Sozialhilfe für 70 Prozent notwendig

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Der Leiter des Awo-Seniorenzentrums Michael Borchert hofft, dass auch in Kierspe möglichst viele die Petition „Eigenanteil bei stationärer Pflege begrenzen“ an den Deutschen Bundestag unterzeichnen.

Kierspe - Insgesamt 89 Bewohner zählte das Awo-Seniorenzentrum am Haunerbusch im vergangenen Jahr. Und bei 70 Prozent davon reichen die Rente und eventuell vorhandenes Privatvermögen nicht aus, um die Kosten tragen, den Eigenanteil, der fast immer auch reine Pflegekosten enthält, bezahlen zu können – sie sind auf Sozialhilfe angewiesen.

„Da stecken Schicksale dahinter“, weiß Michael Borchert, Leiter des Seniorenzentrums in Kierspe. Das soll sich ändern, die Pflegeversicherung soll neu aufgestellt werden. Aus diesem Grund hat die Arbeiterwohlfahrt (Awo) die Petition „Eigenanteil bei stationärer Pflege begrenzen“ eingebracht, die auch von der Kiersper Einrichtung unterstützt wird. Im Seniorenzentrum liegt in der Verwaltung eine Unterschriftenliste aus, die jeder unterzeichnen kann. Insgesamt sind 50 000 Unterschriften bis Mitte März notwendig, damit sich der Bundestag mit der Petition beschäftigt.

Der Hintergrund

Menschen, die zumeist ein Leben lang gearbeitet haben, sind plötzlich auf Sozialhilfe angewiesen, weil ihre Rente bei Weitem nicht ausreicht, um den Eigenanteil in einem Pflegeheim zu decken. Dabei werden zuerst Ersparnisse des Betroffenen herangezogen und auch, wenn vorhanden, das Haus verkauft – obwohl dort vielleicht noch der Lebenspartner wohnt und lebt.

Dies trifft die Betroffenen und ihre Angehörigen oft genug unerwartet und stellt eine schwierige und entwürdigende Situation dar. Michael Borchert weist zudem darauf hin, dass es letztlich egal ist, ob die Kosten durch die Sozialhilfe oder durch die Pflegeversicherung getragen werden. Es werde in beiden Fällen von der Allgemeinheit bezahlt. Der Leiter des Awo-Seniorenzentrums kennt natürlich die Zahlen – die natürlich nicht für andere Einrichtungen gelten, dort sehen sie anders aus.

Die Kosten

Im Haus am Haunerbusch kostet ein Platz im Pflegegrad 5 insgesamt 2898,42 Euro. Davon übernimmt die Pflegeversicherung 2005 Euro, 893,42 Euro beträgt der Eigenanteil bei den Pflegekosten. Hinzu kommen aber noch 963,40 Euro für Unterkunft, Verpflegung et cetera und 367,78 Euro Investitionskosten.

Für einen Pflegeplatz im höchsten Pflegegrad sind im Seniorenzentrum von der betroffenen Person mehr als 2200 Euro an Eigenanteil aufzubringen. Um dies durch die Rente decken, bezahlen zu können, muss sie schon sehr hoch sein. Bekanntlich liegt die Rentenhöhe meistens unter 2000 Euro. Wenn dann keine Ersparnisse oder ein eigenes Haus vorhanden sind, ist sofort ein Sozialhilfe-Antrag notwendig.

Selbst wenn es sehr gut verdienende Angehörige gibt, weiß Michael Borchert, stellen für sie Zahlungen von mehreren Hundert Euro ein Problem dar, weil sie ihr Leben entsprechend eingerichtet und beispielsweise schon Zahlungen für ein etwas bessere Haus zu leisten haben. Letzteres gelte natürlich für die Angehörigen der 30 Prozent der Bewohner, die sehr gut verdienen und Beiträge zum Eigenanteil der zu Pflegenden beisteuern. Zu dem knappen Drittel der Menschen, die im vergangenen Jahr am Haunerbusch gepflegt wurden, gehören auch solche, die über eine „Bomben-Rente“, wie es der Einrichtungsleiter ausdrückt, verfügen und die Kosten dadurch tragen können. 

Ziel der Petition

Ziel der Petition der Arbeiterwohlfahrt ist es aber, dass die Höhe des Eigenanteils gedeckelt, ein Höchstbetrag gesetzlich festgelegt wird. „Wir wollen, dass steigende Pflegekosten aus Mitteln der Pflegeversicherung getragen werden, denn dafür wurde sie eingeführt und dafür zahlen Menschen ihre Beiträge“, erklärte Awo-Geschäftsführer Uwe Hildebrandt zum Petitionsantrag an den Deutschen Bundestag.

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