Acht Museen in drei Kommunen

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„Museen grenzenlos“ ist der Titel eines Prospekts, mit dem die Heimatfreunde Erich Kahl (links) und Karl-Friedrich Marcus grenzübergreifend auf die acht Museen in Kierspe, Wipperfürth und Marienheide hinweisen, in denen ganz unterschiedliche Exponate der Heimatgeschichte gezeigt werden.

Kierspe - „Museen grenzenlos“ unter diesem Motto informiert ein interkommunales Netzwerk über die heimische Industriegeschichte. Dazu laden acht Museen in drei benachbarten Kommunen zu einem Besuch ein. Wenn von der frühindustriellen Entwicklung im heimischen Raum die Rede ist, dann taucht in diesem Zusammenhang immer mal wieder der Begriff „Industriegebiet des Mittelalters“ auf.

Dies in Würdigung dessen, dass die ersten Spuren der beginnenden Industrialisierung in der Region schon weit ins 17. und 18. Jahrhundert und zum Teil noch früher zurückreichen und die sich anhand von entsprechenden Forschungsergebnissen und dank einer ganzen Reihe von Zeugen aus unterschiedlichen Zeitepochen nachweisen lassen.

„Museen grenzenlos“, so ist ein kürzlich aufgelegtes mehrseitiges bebildertes und mit entsprechenden Informationen gestaltetes Prospektblatt betitelt, das in anschaulicher Weise auf ganz unterschiedliche Schwerpunkte frühindustriellen Schaffens im rheinisch-westfälischen „Grenzgebiet“ um Kierspe-Rönsahl, Wipperfürth und Marienheide eingeht.

„Drei Kommunen – acht Museen“ lautet der Untertitel dieses Prospekts, mit dem dessen Initiatoren, Karl-Friedrich Marcus vom Arbeitskreis Heimatkunde in Rönsahl und Erich Kahl, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Wipperfürth, die ohnehin gut funktionierende Zusammenarbeit der Heimatfreunde „diesseits und jenseits der Landesgrenze“ weiter intensivieren und dem Heimatgedanken als solchem zusätzlich Nachdruck verleihen wollen.

Angesprochen und aufgelistet werden dabei das Deutsche Bakelitmuseum in Kierspe, der Schleiper Hammer, das Fritz-Linde-Museum sowie die Historische Brennerei in Rönsahl, dann das Bergisch-Märkische Pulvermuseum in Ohl, die Lambachpumpe in Marienheide sowie das Bergische Drehorgelmuseum im Kempershöh und das Haus der Geschichten in Müllenbach.

Ein bedeutender Zeuge der Industrie- und Heimatgeschichte ist das im ehemaligen Amtshaus in Kierspe unter Regie des Heimatvereins geführte Bakelitmuseum als einziges seiner Art in Deutschland.

Im Jahr 2003 wurde das Deutsche Bakelitmuseum in Kierspe eingerichtet und zwar im ehemaligen Amtshaus. Die Einrichtung ist die einzige ihrer Art in Deutschland und stand von Anfang an unter der Regie des Kiersper Heimatvereins. Das Bakelitmuseum erinnert an die im Jahr 1907 durch den belgischen Chemiker Baekeland zum Patent angemeldete bahnbrechende Entwicklung des ersten Kunststoffes aus duroplastischem Material.

Das „Bakelit“ trat in den Folgejahren schnell seinen Siegeszug durch alle Bereiche der Industrie an und führte unter anderem aufgrund seiner hervorragenden Isoliereigenschaften bald dazu, dass sich der Raum um Kierspe, Lüdenscheid und Schalksmühle rasch zum westlichen Kompetenzzentrum der Metall- und Elektroindustrie entwickelte.

Allein in Kierspe zählte man zeitweise auf diesem Sektor 35 aktive Betriebe mit mehr als 450 Kunststoffpressen. Firmen wie beispielsweise Dr. Deisting oder Reppel & Vollmann sorgten mit innovativen Produkten auf dem Elektroinstallations-Sektor oder im Haushaltsbereich für Furore und letztlich ebenso dafür, dass viele Kiersper Familien ihr Auskommen hatten.

Der beispiellosen Erfolgsgeschichte des Bakelits, das auch bis auf den heutigen Tag noch eine Rolle in verschiedenen Branchen spielt, verdankt der Heimatverein eine in dieser Vielfalt kaum zu übertreffende Sammlung verschiedenartigster aus Duroplast hergestellter Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Dies ist nicht zuletzt der Initiative von Karl-Heinz Vollmann zu verdanken, der unermüdlich Bakelitprodukte sammelte.

Diese sind Zeitzeugen einer prägenden Epoche und können in den Räumen des Heimatmuseums an der Friedrich-Ebert-Straße 380 jeden Mittwoch (außer feiertags) in der Zeit von 15 bis 18 Uhr bestaunt werden. Die Ausstellung enthält viele Informationen über Bakelit. Auch Sonderführungen sind nach vorheriger Vereinbarung – entweder per E-Mail an heimatverein@kierspe.de oder telefonisch unter der Rufnummer 0 23 59/ 66 11 40 – möglich.

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