Neues Gerätehaus

Wehr bejubelt „Quantensprung“

Feuerwehr Kierspe - moderne digitale Technik - Quantensprung - Leuchtturm
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Der Einsatzleitwagen, den hier Hendrik Baukloh (links) und Christian Schwanke zeigen, ist mit moderner Technik ausgestattet: Internetanschluss, Telefon, digitale und analoge Funkgeräte und vieles mehr.

Moderne Technik hält auch bei der Freiwilligen Feuerwehr immer mehr Einzug. So wird beispielsweise darüber nachgedacht und geprüft, ob eine Drohne mit Wärmebildkamera – vielleicht schon imm kommenden Jahr – angeschafft wird, um damit Einsatzlagen, gleich welcher Art, aus der Luft zu analysieren.

Während dies noch Zukunftsmusik ist, gibt es viel andere moderne Technik, welche die Arbeit und Erledigung der Aufgaben der Feuerwehr verbessert und erleichtert.

Dabei bezeichnet es Hendrik Baukloh, Leiter der Stabsstelle Information und Kommunikation (SIK) bei der Wehr, als Quantensprung, welche Möglichkeiten sich im neuen Gerätehaus an der Dr.-Hans-Wernscheid-Straße bieten. Gleichzeitig warnt er davor, dass bestimmte normale Dinge vernachlässigt werden. Als Beispiel nennt er die Sirenen, die eigentlich abgeschaltet und abgebaut werden sollten, mittlerweile aber wieder genutzt werden.

Pilot entdeckt Rauchsäule

Oder auch die kleinen, wendigen und mit Allrad sowie Wassertank ausgestatteten Fahrzeuge, die bei Waldbränden im unwegsamen Gebiet zum Einsatz kommen können – von diesen gibt es immer weniger. Die Kiersper verfügen noch über solch ein Fahrzeug, ein Unimog, der beim Löschzug Neuenhaus/Vollme stationiert ist, und mit dem man von der Kanzel aus einen Löschangriff unternehmen kann. Einen Kurs „Luftbeobachter“ gibt es auch nicht mehr. Früher habe dies für die Führungskräfte dazu gehört, eine Einsatzlage beim Überfliegen mit einem Hubschrauber oder Flugzeug zu beurteilen.

Die Kiersper Wehr verfügt seit relativ kurzer Zeit auch über ein mobiles Bevölkerungswarnsystem, das beispielsweise an allen Fahrzeugen eingesetzt werden kann.

Hendrik Baukloh erinnert sich an den Waldbrand bei Berken: „Ein Pilot eines Linienflugzeugs, der im Anflug auf den Flughafen Köln-Bonn war, hatte die Rauchsäule entdeckt und dies gemeldet“. So konnte die Kreisleitstelle informiert werden, die wiederum die Kiersper Wehr alarmierte.

Angesichts größerer Schadenslagen sei es im neuen Gerätehaus auch einfacher, einen SAE (Stab für außergewöhnliche Ereignisse) zu bilden, wie zum Beispiel bei Stürmen. In einem Raum neben den Funktischen können sich dann Bürgermeister, Ordnungsamtsleiter, Wehr-, THW- und DRK-Leitung treffen, Einsätze koordinieren, aber auch Anrufe am Bürgertelefon entgegennehmen. Umso mehr, wenn die Kreisleitstelle dies an die Kiersper Feuerwehr übergibt und entsprechende Meldungen nur noch elektronisch weiterleitet.

Hendrik Baukloh sitzt an einem der beiden Funktische, welche eine Kommunikation in vielen Bereichen ermöglicht und Informationen liefert.

Das Gerätehaus könne dank seiner 100-prozentigen Notstromversorgung gar zur Anlaufstelle für Bürger werden: „Wenn zum Beispiel eine Mutter mal die Flasche für ihr Baby warm machen muss, wenn der Strom mal länger ausfallen sollte“. Auch andere Hilfen seien vorstellbar, meint Hendrik Baukloh. „Das Gerätehaus ist daher ein Leuchtturm für Kierspe!“

Mobiles Warnsystem

Darüber hinaus gibt es bei der Kiersper Wehr seit relativ kurzer Zeit ein mobiles Bevölkerungswarnsystem. Mit diesem können nicht nur Sirenentöne erzeugt – „Und die sind ziemlich laut“, zeigte sich Baukloh erstaunt über die Leistungsfähigkeit – sondern auch Durchsagen gemacht werden; automatisiert oder individuell. Solche Durchsagen und Infos kann die Kreisleitstelle auch in die Warn-Apps einpflegen oder ans Radio weitergeben.

Natürlich können die Feuerwehrleute auf verschiedene Hilfsmittel zurückgreifen: Neben (Internet-) Telefon und Mobilfunk, digitale und analoge Funkgeräte, Internetanbindung gibt es auch einen Server, über den „offline“ spezielles Kartenmaterial (Gas- und Wasserleitungsnetze, Hydranten- sowie Objektpläne) abzurufen sind. Zudem stehen der Feuerwehr der komplette Katastersatz des Landes Nordrhein-Westfalen zur Verfügung, können auf die Daten und Karten des Deutschen Wetterdienstes zugegriffen werden, ebenso auf die des Landesbetriebs Wald und Holz. NRW, die seit kurzer Zeit zur Verfügung gestellt werden. Und über solche Karten, erklärt der SIK-Leiter, können Layer (spezielle Karten) gelegt werden, um dadurch wiederum bestimmte Leitungen und anderes zu finden, um die Lage zu beurteilen.

Mittels GPS kann jederzeit ermittelt werden, wo sich beispielsweise - in diesem Fall - der Einsatzleitwagen gerade befindet.

„Wir haben uns aber noch nie mit Satellitenbildern beschäftigt“, macht Hendrik Baukloh klar, dass dies auch eine Frage des Preises sei. Schließlich würden sich ESA und andere Bilder aus dem Weltraum bezahlen lassen. Vielmehr geht die Entwicklung in die Richtung „Einsatz von Drohnen“. Schon jetzt könne man über die Kreisleitstelle eine Drohne, die es in Nachrodt gibt, anfordern, zum Beispiel auch bei einer Personensuche oder Brandlage-Erkundung. Überlegungen gehen jedoch auch dahin, sich selbst eine Drohne zu zulegen. Wobei es verschiedene Ausstattungsmerkmale gibt, von mehreren Kamerasystemen über eine Wärmebildkamera bis hin zum Scheinwerfer und Lautsprecher (für Durchsagen).

Keine Probleme bei der Amtshilfe

Auf der anderen Seite, macht Baukloh deutlich, gebe es keinerlei Probleme bei Amtshilfeersuchen: Ein Polizeihubschrauber von der in Dortmund stationierten Staffel sei schnell in Kierspe. Vergleichbares gelte für die Kooperation mit der Meinerzhagener Wehr hinsichtlich des Drehleiterwagens.

„Das wichtigste Mittel ist die Kommunikation“, betont Hendrik Baukloh, nicht nur unter den Feuerwehrleuten, sondern auch zur Bevölkerung. Das macht er an einem Beispiel deutlich: Als einmal ein Kellerbrand gemeldet wurde, hatte nur jemand ein wenig Papier im Kamin verbrannt. Doch die Rauchentwicklung war so stark, dass sie durch die Lüftungsanlage das ganze Haus verqualmte. In solchen Fällen sei es wichtig, die Lüftungsanlagen auszuschalten.

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