Liebesschlösser bald auch in Kierspe

Auch in Kierspe sollen in Zukunft Liebesschlösser angebracht werden können.

KIERSPE - Liebesschlösser ja, aber nicht am Rathaus. Darin waren sich die Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses einig. Bereits im Sommer 2012 wollte die SPD-Fraktion eine „Gitterkonstruktion“ am Rathaus, um Kierspern die Möglichkeit zu geben, in ihrer Heimatstadt sogenannte Liebesschlösser anzubringen.

Die Verwaltung hat den Vorschlag aufgegriffen, empfiehlt aber als Ort für die Anbringung der Schösser eine Stelle nahe der Volme im neu zu schaffenden Freizeitpark, da dann auch die Verliebten die Möglichkeit hätten, den Schlüssel des Schlosses in einen Fluss zu werfen, wie das auch beispielsweise auf der Hohenzollernbrücke in Köln üblich sei. Aufgrund eines Einwandes der CDU soll die Suche nach einem geeigneten Standort aber ergebnisoffen erfolgen, weil „wir ja nicht bereits in den Planungen den Volme-Freizeitpark überfrachten müssen.“ So zumindest formulierte es der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Tofote.

Begonnen hatte die Sitzung am Montagabend mit einem Appell der Schulpflegschaftsvorsitzenden der Förderschule Volmetal Monika Barwanitz zur Zukunft der Schule, die gemeinsam von Meinerzhagen und Kierspe getragen wird. Sie brachte darin die Befürchtung zum Ausdruck, „dass im Zusammenhang mit der Umsetzung der Inklusion die Qualität der Unterrichtsversorgung unserer Kinder auf Dauer nicht mehr gewährleistet werden kann.“ Außerdem fürchte man, dass durch eine Auflösung von Förderschulen im Land „das versprochene Elternrecht“ auf Förderung in einer wohnortnahen Förderschule ausgehebelt werde.

In dem Appell der Pflegschaftsvorsitzenden hieß es unter anderem: „Wir haben für unsere Kinder ganz bewusst die Förderschule gewählt, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass sie mit ihren ganz besonderen Lernproblemen, Sprachstörungen und Verhaltensauffälligkeiten oft schon kurz nach der Einschulung unter den Lernbedingungen in der allgemeinen Schule nicht zurecht kamen und untergegangen sind. Dabei haben die Lehrer der allgemeinbildenden Schulen mit Unterstützung des Kompetenzzentrums alles versucht, unsere Kinder zu fördern und ihnen das gemeinsame Lernen zu ermöglichen. Das allein reicht aber nicht in allen Fällen aus. Unsere Kinder wollen und müssen auf ihre ganz besondere Art und Weise lernen, damit sie später im Leben eine Zukunft haben. Dazu brauchen sie Zeit für ihre Entwicklung, Ruhe für das Lernen, kleine Gruppen und die intensive Unterstützung von Pädagogen, die sich mit ihren speziellen Bedürfnissen auskennen und sie über die ganze Woche begleiten können.“

Diese Möglichkeiten beständen an der Förderschule. Doch nun müsse man befürchten, dass die Förderschullehrer immer stärker an anderen Schulen eingesetzt würden. Sie schloss mit: „Wir sind überzeugt, dass die Inklusion für viele Kinder mit Förderbedarf ein gutes Angebot sein wird. Wir glauben aber, dass es immer Kinder wie unsere geben wird, für die eine Förderschule zumindest für eine Übergangszeit die bessere Lösung bleibt.“

In Übereinstimmung mit dem Ausschussvorsitzenden Clemens Wieland appellierte ein Lehrer der Förderschule an die Ausschussmitglieder zu diesem Thema keine inhaltliche Diskussion zu führen, da man derzeit überhaupt nichts zum Fortbestand der Schule sagen könnte. Ein Vorschlag an den sich auch fast alle Politiker hielten, denen es aber auch ein Bedürfnis war, der Pflegschaftsvorsitzenden mit auf den Weg zu geben, dass man den weiteren Prozess aufmerksam verfolgen werde.

Ein weiterer Punkt auf der Tagesordnung war der Bericht des Schulpsychologen Ralf Meyer. Im Berichtszeitraum – Schuljahr 2012/2013 – hat dieser sich mit 108 Anfragen beschäftigt. Vor allem seien diese von den Eltern gekommen (61 Fälle). Meyer: „Das ist neu. Anfragen von Eltern hat es früher kaum gegeben.“

In 31 Fällen sei die Vermittlung auf Initiative eines Lehrers erfolgt, zwölfmal seien die Schüler selbst aktiv geworden und viermal das Umfeld. In 86 Fällen habe es nach dem Erstkontakt regelmäßige Beratungen gegeben. Das sei deutlich mehr als in den Jahren zuvor.

Der größte Teil der Schüler (58,1 Prozent) sei von der Gesamtschule gekommen, doch auch alle Kiersper Grundschulen und sogar eine Kindertagesstätte seien vertreten gewesen.

Hauptproblemfelder seien Probleme in einzelnen Fächern gewesen, aber auch Angst und Stress – vor allem im Zusammenhang mit Prüfungen, Konflikte mit Mitschülern und mangelnde Aufmerksamkeit. Den meisten Beratungsbedarf hätten Kinder des fünften und siebten Schuljahres gehabt. - Johannes Becker

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