Die Natur steckt in Spielen und Badepralinen

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Der Blick durchs Mikroskop gibt einen Einblick in die Artenvielfalt, die auch in der Schleipe neben dem Schulgebäude herrscht.

Kierspe - Bereits vom Parkplatz aus ist der Klang der Maschinen aus dem Technikraum zu hören – und ein paar Schüler kommen in Sportkleidung aus dem Wald. Ansonsten herrscht eine eigenwillige Stille in der Freien Schule, denn dort arbeiten die Schüler konzentriert in den Klassenräumen an ihren Projekten und damit auch an der Vorbereitung des Tags der offenen Tür, der am Sonntag, 24. September, von 11 bis 16 Uhr stattfindet. Dann sind nicht nur die Eltern der Schüler willkommen, sondern auch alle andere Gäste, die sich die Schule in Erlen einmal anschauen möchten.

Doch der Sonntag soll nicht nur mit den Augen wahrgenommen werden. Selbstgebackene Plätzchen, Badepralinen und wohlriechende Kräutermischungen warten dann auf die Gäste.

So vielfältig, wie das Angebot am Sonntag ist, so vielfältig ist auch die Projektwoche selbst. Denn mit Angeboten wie Sport und Fitness, Naturkosmetik, Wildpflanzen zum Genießen, Spiele aus Naturmaterialien, Räucherwerk aus Wildkräutern, Leben im und am Bach, Filzen und Urban Gardening (Gärtnern auf engstem Raum) war für jeden Geschmack etwas dabei. Und da alle Gruppen bunt gemischt mit Schülern der Klassen eins bis elf belegt waren, gab es das soziale Lernen noch gleich dazu.

Der zehnjährige Remo und die gleichaltrige Pauline sind ganz aufgeregt, als sie zeigen, wie sie die Kräuter gesammelt, einsortiert und getrocknet haben. In speziellen Gläsern, aufwendig mit Wildkräutern verziert warten die verschiedenen Mischungen dann am Sonntag auf Käufer.

Deutlich ruhiger geht es ein paar Räume weiter zu. Dort wird gerade die selbstgebackene Pizza verzehrt – hergestellt natürlich mit Kräutern, die auf dem riesigen Außengelände der Schule wachsen. Die Pizza werden die Schüler am Wochenende nicht anbieten, dafür aber Teemischungen und Kekse mit Holunderbeeren.

Unter den Teilnehmern, die sich für die Herstellung von Naturkosmetik interessieren, finden sich doch tatsächlich auch zwei Jungen. Die sind – genau wie die zwölf Mädchen – eifrig dabei, Blüten, Natron, Salze und Stärke so zu mischen, dass sich daraus Badepralinen herstellen lassen. „Diese können am Sonntag gekauft werden, das wäre auch sehr gut, denn das Projekt war nicht gerade preiswert“, erzählt Lehrerin Daniela Bues. Deutlich preiswerter sind die Materialien in dem Raum, in dem Amrei Lumme mit ihren Schülern Spiele aus Naturmaterialien herstellt. Auf alte weiße Tischdecken werden große Mühle- und Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spiele gemalt. Als Spielsteine dienen dann später bemalte Natursteine, aber auch Kastanien und Eicheln.

Naturmaterial – in diesem Fall Wolle – wird auch beim Filzen verarbeitet. Während beim Nassfilzen all das eine Rolle spielt, was sich im weitesten Sinne aus einer Kugel herstellen lässt, wird beim Nadelfilzen sehr viel gegenständlicher gearbeitet. Die Ergebnisse gibt’s Sonntag.

Nichts zu kaufen, aber viel zu staunen gibt’s bei der Gruppe, die sich mit dem Leben im und am Bach beschäftigt hat. Drei Abschnitte der Schleipe haben die Schüler genau unter die Lupe genommen, haben Fließgeschwindigkeit, Temperatur, Säuregehalt, Schadstoffeintrag und Untergrundbeschaffenheit ermittelt und die Tiere und Pflanzen erfasst. Herausgekommen ist dabei, dass die Schleipe über eine sehr gute Wasserqualität verfügt und mit dem vom Aussterben bedrohten Europäischen Edelkrebs auch sehr seltene Tiere in erstaunlicher Größe und Anzahl zu finden sind.

Wasser benötigt auch die Gruppe, die sich mit dem Gärtnern auf engstem Raum beschäftigt. Urban Gardening heißt das neudeutsch – und gemeint ist die Schaffung neuer Anbauplätze – bei der Freien Schule waren das Paletten und alte Autoreifen.

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