Tagespflege: Wenn die Angehörigen überlastet sind

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Bewegungsspiele sind für die älteren Menschen wichtig. Deshalb stehen entsprechende Angebote jeden Tag auf dem Programm. Doch auch backen, lesen oder spielen ist möglich.

Wenn Menschen mit der täglichen Pflege und Betreuung ihrer Angehörigen überfordert sind, der Weg ins Heim aber noch nicht vorstellbar ist, kann eine Tagespflegeeinrichtung die Lösung sein. Eine solche Einrichtung gibt es seit Sommer in Kierspe – nun stellt sie sich mit einem Tag der offenen Tür der Öffentlichkeit vor.

„Für uns ist es der nächste Schritt. Wir haben vor einigen Jahren als ambulanter Pflegedienst begonnen und bieten nun auch die Tagespflege an“, erzählt Geschäftsführer Ralf Ullrich. Bis vor einiger Zeit war der ambulante Pflegedienst im Gebäude der Sparkasse an der Kölner Straße untergebracht. Doch trotz der Möglichkeit, dieses Gebäude zu kaufen, bot sich dort keine Chance für das neue Angebot. Allein die Topografie des Geländes stand dem entgegen. 

Ganz anders im Portalgebäude des Einkaufsparks an der Kreuzung Wildenkuhlen. Dort gibt es nun rund 250 Quadratmeter auf einer Ebene – mit der Option, weitere Flächen dazuzubekommen. Allerdings musste der Eigentümer vorher noch baulich tätig werden, um neben der vorhandenen behinderten- und seniorentauglichen Toilette noch eine Dusche einzubauen. 18 Quadratmeter Fläche pro Gast schreibt der Gesetzgeber vor. Damit begrenzt sich die Zahl der Menschen, die jeden Tag betreut und gepflegt werden können, auf 13 Gäste. 

Da derzeit noch Plätze frei sind, hofft Ullrich auch auf einen werbenden Effekt seines Tages der offenen Tür am Samstag. Den Gästen steht die Tagsespflege Volmetal, wie das neue Angebot heißt, von Monatg bis Freitag zwischen 8 und 16 Uhr zur Verfügung, wobei die Anfahrt und Abholung auch zu anderen Zeiten erfolgen und individuell vereinbart werden kann. Nach der Begrüßung und einem gemeinsamen, selbst zubereiteten Frühstück bieten die Mitarbeiter verschiedene Angebote. 

Ralf Ullrich (Mitte) mit einem Teil seines Teams, bestehend aus Pflegedienstleiterin Ulrike Michel, Schwester Laura (stellvertretende Pflegedienstleiterin), der Pflegeassistentin Katrin Becker, der Betreuungsassistentin Oxana Tschueschkov und der Pflegefachkraft Tanja Fuchs.

Dazu gehören unter anderem das Vorlesen der Tageszeitung, Spielerunden, Bastelarbeiten, Backen, Singen, Musikmachen und Bewegung. Im Grunde wiederholt sich dieses noch einmal nach dem Mittagessen, das von einem externen Anbieter geliefert wird – und bei dem die Gäste aus neun Menüs auswählen können. 

Doch nach der Mahlzeit ziehen sich die meisten Gäste für eine gewisse Zeit in den Ruheraum zurück, um dort in speziellen Ruhesesseln oder auch einem zur Verfügung stehenden Pflegebett ein Nickerchen machen. Üblicherweise kommen die Gäste nicht an allen Tagen pro Woche, sondern meist ein- bis zweimal, ganz so, wie es sich anbietet und wie stark die Entlastung für die Angehörigen sein soll. 

„Die Zeit bei uns wird durch die Belastung der Angehörigen definiert“, formuliert es Ullrich. Damit beschreibt er, dass die Pflege oft so aufwendig werde, dass die Angehörigen diese abends oder nachts nicht mehr leisten könnten und der Senior letztlich doch ins Heim umziehen müsse. Drei Mal sei das in den fünf Monaten, in denen es die Einrichtung gibt, schon der Fall gewesen, erzählt Ullrich. Doch damit dies so spät wie möglich passiert, dafür tun die insgesamt 13 Mitarbeiter von Ullrich viel. Und das hat sich herumgesprochen, auch über die Grenzen von Kierspe hinaus. 

Mittlerweile kommen die Gäste auch aus Rönsahl, Meinerzhagen, Valbert und sogar aus Drolshagen. Damit eine solche Betreuung bezahlbar ist, bekommen die Angehörigen Erstattungen von der Pflegekasse. So sei eine Bezahlung von zwei Besuchen wöchentlich bei Pflegegrad 2 durch die Kassenleistungen gedeckt. Darin enthalten sind Tagespflegesatz, Fahrtkosten, Verpflegung und Unterkunft. Zusätzlich bekommen die Angehörigen Geld von der Pflegekasse, um auch die ambulante Pflege an den verbleibenden Tagen bezahlen zu können.

„Das ist neu und bringt eine große Entlastung“, freut sich Ulrich über die neue gesetzliche Regelung, die seit Anfang des Jahres in Kraft ist. Für ihn ist dabei besonders erfreulich, dass er nicht in unmittelbarer Konkurrenz um das Geld mit den ambulanten Diensten steht – und somit der gelebten guten Zusammenarbeit nichts im Wege steht.

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