Petra Crone diskutiert mit Volksbankdirektoren über Bankenregulierung

Die zwei Volksbankdirektoren Stephan Böhse und Stephan Baldschun diskutierten mit der Bundestagsabgeordneten Petra Crone über die Bankenregulierung. - Foto Haase

KIERSPE - „Volks- und Raiffeisenbanken haben sich gerade in Zeiten großer struktureller wirtschaftlicher Veränderungen als innovative und stabile Unternehmensformen erwiesen. Nicht ohne Grund ist auch die Volksbank Kierspe im Vergleich zu anderen Finanzinstituten besser durch die Krise gekommen“, erklärte die Bundestagsabgeordnete Petra Crone, als sie sich jetzt mit den zwei Vorständen der Volksbank Kierspe, Stephan Böhse und Stephan Baldschun, zum Gespräch traf.

Von Rolf Haase

Konkret andiskutiert wurde dabei auch die Bankenregulierung, durch die Krisen wie auf dem Finanzmarkt im Jahr 2008 vermieden werden sollen, die aber aus Sicht der beiden Banker mittlerweile zu einer Schieflage führt, weil kleine Gebilde wie die Volksbank Kierspe an ihre Grenzen stoßen. So beschäftigt Basel III, die ab dem Jahr 2018 kommenden verschärften Eigenkapitalvorschriften des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, die Volksbank schon jetzt. Sie muss Vorbereitungen treffen, um die neuen Anforderungen zu erfüllen. Trotzdem waren sich alle drei einig, dass Risikogeschäfte, welche sich in der Regel außerhalb des originären Kundengeschäfts einer Bank befinden, eingedämmt und reguliert werden müssen.

Bereits 2010 hatte die Volksbank in einem ersten Gespräch mit der SPD-Abgeordneten an die Bundespolitik appelliert, bei der Regulierung zwischen den verschieden Bankenformen und Bankengrößen differenzierter vorzugehen. Während andere Banken in der Finanzkrise kein funktionierendes Geschäftsmodell hätten aufweisen können, hätten die Genossenschaftsbanken deutliche Zuwächse im Einlagen- und Kreditgeschäft verzeichnet. Und aus ihrer Sicht ganz wesentlich: Genossenschaftsbanken würden nicht mit Steuermitteln gestützt und künstlich am Leben gehalten, wie es bei Großbanken immer wieder passiere. Trotz dieser Erfolge seien Genossenschaftsbanken von der nationalen und internationalen Regulierung extrem betroffen. Immer neue umfangreiche aufsichtsrechtliche Anforderungen kämen hinzu. „So mehr als 1 500 Seiten neuer Regeln und 70 neue Standards durch Basel III und die europäische Bankenaufsicht. Das ist für ein Haus unserer Größenordnung deutlich zu viel“, beschwerte sich Stephan Böhse über die Entwicklung.

Ein deutliches Problem ist aus seiner Sicht und auch der seinen Kollegen Stephan Baldschun die Bankenregulierung auf europäischer Ebene: In Brüssel sei die Form der Genossenschaft nach wie vor weitgehend unbekannt und werde daher bei der Gesetzgebung nicht ausreichend berücksichtigt. „Aus Sicht unserer Volksbank ist das ein unerträglicher Zustand“, stellte Böhse gegenüber Petra Crone fest und fuhr fort: „Volksbanken und Raiffeisenbanken, die ohne Probleme durch die von Großbanken ausgelöste weltweite Finanzkrise gekommen sind, sollen durch neue Regelwerke sicherer gemacht werden. Das ist nicht nachvollziehbar.“

Um den Trend der immer stärkeren Regulierung entgegenzutreten, hat die Volksbank jüngst eine eigene Beratungsgesellschaft, die Geno Guide, gegründet. Damit wurden Kapazitäten geschaffen, die nicht direkt dem Bankkunden zu Gute kommen, sondern notwendig sind, um die gewachsenen Anforderungen im Bereich Aufsichtsrecht abbilden zu können. „Damit sind wesentliche Prinzipien der genossenschaftlichen Ortsbank ad absurdum geführt“, erklärten die beiden Bankvorstände Baldschun und Böhse.

Zeitgleich mit den aufsichtsrechtlichen Regelungen seien Regelungen zum Verbraucherschutz hinzugekommen, die undifferenziert betrachtet würden. Beispielhaft könne hier das Thema Gebühren für Fremdabhebungen genannt werden: So stelle selbst das Kartellamt fest, dass besonders im ländlichen Raum oft nur noch Kreditgenossenschaften oder Sparkassen Geldautomaten unterhielten. Privatbanken hätten sich zurückgezogen und zögen sich aus Kostengründen auch noch weiter zurück. Ihnen das dichte und damit kostenintensive Automatennetz zugänglich machen zu wollen, zeugt nach Ansicht der zwei Banker von einem merkwürdigen Verständnis von Marktwirtschaft.

Baldschun und Böhse erkennen im aktuellen Verbraucherschutz und der Umsetzung der aufsichtsrechtlichen Regulierungsvorgaben eine Bedrohung für die kleinteilige Struktur der Genossenschaftsbanken. So forderten die beiden Vorstände vehement: „Die dauerhafte Alimentierung der Großbanken mit Steuergeldern muss aufhören und es muss möglich werden, dass Wettbewerber vom Markt genommen und abgewickelt werden. Nur so lässt sich Stabilität im Bankensektor erreichen, nicht mit neuer und mehr Regulierung.“

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