Notruf „110“ hat oberste Priorität

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Die Kreispolizeibehörde sieht „digitalen Einbruchsschutz“ sehr kritisch.

Kierspe - Ein unbekanntes Fahrzeug parkt verdächtig lange auf der Straße, eine Gruppe von Männern begutachtet die Hauseingänge in der Siedlung. Solche Beobachtungen machen vielen Menschen Angst vor einem Einbruch. Doch was sollte man bei solchen Ereignissen tun?

In Herscheid wollen sich seit einiger Zeit Menschen durch eine Whats-App-Gruppe schützen. Im sozialen Netzwerk Facebook ist zu lesen, dass, nachdem dort mehrfach in Häuser eingebrochen wurde, sich einige Anwohner aus den Straßen Am Blumenhang, An der Helle, Im Uerp, Tulpen- und Nelkenweg zusammengeschlossen und eine solche Gruppe gegründet hätten.

In diesem Netzwerk sollen ausnahmslos fremde Fahrzeuge und verdächtige Personen gemeldet werden. Das Interesse an der Gruppe sei groß, inzwischen hätten sich über 40 Haushalte vernetzt. Der positive Effekt, so ist es im Internet zu lesen, sei, dass jeder verstärkt auf seine Nachbarschaft achte.

Auch die Polizei soll sich positiv zu der Idee geäußert haben, nachdem ein Fahrzeug mit ausländischem Kennzeichen auffällig langsam durch das Wohngebiet gefahren sei und von Anwohnern die Daten des Fahrzeugs und eine Personenbeschreibung übergeben werden konnten.

Kriminalstatistik: Anstieg bei Einbruchsfällen

Auch wenn seit der Gründung der Gruppe nicht eingebrochen wurde, würden sich die Anwohner sicherer fühlen, wenn sie das Haus verlassen oder ins Bett gehen, heißt es weiter. Ein Blick in die aktuelle Kriminalstatistik (Stand 2015) für den Märkischen Kreis zeigt, dass Einbrüche auch in der heimischen Region immer häufiger vorkommen. In Kierspe stieg die Zahl der Fälle von 2014 auf 2015 von 30 auf 50. Auch in den Nachbarstädten verzeichnet das Zahlenwerk einen Anstieg an Taten. In Meinerzhagen gab es eine deutliche Zunahme von 65 auf 109 und in Herscheid von acht auf 20 Fälle. Nur in Halver sank die Anzahl der Einbrüche von 63 auf 29.

Der Vorschlag, so eine Gruppe auch in Kierspe zu gründen, stößt auf Facebook – zumindest augenscheinlich – zwar nur auf eine geringe Resonanz. Doch die wenigen Kiersper Nutzer äußern sich dazu positiv. „Gute Sache“, „Sehr gute Sache, meine Enkeltochter hat seit dem Einbruch große Angst“ und „Gute Idee“, so lauten die Kommentare.

Polizei kann über Anti-Einbruch-Maßnahme nur wenig schmunzeln 

Von der Gründung solch einer Gruppe hat die Kreispolizeibehörde noch nichts gehört, erklärt Pressesprecher Dietmar Boronowski. Doch er sieht diese Idee kritisch. „Über eine Anti-Einbruch-Whats-App-Gruppe können wir nur wenig schmunzeln. Anstelle solche Beobachtungen in einem Netzwerk mitzuteilen, sollten die Menschen lieber die Polizei verständigen. Die Menschen sollten sich die 110 auf die Fahne schreiben.“ So eine Gruppe halte er für überflüssig, wenn die Informationen über verdächtige Ereignisse nur dort geteilt werden. „Hinterher können die Menschen sich gerne darin austauschen und warnen. Aber erst nach einem Anruf bei uns“, betont Boronowski.

Aktueller Fall in Kierspe

Am Schillerweg brachen Unbekannte am Samstag (18. Februar) in ein Einfamilienhaus ein. Über eine gewaltsam geöffnete Terrassentür gelangten der oder die Täter in das Haus und durchsuchten die Räume. Nach bisherigen Erkenntnissen machten sie jedoch keine Beute. Allerdings richteten die Einbrecher mehrere Hundert Euro Sachschaden an.

Sachdienliche Hinweise zu diesem Einbruch nimmt die Polizei in Meinerzhagen unter der Rufnummer 02354/91990 entgegen.

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