In Zukunft sind es 541 Kilometer weniger

Petra Crone am Rednerpult des Deutschen Bundestages. Die Kiersperin verlässt das Parlament nach der Wahl im Herbst. Insgesamt gehörte sie acht Jahre dem Bundestag an. - Fotos: Deutscher Bundestag, Lichtblick, Achim Melde

Kierspe - 541 Kilometer sind es nach Berlin – so weist es zumindest ein Schild aus, das an der Bushaltestelle vor dem Haus von Petra Crone in Hinterste Vornberg befestigt ist. Ein Nachbar hat es vor acht Jahren angebracht, als Crone erstmals in den Bundestag einzog. Ungezählte Male ist sie seitdem an dem Schild vorbeigefahren – auf ihrem Weg in Hauptstadt. In Zukunft wird die Zahl der Fahrten mit diesem Ziel aber sicher deutlich abnehmen, denn nach der nächsten Wahl endet ihre Dienstzeit im Parlament.

Wenn manch ein deutscher Politiker den Bundestag verlässt, könnte man meinen, er hätte schon seine Lehre im Parlament gemacht. So viele Jahre waren es bei Petra Crone nicht. Doch mit 67 Jahren hat sie nun genau das Alter erreicht, das ihre eigene Partei gemeinsam mit der CDU 2007 als Renteneintrittsalter vorgesehen hat. Doch daran macht sie ihre Entscheidung nicht fest. Für die Kiersperin war schon vor acht Jahren klar, dass es nur zwei Amtszeiten werden sollten.

Doch diese beiden Amtszeiten waren sicher nicht die langweiligsten in der deutschen Parlamentsgeschichte. Euro-Rettung, Griechenlandrettung, die Wahl von drei Bundespräsidenten, Russland-Sanktionen, Atomausstieg, die Morde des NSU, die Verschärfung der Überwachung in Zeiten der Terrorangst und der Zuzug vieler Flüchtlinge fielen in diese acht Jahre. Für Crone selbst teilte sich die Zeit in vier Jahre Opposition und vier Jahre Regierung. „Opposition ist immer Mist“, zitiert sie ihren Parteifreund Franz Müntefering auf die Frage nach den ersten vier Jahren. Doch diese Aussage schränkt sie ein, mit dem Hinweis, froh zu sein, beides erlebt zu haben. „Wir haben in der Oppositionszeit viele Themen bearbeitet und vieles vorbereitet, was wir dann später in der Regierung umsetzen konnten.“ Als Beispiel nennt sie die Familienpflegezeit und das Lohntransparenzgesetz, dass die SPD in der Opposition als Lohngerechtigkeitsgesetz erdacht habe. „Natürlich muss man in einer Koalition Kompromisse und Abstriche machen, aber eine gute Vorarbeit zahlt sich aus.“

In ihrer Zeit im Parlament arbeitete und arbeitet sie in den Ausschüssen „Ernährung und Landwirtschaft“ sowie „Familie, Senioren, Frauen und Jugend“ mit, hatte dort die Schwerpunkte „Wald, Forst und Jagd“ beziehungsweise „Seniorenpolitik, Pflege, Gleichstellung und demografischer Wandel“.

Letzteres Thema wurde auch deshalb zu ihrem Schwerpunkt, weil sie von Franz Müntefering das „Amt“ der Demografiepolitischen Sprecherin übernahm.

Doch die eigentliche Arbeit fand für Crone auch und gerade außerhalb des Parlaments statt. Mit drei Büros – in Berlin, Lüdenscheid und Olpe – zeigt sie Präsenz und war auch gerade im Kreis Olpe viel unterwegs, obwohl klar war, dass es dort für einen SPD-Politiker nicht viel zu holen gibt. „Meine Aufgabe ist es, mich um alle Menschen im Wahlkreis zu kümmern, egal wen diese wählen“, sagt sie und erzählt begeistert, wie sich das Verhältnis gerade zu den Waldbauern mit den Jahren gewandelt habe. „Wenn ich dort heute eine Versammlung einberufe, dann ist diese immer sehr gut besucht.“

Doch auch in Berlin hat Crone vieles erlebt, das sie heute nicht mehr missen möchte. Gleich drei Bundesversammlungen hat sie miterlebt, „die immer sehr beeindruckend waren.“ Bei der, in der Joachim Gauck gewählt wurde, saß sie als Schriftführerin neben dem Bundestagspräsidenten Norbert Lammert. „Da gratulierte mir ein Kiersper dazu, dass ich ja mittlerweile Vizepräsident sei“, erinnert sie sich schmunzelnd. Getrübt wurde die letzte Wahl von dem Verhalten des „AfD-Blocks“ in der Bundesversammlung. „Das war schon beängstigend, diese Menschen in ihrer ablehnenden Haltung zu erleben.“

Doch schnell kommt sie wieder auf andere Themen zu sprechen, erinnert sich an die Debatte über die Sterbehilfe, die sie als „sehr würdevoll und beeindruckend“ empfand. Überhaupt habe die Arbeit immer dann besonderen Spaß gemacht, wenn sie über die Fraktionsgrenzen hinausgegangen sei – meist bei fachlichen Auseinandersetzungen in den Ausschüssen. Diese Arbeit, so vermutet sie, werde ihr besonders fehlen – und der enge Kontakt zu ihren Mitarbeitern.

Für die Zeit nach dem Bundestag hat sie noch nicht viel geplant. „Es ist unverzichtbar, dass wir uns für Europa und die Demokratie einsetzen. Da sehe ich auch eine persönliche Aufgabe ab Herbst.“ Außerdem bleibt ja durch ihre Mitgliedschaft im Bundesvorstand der SPD noch eine Verbindung nach Berlin.

Vor Ort strebt sie zumindest kein politisches Amt mehr an – „wobei ich natürlich im Ortsverein weiter mitarbeiten werde.“

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