PFT-belastetes Löschmittel bereits ausgetauscht

Insgesamt rund eine Tonne Löschmittel befinden sich im Besitz der Feuerwehr Kierspe. Die mit PFT belasteten Altbestände hat Wehrleiter Georg Würth mittlerweile austauschen lassen. ▪

KIERSPE ▪ Als die Feuerwehr Kierspe bei dem Brand der Sporthalle am Felderhof auf den Einsatz von Löschschaum verzichtete, ermöglichte sie nicht nur die Sicherstellung von DNA-Material, das zur Ermittlung des Täters führte (da die Inhaltsstoffe des Schaums Einweißverbindungen zerstören), sondern vielleicht auch eine Umweltkatastrophe, von der zu dieser Zeit noch kein Mensch etwas ahnte.

Denn in dem damals verwendeten Löschmittel befand sich PFT (Perfluorierte Tenside), das vor einigen Jahren für Aufsehen sorgte, als es über ausgebrachte Klärschlämme in die Möhne gelangte und schließlich in das Ruhrtrinkwasser.

PFT lagert sich im menschlichen Organismus ein und kann auf natürlichem Wege nicht abgebaut werden. Das ist besonders problematisch, da PFT im Verdacht steht, krebserregend zu ein. Vor allem die Leber und ungeborene Kinder sind besonders betroffen.

„Wir haben bei dem Sporthallenbrand kein Löschmittel eingesetzt, obwohl es sich nach dem Einsturz des Gebäudes angeboten hätte, mit diesem Mittel die Flammen zu ersticken. Verzichtet haben wir darauf, da wir das Wasser nicht unnötig belasten wollten“, erinnert sich Würth. Dass er damit vielleicht einen massiven PFT-Eintrag in die Kerspe und damit auch in die gleichnamige Talsperre verhindert hat, wurde erst mehr als zwei Jahre nach dem Brand deutlich. „Das Thema PFT im Löschschaum ist erstmals Ende 2008 aufgetaucht“, erinnert sich der Wehrleiter. Das ist auch der Zeitraum, in dem die Wuppertaler Stadtwerke für dieses Thema sensibilisiert wurden. „In einer unserer Fachzeitschriften gab es damals einen Artikel zu diesem Thema“, erinnert sich Friedrike Mürkens, die bei den Stadtwerken für die Schutzzonen-Überwachung für die Kerspe-Talsperre zuständig ist. Doch von diesen ersten Hinweisen bis zur genauen Klärung der Bedrohung des Trinkwassers durch den Schadstoff im Löschmittel dauerte es noch einige Zeit – und so wurden die Wehren, die für Gebiete zuständig sind, die in den Wasserschutzzonen zwei und drei liegen, erst vor einigen Monaten informiert.

„Da waren wir natürlich besonders erfreut, dass die Kiersper Wehr so schnell handelte, obwohl sie mit einer Sondergenehmigung ihr Löschmittel noch bis Mitte des kommenden Jahres hätten verwenden dürfen“, so Mürkens.

„Wir tragen in unserem Logo nicht umsonst den Begriff des Schützens. Darunter verstehen wir natürlich auch den Schutz der Umwelt. Außerdem weiß man letztlich nie, wie Gerichte in einem Schadensfall entscheiden“, so Würth, nach dessen Worten es aber bei Flüssigkeitsbränden keine Alternative zu dem Schaum gebe, und auch bei Fahrzeug- oder Containerbränden das Löschmittel die erste Wahl sei: „Sogar bei Bränden, bei denen größere Mengen Kunststoff betroffen sind, setzten wir geringe Mengen Schaummittel ein, um die Oberflächenspannung des Wassers zu brechen und so effektiver zu löschen.“

Insgesamt befand sich die Kiersper Wehr im Besitz von rund 2,5 Tonnen des mit PFT belasteten Mittels. Das ergaben Untersuchungen durch den Märkischen Kreis und einen externen Gutachter.

In Folge dessen mussten diese alten Bestände als Sondermüll entsorgt und rund eine Tonne Löschmittel angeschafft werden. Rund 16 000 Euro musste die Stadt dafür aufbringen. Dass es nicht noch mehr wurde, war dem Umstand zu verdanken, dass durch Änderungen in der Fahrzeugflotte deutlich weniger Löschmittel vorgehalten werden muss, als noch vor wenigen Jahren.

Doch was wäre gewesen, wenn es in den vergangenen Jahren zu einem größeren Eintrag von Löschschaum in die Kerspe und damit in die Talsperre gekommen wäre. „Dann hätten wir die Talsperre sofort vom Trinkwassernetz trennen müssen“, macht Mürkens klar, „eine Reinigung des belasteten Wassers wäre dann sehr aufwändig und teuer geworden. Denn nur mit Aktivkohlefiltern lässt sich das PFT vom Wasser trennen.“ Und nach Angaben von Fachleuten sind keine großen Mengen Löschmittel notwendig, um die Talsperre komplett zu kontaminieren. So würden bei der Kerspetalsperre, wenn sie vollständig gefüllt wäre, bereits 150 Kilogramm Löschmittel ausreichen. „Das ist die Menge, die bereits bei einem Fahrzeugbrand zum Einsatz kommt“, erklärt Würth. ▪ Johannes Becker

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare