Villa Wirth: Rat spricht sich erneut gegen Denkmalschutz aus

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Trotz der klaren Vorgaben des Kreises sprachen sich die Ratsmitglieder erneut gegen die Unterschutzstellung der Villa Wirth aus.

Kierspe - Glückliche Kinder und Lehrer, Uneinigkeit bei der Unterschutzstellung einer Gründerzeitvilla und Unverständnis bei der Verwendung von „überschüssigen“ Mitteln für eine Urnenwand – so stellte sich die Ratssitzung am Dienstag dar.

Der Landschaftsverband regte vor Monaten die Unterschutzstellung der Villa Wirth an der Volmestraße an. Der Rat lehnte das aber ab. Allerdings, ohne sachliche Gründe zu nennen, wie der Märkische Kreis anmahnte. Und der Rat? Lehnt erneut die Unterschutzstellung ab – wieder ohne sachliche Gründe, dafür aber mit spürbarer Verärgerung auf die Kreisverwaltung in Lüdenscheid. 

„Das ganze Verfahren ist eine Farce. Erst werden wir gefragt, lehnen wir dann ab, kommt der Kreis und sagt, dass wir so nicht abstimmen dürften. Deshalb bleibe ich bei meinem Nein gegen die Unterschutzstellung“, formulierte es Holger Scheel (CDU). Eine Trotzreaktion, mit der er nicht alleine blieb. Auch Peter Christian Schröder (Freie Wähler) sah das so und Marc Voswinkel sprach gar von einem Schildbürgerstreich. Auch er kündigte die Ablehnung der Unterschutzstellung an, weil er darin einen massiven Eingriff in das Privatvermögen sieht. „Außerdem sehe ich keinen Nutzen für Kierspe, von der Unterschutzstellung hat die Öffentlichkeit nichts“, so der SPD-Politiker. 

Die Riege der Nein-Sager wurde dann noch durch Armin Jung (FDP) und Dieter Grafe (UWG) komplettiert. Die Einwände anderer Politiker, dass der Eigentümer ja augenscheinlich mit dem Denkmalschutz einverstanden sei, ließen die Vorredner nicht gelten. Voswinkel: „Dann soll er hierherkommen und das sagen.“

Markus Pempe (CDU) sah das ganz anders: „Wenn der Besitzer die Unterschutzstellung wünscht, stelle ich mich nicht dagegen. Hätte er etwas dagegen, dann hätte er sich mit Sicherheit gemeldet.“ Hermann Reyher ging in seiner Begründung für eine Zustimmung noch einen Schritt weiter und erinnerte seine Ratskollegen an das Grundgesetz: „Dort steht, dass Eigentum verpflichtet, das sollte auch ein Marc Voswinkel wissen. Und wenn der Eigentümer eine Unterschutzstellung wünscht, dann soll er sie auch bekommen.“ 

Und auch Voswinkels Fraktionskollege Oliver Busch äußerte sich in diese Richtung: „Die Villa steht für die Entwicklung Kierspes und hat damit auch eine große geschichtliche Bedeutung für die Stadt. Ich appelliere an alle, im Interesse des Ortsteils Bahnhof dieses Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen.“ Letztlich verhallte dieser Appell des SPD-Mannes ungehört, da 16 Ratsmitglieder mit Nein und lediglich 13 mit Ja, also für die Unterschutzstellung, stimmten.

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