Der Kunde entscheidet über Plastiktüte oder Jutebeutel

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Zwei Rollen à 500 Tüten werden pro Tag in der Obst- und Gemüsetheke verbraucht. Auf dem Foto: Rewe-Mitarbeiterin Maria Peckhaus.

Kierspe - Jute oder Plastik? Nach einem Einkauf müssen die Waren verstaut werden. An der Kasse im Supermarkt gibt’s Tüten in verschiedenen Größen und zu unterschiedlichen Preisen. Die EU will den Verbrauch von umweltschädlichen Plastiktüten in den kommenden Jahren deutlich reduzieren. Daran sollte sich jeder Bürger beteiligen, auch die Kiersper.

Jeder zweite Kunde greift noch immer zur Plastiktüte, heißt es auf MZ-Anfrage aus dem Rewe-XL-Markt. Die andere Hälfte nutze den Jute- oder Stoffbeutel, hat einen Einkaufskorb dabei oder trägt die Waren so nach Hause. Wer zur Plastiktüte greift, hat die Wahl: 10 Cent kostet die kleine, 20 Cent die große Tüte.

Der Beutel für Gefrorenes schlägt mit 50 Cent zu Buche, die Recyclingtasche mit einem Euro und der Stoffbeutel kostet 1,49 Euro. „Die Plastiktüte ist einfach, schnell und günstig“, sagt Franco Girotto, stellvertretender Marktleiter des Rewe-Marktes. Nicht jeder sei bereit, mehr Geld für einen Stoffbeutel auszugeben.

Auf das Kaufverhalten der Kunden einwirken wolle man nicht. „Die Leute wollen nicht beeinflusst werden. Wer die Plastiktüten nicht mehr kauft, tut das aus Überzeugung.“ Ein Nachfragen, geschweige denn eine Diskussion an der Kasse sei da nicht angebracht, sagt Girotto, der privat aber lieber zum Stoffbeutel greift, als zur Plastiktüte. Auch aus der Pressestelle der Rewe-Gruppe in Köln – zu der auch Penny und Toom gehören – heißt es, dass man den Kunden weiterhin, wie seit Jahrzehnten, kostenpflichtige Plastiktüten anbieten möchte.

Auf die Frage, ob man die Kosten erhöhen oder das Angebot einschränken wolle, erhielt die MZ hingegen keine Antwort. Weiterhin kostenfrei sind die sogenannten „dünnwandigen“ Plastiktüten, die Kunden aus der Obst- und Gemüsetheke kennen. 500 Tüten sind auf einer Rolle, am Tag werden im Rewe laut Aussage des stellvertretenden Marktleiters zwei davon verbraucht.

Keine Plastiktüten mehr bei Engstfeld

Dabei, so findet Ursula Reiher, könne man auch auf diese Verpackungen gut verzichten. „Wir waschen Obst und Gemüse doch sowieso vor dem Verzehr, wozu also einpacken“, sagt das Vorstandsmitglied des Eine-Welt-Ladens. Plastiktüten lehnt sie generell ab. Es sei eine Frage des Umdenkens und der Gewohnheit.

„Man muss es nur wollen.“ Kostenfreie Plastikbeutel bekommen Kunden derzeit oft noch beim Kauf von Bekleidungsartikeln. Nicht zuletzt aufgrund der kostenlosen Werbung, die der Kunde auf der Tasche für das Unternehmen oder Geschäft mit sich herumträgt, wollen viele nicht darauf verzichten. Bei Sport Engstfeld in Kierspe gibt es schon länger keine Plastiktüten mehr.

Anne Engstfeld: „Es war vor einiger Zeit eine logistische Entscheidung, von der Plastiktüte auf die Papiertüte umzusteigen.“ Zunächst erhielt jeder Kunde nach dem Kauf eine Tüte eines namhaften Sportartikelherstellers. Heute bekommen Kunden eine Papiertüte oder können eine Leinentasche mit dem Engstfeld-Logo erwerben. Der Umstieg sei zwar damals keine bewusste Entscheidung gegen die Plastiktüte gewesen. Heute aber könne sich Anne Engstfeld ebenso wenig wie ihr Sohn Mark Engstfeld vorstellen, wieder Plastiktüten ins Sortiment aufzunehmen. Die Kunden würden es auch gar nicht verlangen.

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