Peter Christian Schröder will für die Kommunen im Bund kämpfen

Die knapp bemessene Freizeit verbringt Peter Christian Schröder gerne mit seinem Hund Otto. Doch in den vergangenen Wochen musste auch der Golden Retriever öfter mit Geduld auf seinen „Chef“ warten, der für die Freien Wähler im Wahlkampf ist. -  Foto: Becker

KIERSPE - „Wir wollen auch oben Politik für die Kommunen machen“, erklärt Peter Christian Schröder seinen Antrieb, als Bundestagskandidat für die Freien Wähler anzutreten. Die Kandidatur im Wahlkreis 149 Olpe-Märkischer Kreis stellt den bisherigen Höhepunkt eines politisch bewegten Lebens dar.

„Wir sind eine gute politische Alternative in Deutschland“, da ist sich Peter Christian Schröder sicher. In den Freien Wählern sieht er eine Chance für die Kommunen, das Land und jetzt auch für den Bund: „Wir sind nicht durch ideologisches Denken gehemmt, sondern agieren pragmatisch und bürgernah. Viel zu viele Entscheidungen werden in der Politik aus emotionalen und ideologischen Gesichtspunkten getroffen. Dabei sollten sich Politiker viel stärker von rationalen Überlegungen, Fakten und der Erforschung von Grundlagen leiten lassen.“ Sachbezogen nennen die Freien Wähler, die erstmals als Bundesvereinigung beim Bundestagswahlkampf antreten, diese Politik und stellen dieses Schlagwort gleichberechtigt neben Unabhängig und Bürgernah.

Dass Schröder einmal dieser Partei, die vor allem durch das Engagement bei der letzten Bayern-Wahl bekannt wurde, angehören würde, war bei seiner politischen Sozialisierung nicht abzusehen. Christlich und konservativ war der Kiersper schon in seiner Jugend. 1980 trat Schröder in die CDU ein, 1984 wurde der heute 48-Jährige sachkundiger Bürger und gründete ein Jahr später die Junge Union in seiner Heimatstadt, damals unterstützt von Cornelia Yzer, die heute Wirtschaftssenatorin in Berlin ist. 1989 wurde Schröder CDU-Ratsmitglied – bis 1992, in diesem Jahr trat er aus der Partei aus: „Mir war die Politik der CDU zu statisch geworden, ich stimmte auch mit vielen Inhalten nicht mehr überein.“

In den kommenden Jahren verließ Schröder seine Heimatstadt, um beruflich in Iserlohn seiner Aufgabe als Büroleiter eines Wirtschaftsberatungsunternehmens nachzukommen. Nach dem Besuch der Pestalozzischule und dem Ablegen des Abiturs am Berufskolleg in Halver hatte der Kiersper zuerst ein Wirtschaftsstudium in Siegen begonnen und wenige Jahre später nebenher bei der Wirtschaftsberatung gearbeitet. Als er dort Karriere machen konnte, brach er das Studium ab, arbeitet in Dortmund, Münster und später in leitender Funktion in Iserlohn.

Dort kam er auch zu seinem heutigen Beruf als Kommunikationsberater. „Ich habe damals gemerkt, dass viele Kunden auch in diesem Bereich Beratungsbedarf haben“, erinnert sich Schröder, der heute Konzepte zur Außendarstellung von Firmen erstellt, Web- und Grafikdesign entwickelt oder seinen Kunden bei der Organisationsoptimierung behilflich ist.

Mit dieser beruflichen Ausrichtung war Iserlohn als Wohnort nicht mehr notwendig. Seit 1996 wohnt der Kandidat nun wieder am Haunerbusch, wo er ans elterliche Haus angebaut hat. Dort entstand auch wieder der Wunsch, sich politisch zu engagieren. 2004 wurde er wieder als sachkundiger Bürger für die CDU tätig, in die er auch wieder eingetreten war. „Mein Ziel war es, Kierspe auf kommunaler Ebene nach vorne zu bringen.“

Doch diese neue Liebe zur alten Partei sollte nicht von Dauer sein. 2006 gab es die erste Vorstellung der Planungen für das Baugebiet „Östlich Rathaus“ und Peter Christian Schröder war von Anfang an dagegen, fand in der CDU für diese Position aber kein Verständnis. Ende 2006 organisierte er mit Mitstreitern eine Informationsveranstaltung zu dem Thema, an der mehr als 100 Kiersper teilnahmen – und aus der die 2007 gegründete Bürgerinitiative Pro Kierspe entstand. „Unser Ziel war es damals, überparteilich tätig zu werden und nicht nur gegen das Baugebiet sondern für ganz Kierspe“, so Schröder rückblickend. Doch schon schnell sei klar geworden, dass man sich auch politisch engagieren wolle. Und so wurde 2008 ein zweiter Verein unter dem gleichen Namen gegründet, um bei der Kommunalwahl antreten zu können. Ein erneuter Austritt aus der CDU war da natürlich unvermeidlich.

Bei der Kommunalwahl 2009 bekam Pro Kierspe 7,54 Prozent der Stimmen und damit drei Sitze im Rat. Schröder selbst übernahm den Vorsitz und auch den Fraktionsvorsitz der Wählergemeinschaft. Mit diesem Ergebnis hatten sich vor allem die Vorstandsmitglieder von Pro Kierspe nicht nur politisches Gehör verschafft, sondern auch viel Arbeit, da alle Ausschüsse besetzt werden mussten und auch je ein Sitz im Aufsichtsrat der Bäderbetriebe, der Kindergartenbau und Bewirtschaftungsgesellschaft, dem Sparkassenzweckverband und der Immobilien- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft.

„Doch letztlich reicht es nicht, nur kommunalpolitisch zu arbeiten, denn die finanziellen Vorgaben für Städte und Gemeinden kommen vom Land und vom Bund. Das beklagen auch die etablierten Parteien, tun aber nichts. Will man wirklich etwas gegen die desolate Finanzsituation der Kommunen unternehmen, muss man die Gesetze auf Landes- und Bundesebene ändern“, erklärt Schröder einen der Gründe für die Umbenennung der Freien Wähler und den Beitritt des Pro-Kierspe-Vorstandes in diese Vereinigung. „Ein anderer war sicher auch, dass wir den Namen loswerden wollten, um uns nicht bei jedem Telefongespräch außerhalb des Kreises erklären zu müssen. Es wurde einfach immer eine Verbindung zu Pro Köln und Pro NRW hergestellt, mit deren politischen Zielen wir gar nichts am Hut haben.“

Bei den Freien Wählern ging es schnell bergauf mit Schröder. Bereits auf der ersten Versammlung der Landesvereinigung wurde der Kiersper in den Vorstand berufen und bei der Wahlkreisversammlung im April dieses Jahres zum Bundestagskandidaten – auf Platz fünf der Landesliste. Würden die Freien Wähler bundesweit mehr als fünf Prozent der abgegebenen Stimmen bekommen, würde das den sicheren Einzug ins Parlament bedeuten.

Doch bei der dünnen Personaldecke und unter den Vorzeichen des Abschneidens bei der Landtagswahl, bleibt dies wohl eher Wunsch. Das ist Schröder auch bewusst, er sieht sich auch eher am Anfang eines langen Weges, sieht aber auch ein großes Potenzial. „Wenn man sich alleine anschaut, wie viele Unabhängige Wählergemeinschaften es in den Kommunen der Republik gibt, dann wird deutlich, welche Chancen eine Partei wie die Freien Wähler hat.“

Doch auch wenn die Chancen, in den Bundestag einzuziehen, gering sind, kämpfen will Schröder für seine Ziele trotzdem. Jenseits der Belange der Kommunen sieht er ein Hauptthema im Euro: „Wir nehmen viel Geld für die Rettung maroder Staaten in die Hand und müssen uns dann auch noch beschimpfen lassen. Dabei hat diese Politik bereits jetzt eklatante Nachteile für Deutschland. So wird das niedrige Zinsniveau allein in diesem Jahr Sparvermögen in Höhe von 14 Milliarden Euro vernichten. Doch auch bei den Finanzen für die Gemeinden muss sich etwas ändern. Wir brauchen ein Gemeindefinanzierungsverfahren, das den Namen verdient. Der kommunale Stärkungspakt versagt vollkommen und nützt nur den Banken, weil er die Städte und Gemeinden in die Lage versetzt, ihre Kredite zu bedienen. Wer an solchen Zuständen etwas ändern möchte, der muss die Freien Wähler wählen.“ - Johannes Becker

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