Planungen für eine Zukunft ohne Zivis

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Der Zivildienstbeauftragte Ralf Schustek (rechts) bespricht mit dem Zivildienstleistenden Niklas Jung den Dienstplan für die kommenden Wochen. ▪

KIERSPE ▪ Das Ausliefern der Mahlzeiten beim „Essen auf Rädern“, die Betreuung eines schwerstbehinderten Jungen, damit die Mutter mal alleine einkaufen kann, und Dienstleistungen für ältere und hilfsbedürftige Menschen – alles Aufgaben, die die Zivildienstleistenden im Auftrag der Kirchengemeinde seit Jahren erledigen. Doch spätestens im Juli ist damit Schluss. Wird doch ab diesem Datum der Wehrdienst und damit auch der Zivildienst ausgesetzt – und damit faktisch abgeschafft.

„Am schlimmsten trifft uns der Wegfall des Zivildienstes beim Essen auf Rädern. Mittlerweile liefern die Kiersper und Rönsahler Kirchengemeinde Gemeinde rund 60 Essen aus, in erster Linie an Senioren in Kierspe und Meinerzhagen. Ein Service, den wir auch weiterhin gerne anbieten möchten“, so Ralf Schustek, Zivildienstbeauftragter der Kiersper Gemeinde. Er stellt klar, dass der Preis der Mahlzeiten (derzeit 5,45 Euro) steigen würde, wenn für die Auslieferung Personal eingestellt werden müsste.

Maximal fünf Ersatzdienststellen hat die Kirchengemeinde bislang angeboten. Um all die Arbeit noch zu erledigen, waren die Verantwortlichen froh über jeden Zivi, der seinen sechsmonatigen Dienst um drei Monate freiwillig verlängerte. „Wir hatten auch schon zwei Zusagen für den Sommer, aber die jungen Männer werden jetzt wohl nicht mehr kommen“, so Schustek. Aufzufangen sei die Lücke höchstens durch junge Erwachsene, die ein freiwilliges soziales Jahr ableisten möchte – und da gebe es auch schon eine Anfrage.

Erfahrungen mit den sogenannten FSJlern hat das Seniorenzentrum in Kierspe bereits gesammelt. „Wir haben bei der Awo für Menschen, die diesen Dienst leisten, ein spezielles Fortbildungsprogramm“, erklärt Heimleiterin Kristin Aubert. Bei den Zivis ist sie zwar der Meinung, dass etwas wegbreche, aber es würde auch ohne gehen. „Die beiden Stellen waren immer zusätzlich. Natürlich hat uns das geholfen, zum Beispiel beim Transport der Bewohner, beim Einkaufen für die älteren Menschen oder auch bei Büro- und Hausmeistertätigkeiten. Doch es wird auch ohne gehen. Dann ist sicher vieles nicht mehr so spontan umsetzbar“, so Aubert. Mit weiteren FSJlern möchte die Einrichtungsleiterin erst mal nicht rechnen: „Ich denke, die Nachfragen kommen erst im Spätsommer oder Herbst, wenn der eine oder andere keinen Ausbildungs- oder Studienplatz bekommen hat, und die Wartezeit sinnvoll überbrücken möchte.“

Ähnlich stellt sich die Situation im Wohnverbund Waldheimat dar. Dort hatte man in der Vergangenheit immer zwei Zivildienststellen. Doch bereits vor einem halben Jahr war die „Hausmeisterstelle“ nicht mehr besetzt worden. „Das lohnt sich bei einer Dienstzeit von sechs Monaten einfach nicht mehr“, sagt Einrichtungsleiter Olaf Holtermann, der weiter ausführt, dass es derzeit noch eine Stelle in der Tagesbetreuung gebe. Und für diese Position bemühe man sich auch um einen FSJler. „Das wird nicht ganz einfach, weil diese Leute sehr gefragt sein werden. Aber wir sind zuversichtlich.“ Einen positiven Nebeneffekt hat die Abschaffung der Zivis bei der Waldheimat. Wurde doch mittlerweile eine zweite Hausmeisterstelle eingerichtet. ▪ Johannes Becker

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