Praktische Hilfe für Kröten und andere Geschöpfe

Das braune Erdkrötenmännchen wurde beim Aufstellen des Amphibienschutzzauns bereits sicher über die Straße getragen.

KIERSPE ▪ Beobachtungen von Anwohnern und Joggern über Krötenwanderungen rund um Mühlenschmidthausen und viele überfahrene Tiere im vergangenen Jahr riefen jetzt Mitglieder der BUND-Ortsgruppe und des Hegerings auf den Plan. Ausgerüstet mit Spitzhacken, Schaufeln, Hämmern und Drahtzangen trafen sie sich am Samstagmorgen, um hinter der Brücke auf einer Länge von 200 Metern einen Amphibienschutzzaun zu errichten.

„Im Jahr 2009 haben wir auf einer BUND-Exkursion Anfang April rund 50 überfahrene Kröten auf der Strecke gezählt, an der wir jetzt den Schutzzaun aufstellen“, berichtet Gudrun Barth, Ortsgruppenleiterin des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Wie Anwohner bestätigten, habe über Jahre hinweg das Verkehrsaufkommen auf der K3 erheblich zugenommen. Vor allem an den Wochenenden sei die landschaftlich reizvolle Nebenstrecke stark frequentiert. „Wenn jetzt im März, bei Temperaturen von acht Grad Celsius, die Wanderung der Amphibien aus ihren Winterquartieren zu den Laichgewässern beginnt, müssen sie die Straße überqueren. Das ist vor allem deshalb gefährlich, weil sie gerade erst aus der Winterstarre erwacht sind und sich noch sehr langsam bewegen“, erklärte Barth. Gerne nutzten die Tiere den leicht erwärmten Asphalt, um sich darauf aufzuwärmen – oft genug mit tödlichen Folgen. Um das zu verhindern, seien Amphibienschutzzäune nötig.

In gebührendem Abstand zur Straße, um den Verkehr nicht zu behindern, zogen die Helfer zunächst eine schmale Furche. Der vom Naturschutzzentrum Märkischer Kreis entliehene Zaun wurde straff gespannt und an Metallstäben verdrahtet. Alle zehn Meter gruben die Aktiven einen Eimer dicht am Zaun ins Erdreich ein. „Die Böden der Eimer weisen Löcher auf, damit sich kein Wasser darin sammeln kann. Alle enthalten auch einen Stock, an dem entlang sich Mäuse oder andere Tiere aus dem Eimer befreien können, und eine Laubschicht zum Verstecken auf dem Boden“, erklärte Gudrun Barth. Gespannt sind sie und die anderen Naturschützer bereits auf die verschiedenen Amphibienarten, die demnächst gefunden werden, denn über die im Kerspetal vorkommenden Frösche, Kröten und Molche wissen sie bisher wenig. Erster Fund beim Aufstellen des Zaunes war ein warziges braunes Erdkrötenmännchen, das bereits sicher auf die andere Straßenseite getragen wurde. Kommentar der Amphibienschützer: „Da sehen wir genau, wofür wir diese anstrengende und zeitaufwendige Arbeit verrichten.“

Auch in Kierspe würden jährlich Laichgewässer zugekippt und fielen Baumaßnahmen zum Opfer. Viele Amphibienarten seien vom Aussterben bedroht. Deshalb müssten die Tiere geschützt werden und bräuchten dringend eine Lobby, so der Appell von Gudrun Barth. „Auch unsere Kinder sollen sich noch mit eigenen Augen daran erfreuen können, wie sich aus einer kleinen Kaulquappe im Tümpel in ihrem Wohngebiet ein Frosch entwickelt“, fordert sie.

Für zwei Monate bleibt der Amphibienschutzzaun in Mühlenschmidthausen bestehen und wird dann wieder abgebaut. Ob der Standort noch erweitert oder umgestellt werden muss, sollen die Erfahrungen zeigen. Gebraucht werden für diese Zeit fleißige Helfer, die täglich morgens und abends die Fang eimer ausleeren und die Tiere sicher über die Straße bringen. Eine Anwohnerfamilie hat bereits morgendliche Unterstützung zugesagt.

Wer sich für den Amphibienschutz engagieren möchte, kann sich bei Gudrun Barth, Telefon 0 23 59 / 43 58, melden.

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