Pächter halten sich an Vorschriften

Nur Lärm sorgt manchmal für Ärger

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Auf der Parzelle von Alexander und Lydia Singer, Vorsitzender und Kassiererin des Kleingartenvereins, gib es nur Blumen, Obst und Gemüse – sowie Fässer, in denen Regenwasser gesammelt wird.

Kierspe - Nein, es gibt kein Verbot in der Satzung. Weder für das Aufstellen eines kleinen Swimmingpools, noch für die Nutzung eines kleinen Trampolins durch Kinder. Im Gegenteil, der Kleingartenverein Thingslinde ist „ein kinderfreundlicher Verein“, sagen sein Vorsitzender Alexander Singer, sein Stellvertreter Andreas Schuchart und Kassiererin Lydia Singer.

„Wir möchten junge Leute zum Verein bringen“, wissen die drei, dass junge Familien häufig zwei oder drei Kinder haben. Derzeit gibt es zwar keine Probleme, was die Vermietung der Kleingärten angeht: Die 29 Parzellen jenseits der Thingslinde sind alle vermietet. Es gebe sogar eine kleine Liste von sechs oder sieben Bürgern, die nach einem Kleingarten in Kierspe nachgefragt haben. Allerdings gebe es einige Senioren, die über kurz oder lang möglicherweise nicht mehr Blumen, Obst und Gemüse in ihrem Garten anpflanzen können.

Als Nachfolger würde der Kleingartenverein gerne junge Familien begrüßen. Wohlwissend, dass man Kinder natürlich nicht auf der Parzelle „anketten“ kann. „Sie müssen sich bewegen dürfen“, betonen die Vorstandsmitglieder. Und dazu gehört nicht nur, dass die Mädchen oder Jungen mal auf einem Trampolin springen, sondern auch – gerade in diesem sowie den letzten beiden heißen und trockenen Sommern – , dass sie mal Abkühlung in einem kleinen Pool oder Planschbecken finden.

Denn verboten ist es laut Vereinssatzung eben nicht. Auch der Bezirksverband habe zwar im Frühjahr ein Schreiben versendet, doch darin ging es um die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske), die aufgrund des Coronavirus notwendig sind. Natürlich hat die Pandemie von den Kleingärtnern ihren unübersehbaren Tribut gefordert: Das traditionelle Osterfeuer musste ausfallen – der Holzhaufen liegt noch jetzt am Rande des Kleingartengeländes. „Wir hatten gehofft, dass die Stadt vielleicht mit einem Schredder mal vorbeikommt“, weiß der Vorstand des Vereins noch nicht, wie man nun mit dem Berg umgeht.

Die Vermietung des Gemeinschaftshauses ist ebenfalls nicht möglich, auch nicht an die knapp 60 Mitglieder. Die kommen nicht nur aus Kierspe, sondern auch aus Meinerzhagen, Halver und Wipperfürth. Gesperrt worden war ebenfalls der Kinderspielplatz, der erst vor wenigen Tagen wieder freigegeben worden ist. Dennoch: Die Kleingärtner schätzen die Lage in Kierspe: keine Hauptverkehrsstraße, sondern vielmehr Ruhe, die geradezu zur Entspannung einlädt.

Corona-Pandemie: An Auflagen gehalten

Die Mitglieder hielten sich zudem an Mittags- und Nachtruhen, zollt der Vorstand allen ein dickes Lob. Das gelte auch für die Auflagen, die im Zuge der Corona-Pandemie fällig wurden: „Die Leute haben sich super daran gehalten!“ „In dem Schreiben war aber keine Rede von Verbot für Swimmigpools oder Trampolins“, sagt Alexander Singer. Er hat natürlich mitbekommen, dass es anderenorts Probleme und Ärger deswegen gibt, weil es dort in den Satzungen verankert ist.

Für Tomaten werden sogar Gewächshäuser aufgestellt.

Im Kleingartenverein Thingslinde gebe es höchstens mal einen, der sich über vermeintlichen Lärm von Kindern beschwere und deswegen beim Vorsitzenden anrufe. Der sowie seine Frau und sein Stellvertreter konnten jedoch keinen Lärm feststellen, obwohl sie bis zur Parzelle des Beschwerdeführers gegangen sind. Einmal gipfelte es gar in der Beschwerde, die Kinder würden so laut rülpsen. Letztlich müsse aber auch jeder selbst wissen, ob er Wasser für Planschbecken oder kleine Pools verwende, das er schließlich selbst bezahlen müsse.

Große Behälter für Regenwassersammlung

Denn das Wasser für die Blumen, Gemüsepflanzen oder Beerenobst kommt nahezu ausschließlich aus den großen Behälter, die auf jedem Kleingartengrundstück gleich mehrfach aufgestellt sind und in denen das Regenwasser (wohlgemerkt: zum Gießen) gesammelt wird. Dass die Mitglieder des Vereins ihre Kleingärten zumeist an den Wochenende als idyllische Oasen nutzen, sieht jeder, der sich die Parzellen ansieht. Dort wachsen derzeit nicht nur gelbe und rote Himbeeren, Zucchinis und vieles andere, sondern sogar noch einmal Erdbeeren – obwohl deren Zeit eigentlich im vergangenen Monat schon vorbei war.

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