Des Pudels Kern

Traudel Harting (rechts) und Cora Büsch gestalteten in der Stadtbücherei einen stimmungsvollen Goetheabend.

KIERSPE ▪ Der bundesweite Vorlesetag kommt zwar erst noch, in der Stadtbücherei fand er schon am Dienstag statt. Rezitatorin Traudel Harting aus Wiehl und die Musikerin Cora Büsch aus Kierspe gestalteten einen stimmungsvollen Literaturabend. Johann Wolfgang von Goethe stand mit Leben und Werk auf dem Programm.

Während die letzten Gäste sich noch etwas zu trinken holten oder sich unterhielten, leitete Cora Büsch den Abend mit sanften Harfenklängen ein. Zahlreiche Gedichte des Dichterfürsten sind vertont worden und so wurde auch gesungen: „Sah ein Knab’ ein Röslein steh’n“ oder „War einst ein König in Thule“. Das Publikum kannte seinen Goethe und sang mit.

Traudel Harting erzählte chronologisch das Leben des großen Dichters. „Wir stellen uns jetzt mal Frankfurt vor 260 Jahren vor. Mit 30 000 Einwohnern war es die drittgrößte Stadt Deutschlands, umgeben von einer dicken Stadtmauer.“ Den Schlüssel zum Stadttor verwaltete Goethes Großvater, er war der Bürgermeister von Frankfurt. Der Enkel wuchs in wohlhabenden und kultivierten Verhältnissen auf, die dem begabten, breit interessierten Jungen alle Möglichkeiten boten.

Jugend und Studium, die erste unglückliche Liebe, Goethes geistige Entwicklung, naturwissenschaftliche Studien und erste schriftstellerische Arbeiten – Traudel Harting führte ihre Zuhörer mit spürbarer Begeisterung durch Goethes Biografie. Darin eingeflochten, rezitierte sie auch immer wieder aus seinem Werk: So bekannte Balladen wie „Der Türmer“ oder „Der Zauberlehrling“ trug sie ausdrucksvoll, teilweise auswendig vor. Ausschnitte aus „Wilhelm Meister“, „Ganymed“ und zahlreiche andere Passagen kamen ebenfalls zu Gehör.

Da Goethe von seiner Schriftstellerei nicht leben konnte, nahm er das Amt eines Ministers in Weimar an, einer Kleinstadt von gerade mal 6000 Einwohnern. Obwohl Fürstentum und Hof auch für damalige Verhältnisse nicht groß waren, zog Weimar zahlreiche Künstler an. Auch Goethe, der seit dem Erfolg seines „Werther“ europaweit bekannt war, trug dazu bei. Schiller, Wilhelm von Humboldt, später Beethoven und Mendelssohn-Bartholdy – alle Geistesgrößen der Zeit zog es an den Musenhof.

Traudel Hartings Begeisterung steckte das Publikum an. „Werther“? „Unbedingt lesen!“ Breiten Raum widmete sie dem „Faust“. 60 Jahre habe Goethe an diesem Drama gearbeitet, der zweite Teil erschien posthum. Dem Publikum wollte sie dieses bekannteste Schauspiel nicht vorenthalten, Harting trug die Sage des „historischen“ Doktor Faustus vor, auf der Goethes Werk basiert.

Cora Büsch gab dem Vortrag an der Harfe Struktur und trug zu der an manchen Stellen beinahe meditativen Atmosphäre bei. Den Abschluss bildete eine Art Zitate-Raten. Auch hier konnten die Zuhörer problemlos mithalten: „Das also ist des Pudels …?“ - Natürlich, es war der Kern. ▪ bnt

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