanke, der von der Wirksamkeit der kleinen Automaten überzeugt ist: „Wir waren durch die frühzeitige Alarmierung schon oft so schnell vor Ort, dass wir Schlimmeres verhindern konnten. Manchmal waren die Brände auch so klein, dass sie vom Wohnungseigentümer selbst gelöscht werden konnten.“

Dass der Pressesprecher mit dieser Einschätzung richtig liegt, zeigen auch die offiziellen Zahlen des Feuerwehrverbandes. Demnach gab es 1990 deutschlandweit 787 Brandtote. Mit den Jahren und der immer weiter voranschreitenden Rauchmelderpflicht in den einzelnen Bundesländern, nahm die Zahl der Toten kontinuierlich ab. Im Jahr 2000 gab es noch 475 Brandtote und 2015 waren es „nur“ noch 343.

Wenn in diesem Jahr auch Berlin und Brandenburg die Pflicht zum Melder eingeführt haben, gibt es mit Sachsen nur noch ein Bundesland, das auf Freiwilligkeit setzt. Damit, so hoffen Fachleute, wird die Zahl der Toten noch einmal sinken, da die Opfer in den meisten Fällen im Schlaf überrascht wurden. Menschen, so das Forum Brandrauchprävention, werden durch den Rauch nicht geweckt und ersticken beim Ausbruch eines Feuers. Nur der durchdringende Ton des Melders kann Menschen vor diesem Schicksal bewahren.

Brandursachen

Nach Angaben des Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung ist die Elektrizität die Hauptursache für Brände in Deutschland (33 Prozent. Danach folgt menschliches Versagen (17 Prozent), Überhitzung (9), Brandstiftung (9), feuergefährliche Arbeiten (3), offenes Feuer (3), Selbstentzündung (2), Explosion (2), Blitzeinschlag (0,3) – sonstige und unbekannte Ursachen (21 Prozent.

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