Pluspunkt für die Stadt

Yao Houphouet trainiert mit den Besuchern des Pluspunkts Capoeira.

KIERSPE ▪ Bei der offiziellen Eröffnung eines – nicht nur wörtlich genommenen – Pluspunktes für die Stadt, konnten die Verantwortlichen vom Sozialwerk St. Georg gestern eine positive Bilanz nach dem Umzug der Einrichtung an die Kölner Straße ziehen.

Beim „Pluspunkt“ handelt es sich um eine Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Problemen, die von den Mitarbeitern des Sozialwerks betreut werden. Von der etwas abgelegeneren Wehestraße ging es ins Zentrum von Kierspe. Ein wichtiger Schritt, wie Fachleiter Thorsten Garske betont: „Wir wollten mitten in die Gesellschaft.“

Zurzeit werden dort zwölf Menschen betreut, die in eigenen Wohnungen leben, aber Unterstützung brauchen. Zudem kommen 20 sogenannte Klienten aus stationären Einrichtungen an die Kölner Straße, um zusammen mit den Mitarbeitern im therapeutischen Bereich zu arbeiten. Es gibt kreative Angebote wie das Malen mit Acrylfarben, Übungen zur Förderung der sozialen Kompetenz, Hilfe bei Bewerbungen und vieles mehr.

Dass das alles jetzt nicht nur in zentraler gelegenen, sondern auch freundlicher gestalteten Räumen passieren kann, davon konnten sich gestern zahlreiche Besucher vor Ort überzeugen.

Garske stellte gemeinsam mit der Einrichtungsleiterin für „Ambulant Betreutes Wohnen im Märkischen Kreis und Hochsauerlandkreis“, Elisabeth Frigger, den Pluspunkt und seine Angebote vor. Wichtig sei, dass die betreuten Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Allerdings drehe sich dabei alles um Selbstbestimmung: „Wir bieten nur genauso viel Hilfe, wie nötig ist“, betont Frigger. Vier Festangestellte übernehmen diese Aufgabe. Als weitere Angebote gibt es einmal wöchentlich einen offenen Treff, zu dem auch Menschen ohne psychische Krankheiten eingeladen seien, um zu „spielen oder plaudern oder einfach nur einen Kaffee zu trinken.“ Alle 14 Tage trifft sich zudem die Selbsthilfegruppe Horizont, die auf Initiative einer Betroffenen gegründet wurde. Die Teilnehmer könnten von den Erfahrungen anderen profitieren und „lösungsorientiert über den Umgang mit ihrer psychischen Krankheit“ sprechen.

Friedrich Gleißner von der Geschäftsführung des Sozialwerks hatte als Einweihungsgeschenk ein kleines Kreuz dabei, das unter anderem die „segensreiche Arbeit“ im Pluspunkt unterstreichen solle. Bürgermeister Frank Emd betonte die Wichtigkeit der Einrichtung, auch als „kompetenten Partner“ der Stadt. Außerdem profitieren in seinen Augen gleich mehrere Seiten von dem neuen Standort: Er sorge bei der Einrichtung für „Kontinuität“ und mehr Zulauf. Aber auch Kierspe habe ein Interesse an dem Umzug gehabt, „da die Kölner Straße von Leerständen geprägt ist.“ Dem können mit der Vermietung an Dienstleister wie das Sozialwerks ebenfalls entgegen gewirkt werden.

Als rhythmischer und stimmungsvoller Höhepunkt der Eröffnung trat im Anschluss noch die Capoeira-Gruppe um Yao Houphouet auf. Sechs bis acht der psychisch Erkrankten trainieren regelmäßig Gesang, Tanz und trommeln. Laut Houphouet geht es dabei auch darum, zu zeigen, dass jeder Einzelne seine Stärken hat. Obwohl der Kurs erst seit einem guten halben Jahr angeboten wird, konnten die Teilnehmer schon einiges zeigen. Auf unterschiedlichen Trommeln wurde der Rhythmus zu den Bewegungen vorgegeben. Capoeira würde eigentlich als eine Mischung aus Tanz und Kampf gesehen. „Wir spielen miteinander“, nennt der Trainer es. Jeweils zwei Teilnehmer umkreisten sich mit geschmeidigen Bewegungen, angefeuert von Gesang und Musik der restlichen Gruppe. Auch das Publikum wurde mit einbezogen und klatschte und sang am Ende mit.

Nach dem Programm konnten sich die Gäste an einem Büfett stärken und sich in lockerer Atmosphäre über den Pluspunkt informieren.

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