Neues aus dem Amtsgericht

1200 Euro teure Beleidigung

Symbolbild
+
Symbolbild

Ein 29 Jahre alter Kiersper wird zum Wiederholungstäter.

Kierspe – Weil der Nachbar ihn angeblich „angepackt“ hatte, rief ein Mann aus Kierspe am 27. Juli vergangenen Jahres die Polizei. Als die Beamten am Einsatzort eintrafen, befanden sich die beiden Männer in einem Streitgespräch. Für einen von ihnen endete der Disput wegen Beleidigung auf der Anklagebank des Amtsgerichts Meinerzhagen: Die Staatsanwaltschaft warf dem 29-Jährigen vor, die Polizisten als „Bullen“ betitelt und damit beleidigt zu haben. Und zwar mehrfach.

„Das stimmt überhaupt nicht“, sprudelte es gleich zu Beginn seiner Vernehmung aus dem Angeklagten heraus. Er habe im Gespräch mit dem Nachbarn, der die Polizei gerufen hatte, lediglich gesagt, dass er selber ja auch nicht immer die „Bullen“ rufe, wenn es zwischen den beiden ein Problem gebe. Komplett gelogen sei, so der Kiersper, dass er das Wort mehrfach verwendet habe. „Aber ein Mal ist ein Mal zu viel“, machte der Richter deutlich. Dabei spiele es auch keine Rolle, ob der Angeklagte einen Polizisten direkt angesprochen habe oder nicht.

Schließlich betrat der beleidigte Polizist den Zeugenstand. Der 30-Jährige sagte aus, der Angeklagte habe zu dem Nachbarn gesagt, er solle dem „Bullen“ doch das „Scheiß-Bild“ zeigen. Der Zeuge habe den Kiersper darauf hingewiesen, dass es sich bei seiner Äußerung um eine Beleidigung handele und er diese bitte unterlassen solle. Der Mann habe aber immer wieder das Wort „Bulle“ benutzt. Irgendwann ist dann halt mal gut“, erklärte der Polizist. Beleidigt zu werden sei leider keine Seltenheit. Nicht bei jeder Gelegenheit erstatten sie Anzeige, so der 30-Jährige. Aber im vorliegenden Fall sei es einfach genug gewesen.

Nach der Vernehmung des Zeugen durch Richter und Staatsanwaltschaft war der Angeklagte an der Reihe, dem Mann Fragen zu stellen. Dabei fiel auf, dass er den Polizisten die ganze Zeit duzte. Der Richter wies den 29-Jährigen darauf hin, dass das keine angemessene Anrede sei: „Sie haben den Zeugen nicht zu duzen.“ Die Erwiderung des Angeklagten folgte prompt: „Ich habe keinen Respekt vor solchen Polizisten, die lügen.“

Nicht zum ersten Mal war der Angeklagte vor Gericht, weil er einen Polizisten beleidigt hatte. Nur 20 Tage vor dem verhandelten Vorfall war er wegen einer ähnlichen Sache verurteilt worden, und der Auszug das Bundeszentralregisters zeigte noch mehr Vorstrafen. 2011 begann alles mit Körperverletzung und Beleidigung. Es folgten Straßenverkehrsgefährdung, ein Verstoß gegen das Waffengesetz sowie Unfallflucht.

In seinem Plädoyer machte der Vertreter der Staatsanwaltschaft noch einmal deutlich, dass es unerheblich sei, ob ein Schimpfwort ein Mal oder mehrfach benutzt werde. „Nach dem, was Sie sagen, steht auf jeden Fall fest, dass das Wort ‚Bulle‘ ein Mal gefallen ist, und zwar in Anwesenheit der Polizisten.“ Damit liege eine Beleidigung vor, so der Richter. Er verurteilte den Kiersper zu 1200 Euro Geldstrafe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare