Pfarrer Fröhlich wirbt für Demo gegen TTIP

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Pfarrer Reiner Fröhlich stellt sich gegen TTIP und fordert die Kiersper auf, am 10. Oktober in Berlin gegen das Freihandelsabkommen TTIP zu demonstrieren.

Kierspe - Der Kiersper Pfarrer Reiner Fröhlich stellt sich gegen TTIP und fordert die Kiersper auf, am 10. Oktober in Berlin gegen das Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa zu demonstrieren.

Entweder die Menschen sind für oder gegen das Freihandelsabkommen TTIP, das seit Jahren zwischen den USA und der EU verhandelt wird. Chlorhühnchen und Schiedsgerichte sind zum Synonym der Auseinandersetzung geworden. Doch viele Menschen haben sich nur am Rande mit dem Thema auseinandergesetzt. Das kann man Reiner Fröhlich nicht vorwerfen. Er hat sich gründlich eingelesen und ist zu einem überzeugten Kritiker geworden. Nun ruft der Pfarrer zur Teilnahme an einer Demonstration gegen das Abkommen auf, genau wie die evangelische Hilfsorganisation Brot für die Welt.

Fröhlich unterstützt Brot-für-die-Welt-Aktion

„Das Abkommen erklärt die Profite von Unternehmen und die Renditeerwartungen von Investoren zum höchsten Gut, dem sich alle anderen Rechte unterordnen müssen. Das widerspricht evangelischer Ethik...“, heißt es in einem Aufruf zur Demonstration am 10. Oktober in Berlin, den Brot für die Welt verbreitet. Eine Sicht der Dinge, die auch Pfarrer Fröhlich einnimmt. „Die Arbeitnehmerrechte, für die Gewerkschaften mehr als ein Jahrhundert gestritten haben, der Umwelt-, der Verbraucher- und auch der Gesundheitsschutz sind durch das Abkommen in Gefahr, weil sie nicht mehr Standard sondern Verhandlungsmasse sind“, formuliert es der Kiersper.

Politisches Handeln ist im Glauben verankert

Reiner Fröhlich eilt der Ruf voraus, gerne politische Standpunkte einzunehmen. Doch wer sich die Vita des 56-Jährigen anschaut, der sieht schnell, dass dieses politische Handeln in seinem Glauben verankert ist und aus seinem christlichen Selbstverständnis heraus geschieht.

Mit Bus und Bahn zur Demo

Um die Menschen nach Berlin zur Demonstration zu bringen, werden Sonderzüge, aber auch Busse eingesetzt. Der Bus des DGB fährt am 10. Oktober um 4.20 Uhr am Lüdenscheider Bahnhof ab. Eine Anmeldung ist Gewerkschaftsmitgliedern möglich unter Angabe von Name, Betrieb, Gewerkschaft, E-Mail und Mobilnummer beim DGB Hagen, Tel. 0 23 31/ 38 60 40 oder per E-Mail an hagen@dgb.de. Insgesamt werden auch fünf Sonderzüge an diesem Tag eingesetzt. Einer dieser Züge macht auch Station in Hagen, wo dieser um 4.15 Uhr abfährt. Eine Rückkehr in die Volmestadt ist für 0.19 Uhr am 11. Oktober geplant. Fahrkarten können im Internet unter http://ttip-demo.de/anreise/sonderzuegereserviert werden.

„Ich komme aus dem frommen Siegerland, da war die christliche Weltsicht noch in Ordnung. Erst als ich 1978 angefangen habe, Theologie zu studieren, habe ich gemerkt, dass die Welt nicht nur aus Gott und mir besteht“, erzählt er. In einer Studentengruppe, deren Mitglied er gewesen sei, habe man sich intensiv mit der Bibel und gerade auch mit dem Alten Testament beschäftigt. Als dann bei einem der Treffen das Thema „Gott hat uns die Welt anvertraut“ auf dem Programm gestanden habe, sei das der Impuls gewesen, sich stärker mit politischen Themen zu beschäftigen. „Schon die Propheten des Alten Testamentes standen oft im Widerspruch zu den Herrschenden“, so Fröhlich.

Engagiert in Anti-Atom-Bewegung

Ab 1979 engagierte sich der Theologe in der Anti-Atom-Bewegung. Erst als die rot-grüne Regierung den Atomausstieg beschloss, stellte er seine umfangreiche Literatur zu diesem Thema an die Seite – allerdings nicht zu weit weg, als hätte er geahnt, dass dieser Beschluss unter Schwarz-Gelb noch einmal infrage gestellt würde.

Auch Gerechtigkeit ein wichtiges Thema

Bereits in den 1980er-Jahren wurde ein zweites Thema für ihn immer wichtiger und ab Anfang der 2000er-Jahre auch beherrschend: die Gerechtigkeit. „Schon unter Kohl wurden die Arbeitnehmerrechte beschnitten und mit der Privatisierung der Staatsunternehmen begonnen. Ihren Höhepunkt fand diese neoliberale Politik mit der Agenda 2010 unter Schröder“, schildert er seinen Weg.

Theorien in Zusammenhang mit der Bibel gesetzt

Wie es für einen Pfarrer nicht anders sein kann, hat er sich intensiv in das Thema eingelesen, die verschiedenen Wirtschaftstheorien miteinander verglichen und sie in einen Zusammenhang mit der Bibel gesetzt. Fröhlich: „Denn auf die Bibel wurde ich mit meiner Ordination verpflichtet.“ Gerade im Alten Testament findet er seine Verpflichtung, den Menschen eine Stimme zu geben, die sonst nicht gehört werden.

Fröhlich erhebt Stimme gegen TTIP

Diese Stimme erhebt er nun gegen TTIP, in dem er eine Bedrohung von Rechten sieht, für die Menschen in Europa lange gekämpft hätten. „Brot für die Welt befürchtet aber auch, dass TTIP zur Blaupause für Handelsabkommen mit anderen Staaten oder Kontinenten werden könnte, die kaum etwas den wirtschaftlichen Interessen der USA oder der EU entgegensetzen können“, erklärt Fröhlich.

Broschüren erhältlich

Mit dieser Meinung steht Fröhlich nicht alleine da, das wird auch in den Broschüren deutlich, die es von Brot für die Welt zu diesem Thema gibt. Erhältlich sind diese bei dem evangelischen Pfarrer, der sie gerne an seiner Adresse, Fritz-Linde-Straße 42, herausgibt.

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