Projekt in Bollwerk mit Strahlkraft für Regionale

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Der verein Heesfelder Mühle engagiert sich im Bereich der früheren Firma Brune in Bollwerk. Jetzt begannen die Arbeiten an der Dachsanierung. ▪

KIERSPE ▪ Pünktlich zum Abschluss des Regionale-Prozesses im Rahmen des Bürgerforums im Pädagogischen Zentrum der Gesamtschule gestern Abend kam Anfang der Woche die Teilbaugenehmigung für die Sanierung des Daches der früheren Firma Walter Brune, ursprünglich Metallwarenfabrik August Hessmert in Bollwerk an der Leye, die aktuell vom Verein Heesfelder Mühle aus Halver im Rahmen der Regionale 2013 zu einem weiteren technischen Kleinod im Volmetal restauriert und umgestaltet wird.

Die Vorarbeiten wurden natürlich sofort aufgenommen, wie Klaus Brunsmeier, der Leiter des Zentrums für Naturschutz und Kulturlandschaftspflege in Halver und zugleich Vizepräsident des BUND mit Sitz in Berlin ist, berichtet. Auch er selbst legte in dieser Woche auf der Baustelle der alten Industriebrache mit Hand an, denn das Ziel ist es natürlich, den verbliebenen Gebäudeteil nach dem Abriss des restlichen Komplexes im Frühjahr winterfest zu machen.

Das obere Volmetal mit den Kommunen Kierspe, Meinerzhagen, Halver und Schalksmühle hat sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen des NRW-Strukturförderungsprogramms der Regionale 2013, das letztlich in dieser Zeit einen Förderschwerpunkt im Bereich Südwestfalen vorsieht, eine nachhaltige Entwicklungsstrategie zu formulieren und in den kommenden zehn Jahren auch zu verfolgen. Erarbeitet wurde dafür ein Entwicklungs- und Handlungskonzept, mit dem versucht werden soll, zusammen mit der Region insgesamt das obere Volmetal nach vorne zu bringen. Es geht um konkrete Verbesserungen für die Menschen, aber ebenfalls um ein positives Image dieses Raums, das so bislang nicht existiert. Gestern drehte es bei der Präsentation des Projektes in einer vorbereiteten Ausstellung und der anschließenden Informationsveranstaltung zusammen mit dem Büro Architektur, Stadtplanung und Stadtentwicklung (ASS) aus Düsseldorf und den Stadtoberhäuptern der vier beteiligten Städte und Gemeinden noch einmal um die einzelnen Inhalte.

Das Wasserkraft-Projekt des Vereins Heesfelder Mühle passt natürlich ideal in das Gesamtkonzept zur Regionale vor Ort. Zumal es das Leitprojekt „Historische Industrie“ entlang der Volme“ gibt, das in besonderem Maße auch das Stadtgebiet von Kierspe tangiert – nicht nur wegen des Vorhabens in Bollwerk, sondern auch verschiedener anderer im Stadtgebiet vorhandener Objekte. Aufgrund der schon frühzeitigen Nutzung der Wasserkraft als Antrieb für Wasserräder, Hämmer und zur Energiegewinnung ist die Landschaft im Volmetal durch die industriellen historischen Zeitzeugen geprägt. Da diese Relikte – teilweise auch heute noch in Betrieb – bedeutende Charaktermerkmale der Region sind, sollen sie künftig als Veranstaltungs-, Informations- und außerschulische Lernorte sowie Landmarken genutzt werden. Die Denkmäler und weitere erhaltenswerte industriell geprägte Bausubstanz sollen aktiviert werden, wie dies zurzeit bereits im Fall der ehemaligen Firma Brune beziehungsweise Hessmert geschieht.

Der Komplex soll zu einem touristischen Anlaufpunkt umgestaltet werden und später auch ein Museum zum Thema beinhalten. Das Projekt könnte Pilotcharakter erhalten und so eine hohe Strahlkraft auf die gesamten Regionale-Aktivitäten bekommen.

Klaus Brunsmeier, der selbst ganz begeistert von seinem neuen Vorhaben ist und dieses zusammen mit dem Halveraner Frank Schmidt unter Hochdruck vorantreibt, nennt das Areal ein „wunderschönes Beispiel für kulturhistorische Identität, gewonnen aus Wasserkraft“. Er kann durch das bereits seit Jahren gut funktionierende Zentrum an der Hälver auf jede Menge Erfahrung zurückgreifen und verfügt ebenfalls über die entsprechenden Kontakte zu den entscheidenden Stellen. Das ist natürlich von Vorteil.

Nachdem die Immobilie aufgrund der Ermangelung eines Erben nach dem Tod des letzten Besitzers Walter Brune zunächst längere Zeit im Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen war, ging sie Anfang dieses Jahres für einen symbolischen Eurobetrag an den Verein Heesfelder Mühle über. Dazu gehören neben dem Gebäudekomplex auch die früheren Obergräben, Teichflächen, Wiesen sowie Abschlag- und Untergräben und auch die noch vorhandenen Wehre. Dabei sind die wasserführenden Anlagen größtenteils stark verschlammt.

Besonders der Abbruch des einsturzgefährdeten südlichen Flügels war auch aus Verkehrssicherheitsgründen dringend notwendig. Am Obergraben an der Volme ist stattdessen als Neubau ein technisches Gebäude mit Mühlrad und Schmiede geplant. Denn ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes ist die Nutzung der historischen Wasserrechte und die Wiederaufnahme der Wasserkraftnutzung unter gewässerökologischen Gesichtspunkten. Angestrebt wird die Gewinnung regenerativer Energie an dieser Stelle – nicht nur durch Wasserkraft, sondern auf das Dach des Hauptgebäudes soll zudem eine Photovoltaikanlage kommen. Bei der Übernahme des Komplexes durch den Verein stand in einem Nebengebäude noch die Turbine zur Stromgewinnung, die jedoch Schrott war. In das neu zu errichtende Haus kommt aus dem Grund eine moderne Energieschnecke.

Im Nordflügel, der jetzt ein neues Dach erhält, soll das Museum seinen Platz finden. Das Material wie Formsteine und auch Bewehrung ist bereits geliefert. Gestern wurde damit begonnen, den Kran aufzustellen, denn auf die Mauern muss rundum ein Betonringanker gelegt werden, derdann die Holzbinder des geplanten Pultdaches tragen wird. Eingebunden in die Planungen in Bollwerk ist außerdem eine Renaturierung und Verbesserung der Situation im Bereich der Volmeaue in diesem Abschnitt, die teilweise mit Bauschutt und Sperrmüll zugekippt ist.

Rolf Haase

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