Pferde leben auf Anlage  in Kierspe fast wie in der Steppe

Christina Funke freut sich, dass die Stallanlage auch den hohen LAG-Ansprüchen genügt. ▪

KIERSPE ▪ Der Reitstall in Berkenbaum ermöglicht in besonderer Weise artgerechte Pferdehaltung. Jetzt wurde die Anlage von der LAG ausgezeichnet.

Die Pferdenärrin weiß genau, was den Vierbeinern gut tut. „Es handelt sich um Herdentiere, die es gewohnt sind, sich täglich zu bewegen und dabei große Strecken zurückzulegen“, betont Christina Funke, die zusammen mit ihrem Vater Ernst-Willi Funke hinter dem Hotel in Berkenbaum einen Stall errichtet hat, der der Lebensweise der Steppenbewohner so weit wie möglich gerecht wird. Vergangene Woche wurde die Anlage als anerkannter LAG-Stall gleich sogar schon mit vier von fünf möglichen Sternen zertifiziert. Worüber die 24-Jährige sich riesig gefreut hat, wurden damit doch die intensiven Bemühungen während der letzten drei Jahre honoriert. Motiviert ergänzt sie: „Und den noch fehlenden fünften Stern bekommen wir auch noch, denn viel fehlte dazu auch diesmal schon nicht.“

Zwei Mitarbeiter der Laufstall-Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Pferdehaltung, die es seit 1989 gibt, erkannten die geschaffenen optimalen Bedingungen an, nachdem sie vier Stunden lang alles genau in Augenschein genommen hatten bis hin zum Erste Hilfe-Koffer für Pferde, der Umzäunung, der Weide, auf der die Tiere ständig Auslauf haben, und dem genauen Vermessen der Flächen. Die LAG-Vertreter gingen richtig ins Detail, was Christina Funke aber begrüßte.

Damit gehört auch die Kiersper Anlage nun zu den mittlerweile in mehreren deutschsprachigen Ländern wie Deutschland, Österreich und der Schweiz insgesamt 800 ausgezeichneten Ställen. Alle zwei Jahre kommen die Prüfer wieder, um festzustellen, ob die Bedingungen weiterhin erfüllt werden, sich Verbesserungen oder aber vielleicht Verschlechterungen eingestellt haben, die Anlass geben, die Zahl der Sterne neu festzusetzen.

Insgesamt stehen den Tieren mehr als 2000 Quadratmeter zur Verfügung. Die Fläche rund um den Unterstand verfügt über einen Sandbereich, Baumstämme fungieren als Raumteiler und dienen den Tieren zum Knabbern und es gibt frostsichere Selbsttränken. Der große Futterspender in der Mitte des Platzes ist überdacht und das Heu mit einem Netz abgedeckt und gesichert, so dass es nicht rundherum verteilt wird. Neben der Anlage befindet sich außerdem ein großer Reitplatz.

Lohn jahrelanger Arbeit

„Wir haben jahrelang darauf hingearbeitet und uns entschieden eine Mischung aus offenem Stall und Laufstall zu schaffen“, beschreibt die passionierte Reiterin, die regelmäßig an Turnieren im Westernstil teilnimmt, welche Konzeption hinter der Anlage steht. „Den Unterstand können die Tiere als Ruheraum und zum Trocknen nutzen“, erklärt Christina Funke. Dabei bedauert sie ein wenig, dass die sehr aufwändig gestaltete Holzkonstruktion von den Vierbeinern viel seltener als erwartet genutzt wird. Sie ziehen es stattdessen lieber vor, sich auch im Winter bei eisigen Temperaturen wie in der freien Wildbahn im Freien aufzuhalten, wodurch sie sich ein dickes Winterfell zulegen und natürlich widerstandsfähiger werden. „Die Pferde bleiben so gesund. Und wenn eines zu uns kommt, das krank oder sonst angeschlagen ist, wird es bei uns ganz schnell wieder fit“, lacht die junge Frau, meint es aber ernst, sie ist selbst davon überzeugt.

Derzeit sind auf der Anlage sechs Tiere untergebracht, darunter mit dem Fuchs Winnie, mit dem Christina Funke regelmäßig zu Wettkämpfen fährt, und dem Holsteiner Cassini, den sie mehr als Freizeitpferd nutzt, auch zwei eigene Tiere. Cassini hat sie vor einiger Zeit vor dem Abdecker gerettet. Die Erfolge, die die Pferdenärrin bei Turnieren verbucht, zeigen, dass die artgerechte Haltung auch für Sportpferde eine sinnvolle Alternative ist, auf jeden Fall aber keine Nachteile bringt. Darüber hinaus hat sie vier Pensionspferde untergebracht, weshalb noch einige Plätze frei sind. ▪ rh

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