Totschlag-Prozess in Köln

Plädoyers: Staatsanwalt fordert Haftstrafe

+
Im Prozess gegen einen 33-jährigen Kiersper wurden am Freitag im Kölner Landgericht die Plädoyers gehalten.

Kierspe - Im Prozess gegen einen 33-Jährigen aus Kierspe wurden am Freitag im Kölner Landgericht die Plädoyers gehalten.

Vor einer Gummersbacher Diskothek soll der Angeklagte zwei Brüder mit seinem Gipsarm niedergeschlagen und eines seiner Opfer, einen 24-Jährigen, auch noch getreten haben. Der 24-Jährige war zwei Stunden später gestorben, dem Kiersper werden gefährliche Körperverletzung und Totschlag vorgeworfen.

Staatsanwalt Thomas Stauch forderte vier Jahre und drei Monate Haft, davon seien wegen der langen Verfahrensdauer von vier Jahren acht Monate als verbüßt anzusehen. Der Angeklagte, der angeben hatte, dass er nur seinem Freund habe helfen wollen, könne sich nicht auf Nothilfe berufen, so Stauch. Der Getötete sei deutlich kleiner als der Angeklagte und habe keine ernsthafte Gefahr dargestellt. 

Weder bei dem Freund, noch bei dem 33-Jährigen seien hinterher Verletzungen feststellbar gewesen. „Der Angeklagte hatte lediglich einen kleinen Kratzer am Ohr, wobei nicht einmal feststeht, wann und wodurch dieser entstanden ist.“ Der Angeklagte sei mit „brutaler Wucht“ vorgegangen, er habe seinem Opfer „lebensgefährliche Verletzungen zufügen“ wollen oder seinen Tod zumindest „billigend in Kauf genommen“. 

Nebenkläger-Anwalt Martin Schulz beschrieb zunächst das Opfer, einen Heizungsmonteur aus Wiehl, als „fleißig, hilfsbereit und munter“. Die lange Verfahrensdauer, wegen Überlastung der Justiz, habe nicht nur den Angeklagten, sondern auch die Angehörigen schwer belastet. 

Schulz kritisierte die Diskotheken-Betreiber, die wegen der Gewinn-Maximierung bei der „Flotte-Dreier-Party“ drei Wodka für zwei Euro ausgegeben hätten. Der Alkohol sei in Strömen geflossen. Das Opfer sei an den großen Blutmengen durch die zertrümmerte Nase und den eröffneten Rachen an seinem eigenen Blut erstickt. „Warum hat man so lange gewartet, bis der Krankenwagen gerufen wurde? Wollte man die Konzession behalten?“ 

Es habe den Eltern gut getan, dass der Angeklagte auf sie zugekommen sei und sich bei ihnen entschuldigt habe. „Das macht ein gemeinsames Verarbeiten möglich“, so der Nebenkläger-Anwalt. „Meine Mandanten sind sehr gläubig und ihre Sicht ist ein christlicher Standpunkt.“ In dem Gebet „Vater unser“ stehe: Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

 „Das wollen meine Mandanten in die Tat umsetzen. Deshalb stelle ich keinen Antrag.“ Die Eltern würden nicht wollen, dass der Angeklagte nicht mehr für die drei Kinder seiner Frau und die beiden gemeinsamen Kinder sorgen könne. „Sie machen sich Sorgen um die Zukunft der Familie.“ 

Verteidiger Andreas Trode räumte in seinem Plädoyer ein, dass die Taten des Angeklagten nicht mit Nothilfe zu rechtfertigen seien. Allerdings bestritt er den Tötungs-Vorsatz: „Hier fordert der Bundesgerichtshof die Gesamtschau aller objektiven Umstände.“ Es habe sich um eine „emotional aufgeladene, rauschmittelenthemmte Situation“ gehandelt, wenige Sekunden hätten über das Schicksal mehrerer Menschen entschieden. Trode sah keinen Totschlag, sondern eine gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge und beantragte eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung.

Lesen Sie mehr zu dem Fall:

Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen

Überraschender Total-Ausfall eines Zeugen

Belästigte das Opfer eine Frau?

Prozess-Auftakt: "Getötet, ohne ein Mörder zu sein"

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare