Prozess in Köln: Kiersper bleibt auf freiem Fuß

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Der angeklagte 33-jährige Kiersper gestern vor dem Kölner Landgericht gemeinsam mit seinem Verteidiger.

Kierspe/Köln - Der 33-jährige aus Kierspe, der für den Tod eines 24-Jährigen vor einer Gummersbacher Diskothek verantwortlich ist, muss nicht in das Gefängnis. Das Kölner Landgericht verurteilte den fünffachen Familienvater zu 22 Monaten Haft auf Bewährung wegen Körperverletzung mit Todesfolge und gefährlicher Körperverletzung.

Das Gericht geht von verminderter Schuldfähigkeit aus. Der Kiersper habe zur Tatzeit ungefähr 2,3 Promille Alkohol im Blut gehabt und Amphetamine genommen.

Zudem sehe das Gericht auch weiterhin nur mildernde Gründe, so der Vorsitzende Richter Dr. Jörg Michael Bern. Wegen der personellen Unterbesetzung der Justiz habe der Angeklagte vier Jahre auf seine Verhandlung warten müssen. Nach dieser Zeit seien die Zeugenaussagen teilweise falsch, widersprüchlich und ohne Inhalt gewesen. Zudem seien alle Zeugen zur Tatzeit um 5 Uhr morgens entweder müde, betrunken oder beides gewesen. „Das hat es uns nicht erlaubt ein klares Bild zu zeichnen.“

Der 33-Jährige hatte in seiner Einlassung einen Schlag in das Gesicht und einen Tritt gegen den Körper des Opfers eingeräumt. Das Gericht ging von mindestens drei Schlägen aus. Der erste Schlag sei als Notwehr zu werten, der zweite und dritte Schlag aber nicht. „Keinesfalls war es so, dass der Angeklagte gegen den Kopf des am Boden liegenden Opfers getreten hat“, so Bern. Das habe die Spurenlage eindeutig ergeben.

Der zweite und brutalste Schlag sei erfolgt, während das Opfer entweder zu Boden fiel oder am Boden lag. Dabei sei das Nasenbein zertrümmert worden, was eine starke Blutung ausgelöst habe. Das Opfer sei an seinem Blut erstickt. „Der Krankenwagen ist relativ spät gerufen worden, der Verletzte wurde falsch gelagert. Das Opfer verstarb noch vor Ort und konnte weder im Krankenwagen noch im Krankenhaus reanimiert werden.“ Einen Tötungsvorsatz oder, dass der Angeklagte den Tod seines Opfers billigend in Kauf genommen habe, könne das Gericht nicht zweifelsfrei nachweisen.

Mit dem Urteil blieb das Gericht weit unter der Forderung des Staatsanwalts, der vier Jahre und drei Monate Haft wegen Totschlags gefordert hatte und sogar unter der Forderung von Verteidiger Andreas Trode, der auf zwei Jahre auf Bewährung plädiert hatte. Die Eltern des Opfers hatten keine Haftstrafe gewünscht, damit die Versorgung der Familie durch den fünffachen Familienvater gewährleistet bleibe und kein neues Leid entstehe. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre, wegen der langen Verfahrensdauer gelten drei Monate als verbüßt.

Von Sigrid Schulz

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