Gewalttat im Flüchtlingsheim: Voodoo-Glaube als Auslöser der Tat?

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Gewalttat im Flüchtlingsheim: Prozess um Messerstecherei in Kierspe wird vor Landgericht Hagen fortgesetzt. 

Kierspe - Sie teilten sich ein Zimmer im Flüchtlingsheim am Herlinghauser Weg, doch eine gemeinsame Sprache hatten die beiden Männer aus Nigeria und aus Eritrea nicht. Stattdessen stach der Nigerianer seinen Mitbewohner am 25. Oktober mit zahlreichen Messerstichen nieder.

Ohne ärztliche Hilfe wäre ein Überleben des Eritreers eher unwahrscheinlich gewesen, machten zwei Ärztinnen aus dem Klinikum Lüdenscheid bei der Prozess-Fortsetzung vor dem Landgericht Hagen deutlich. Einer von mehreren Stichen in den Bauchraum hatte die Leber getroffen – den daraus resultierenden Blutverlust bezifferten die Zeuginnen auf etwa zwei Liter. 

Lebensgefährlich war auch eine tiefe Schnittverletzung am unteren Kiefer, durch die eine Arterie getroffen worden war. „Diese arterielle Blutung wäre vermutlich nicht zum Stillstand gekommen“, erklärte eine der Ärztinnen den Ernst der Lage. Dennoch war sie sich nicht ganz sicher: „Ich kann nicht hundertprozentig sagen, er wäre uns verblutet.“ 

Nach seiner Einlieferung blieb der Eritreer drei Tage auf der Intensivstation, acht Tage nach seiner Einlieferung konnte er „nach Hause“ entlassen werden – in jenes kleine bisschen Zuhause, das der Flüchtling gegen seine kriegsgeplagte Heimat eingetauscht hatte. 

Nach dem Angeklagten äußerte sich im Hagener Schwurgerichtssaal am Montag erstmals ein weiterer Augenzeuge des Geschehens. Der 42-Jährige berichtete, wie sein Begleiter die gefährliche Situation entschärft hatte, indem er dem Angreifer das Messer aus der Hand genommen hatte. Zuvor war dieser mutige junge Mann selber angegriffen worden. Er hatte den Stichbewegungen aber ausweichen können. 

Rätselhaftes Motiv des 25-jährigen Täters

Rätselhaft bleibt das Motiv für die Gewaltausbrüche des Angeklagten: Einen ersten Hinweis soll die Dolmetscherin gegeben haben, die der 25-Jährige beim Haftprüfungstermin an den Haaren zu Boden riss. In der Herkunftsregion des Angeklagten sei der Glaube an Voodoo-Zauber noch sehr verbreitet, erklärte sie nach dem Angriff. Laut Angaben von Polizisten, die die Szene miterlebten, soll der 25-Jährige der Dolmetscherin während des Angriffs vorgeworfen haben, einen Voodoo-Zauber zu sprechen. 

Vor allem der psychiatrische Gutachter Dr. Nikolaus Grünherz interessiert sich für diese Spur: Vom afrikanischen Glauben an einen Voodoo-Zauber ist es offenbar kein weiter Weg bis zur mitteleuropäischen Diagnose einer psychotischen Erkrankung. Der Prozess wird heute ab 9.30 Uhr im Landgericht Hagen fortgesetzt.

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