Statt Säge und Kleber nun Kopf und „Stresstest“

+
„Stresstest“ ist der Titel des Theaterstücks, zu dessen Umsetzung derzeit rund 80 Schüler im Einsatz sind, 60 von ihnen auf der Bühne, zehn sind fürs Bühnenbild verantwortlich und weitere zehn für die Technik.

Kierspe - Es ist wohl ein Kennzeichen der Demokratie, dass diese etwas leiser ist als andere Regierungsformen und oft auch weniger strahlende Bilder liefert. So ist es auch bei der Projektwoche, die derzeit an der Gesamtschule stattfindet. Es wird nicht so viel gesägt, gebastelt oder gekocht wie es bei anderen Projektwochen üblich war, dafür ist vor allem der Kopf gefordert – und dieser lieferte die Erkenntnis, Demokratie ist mühsam und anstrengend, aber auch lohnend.

Die Demokratie lieferte das Motto für die diesjährige Projektwoche. Schulleiter Johannes Heintges: „In den vergangenen zwei Jahren kam einiges zusammen. Wir hatten den Putschversuch in der Türkei, die Wahl Trumps zum amerikanischen Präsidenten, an der Schule sind viele Kinder aus Flüchtlingsfamilien, die AfD ist in den Bundestag eingezogen und die EU befindet sich in einer großen Krise. Grund genug, auf diese Ereignisse nicht nur mit einem Thementag, sondern mit einer ganzen Themenwoche zu reagieren.“ Damit gibt er die Meinung des Elternrates wieder, der letztlich diese Art der Projektwoche beschlossen hat. 

Insgesamt finden in dieser Woche 42 Projekte (mehr als in den Vorjahren, wo es meist rund 35 waren) statt, an denen 964 Schüler teilnehmen. Dass es nicht noch mehr sind, liegt daran, dass der 13. Jahrgang auf Studienfahrt in Rom ist, der neunte Jahrgang sich im Praktikum befindet und Teile des elften und zwölften Jahrgangs sich derzeit in Polen aufhalten. 

Barrierefreiheit ist ein Thema des Projekts „Behindert – na und?“. Dabei wurde auch die Barrierefreiheit der Schule im Besonderen und der Stadt im Allgemeinen unter die Lupe genommen.

Eine besondere Herausforderung für die Projektleiter ist in dieser Woche die große Altersspanne der Schüler bei doch oft sehr theoretischen Projekten. So nehmen an der überwiegenden Zahl Schüler der Jahrgänge fünf bis zwölf oder zumindest fünf bis zehn teil. Lediglich acht Projekte sind auf die Oberstufenjahrgänge begrenzt. 

Die meisten Schüler finden sich – wie in jedem Jahr – im Theaterprojekt. Gleich 80 Schüler wirken dort mit, wobei zehn mit dem Bühnenbau und -bild beschäftigt sind und zehn weitere im technischen Bereich arbeiten. Die anderen 60 haben alle Sprechrollen gefunden. Tobias Voswinkel als Projektverantwortlicher: „Es gibt keine reinen Statistenrollen, dafür haben wir einige Rollen gleich dreifach besetzt.“ Daraus ergibt sich dann auch die Mindestanzahl an Aufführungen, um allen Schülern einen Auftritt zu ermöglichen. Stattfinden wird einer davon am Tag der offenen Tür am 18. November, an dem dann auch viele der anderen Projektergebnisse vorgestellt werden. 

Wegfallen wird in diesem Jahr allerdings die Aufführung für die Grundschulen. „Der Stoff dürfte doch etwas zu anspruchsvoll sein“, vermutet Voswinkel. Kein Wunder, geht es doch in „Stresstest“ unter anderem um Kapitalismuskritik, Wissenschaft contra Gesellschaft und die Ausbeutung der Massen ohne deren Wissen. So würde es der Regisseur nicht formulieren, doch zwischen den Zeilen klingt das durch. 

Die „Farm der Tiere“ von George Orwell wird auch als Comic dargestellt.

In anderen Räumen ist die Demokratie in der Türkei, die Präsidentschaft von Trump oder auch die „Farm der Tiere“ das beherrschende Thema. Natürlich setzen sich die Schüler mit all den Themen nicht nur schriftlich und mündlich auseinander, sondern sie malen auch Comics, erstellen Collagen oder üben Protestsongs ein. 

Es ist gar gelungen, eine Brücke vom Sport zur Demokratie zu schlagen – und im Technikraum kommen dann doch noch Stichsäge, Pinsel und Schraubendreher zum Einsatz, denn dort entstehen sogenannte Gedankenfiguren, die Meinung sichtbar machen sollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare