Mehr ausgeschüttet als „eingenommen“

Die Sparkassenvorstände Wolfgang Opitz (links) und Roman Kappius (rechts) verabschiedeten Peter Baran (Zweiter von rechts), der die Sparkassenstiftung seit 19 Jahren führte. Diese Aufgabe übernimmt nun Dominik Rode.

KIERSPE ▪ Rund 400.000 Euro hat die Sparkassenstiftung in 19 Jahren an Vereine, Schulen und andere Einrichtungen ausgeschüttet, um damit Projekte zu fördern, die sonst nicht finanzierbar gewesen wären.

Zuständig für die Stiftung war in all den Jahren Peter Baran, der jetzt seinen letzten Arbeitstag bei der Sparkasse hatte. Ein Nachfolger ist längst gefunden. Doch der wird es wohl schwerer haben, die Wünsche, die an die Stiftung herangetragen werden, zu erfüllen.

Als die Sparkassen Kierspe und Meinerzhagen fusionierten, gab es ein leichtes Ungleichgewicht beim Eigenkapital. Die damals verantwortlichen Kiersper Politiker entschieden sich aber dagegen, dieses Geld in den allgemeinen Haushalt der Stadt einfließen zu lassen. Stattdessen sprachen sie sich dafür aus, die umgerechnet 380 000 Euro in eine Stiftung einzubringen, mit der Projekte in Kierspe gefördert werden sollen.

Und Peter Baran hat in all den Jahren gut gewirtschaftet. Trotz der Verpflichtung, nur sichere Geldanlagen für die Anlage des Stiftungskapitals zu verwenden, ist es ihm gelungen, in den 19 Jahren, in denen die Sparkassenstiftung existiert, rund 400 000 Euro auszuschütten.

Ehrliche Freude

beim Empfänger

Wenn auch die Sparkassenstiftung nur einen kleinen Teil der Arbeit von Peter Baran, der Leiter der Abteilung Betriebswirtschaft und Controlling war, ausmachte, hat ihm diese Arbeit immer besonders viel Freude gemacht. Baran: „Es macht einfach viel Spaß, wenn man bei der Überbringung der Förderzusage die ehrliche Freude sieht und genau weiß, dass es diese Projekte nicht gegeben hätte, wenn nicht die Sparkassenstiftung Geld zur Verfügung gestellt hätte.

Doch auch wenn Baran alle Anträge sammelte und klärte, ob diese auch dem Stiftungszweck entsprachen, über die Vergabe haben andere entschieden. Zu diesem Zweck kamen in den 19 Jahren die Mitglieder des Stiftungskuratoriums 36 mal zusammen, um über 170 Förderanträge zu entscheiden.

Viel Geld für Schulen

und Vereine

Die Bilanz kann sich sehen lassen: Kiersper Sportvereine erhielten beispielsweise rund 90 000 Euro, Schulen und Kindergärten mehr als 100 000 Euro, Musik-, Heimat und sonstige gemeinnützige Vereine etwa 150 000 Euro. Mehr als 50 000 Euro gingen an die Kirchengemeinden, meist um diese bei der Erhaltung der Gebäude zu unterstützen oder der Instandsetzung der Orgeln. Aber auch das DRK Kierspe profitierte von der Stiftung. Und die Bläserklassen würden wohl auch nicht existieren, wenn das Geld der Stiftung nicht zur Verfügung gestanden hätte. „Besonders bemerkenswert ist, dass in all den Jahren nur einstimmige Beschlüsse im Kuratorium gefasst wurden“, freut sich Baran, der betont, dass diese Arbeit immer ehrenamtlich erledigt worden sei und es nicht einmal eine Aufwandsentschädigung gegeben habe.

Das Kuratorium hatte sich bereits im Rahmen seiner letzten Sitzung von Baran verabschiedet. So war es nun an dem Sparkassenvorstand Wolfgang Opitz, sich bei Baran für die geleistete Arbeit zu bedanken: „Wir danken Peter Baran nicht nur für die geleistete Arbeit, sondern auch und gerade für das hohe persönliche Engagement. Er war maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir in den vergangenen 19 Jahren so viel Gutes für die Stadt Kierspe erreichen konnten.“

Nachfolger

steht fest

Einen Nachfolger für Baran gibt es natürlich auch schon. In Zukunft zeichnet Dominik Rode für die Stiftung verantwortlich. Baran: „Für die Stiftung ist es sicher auch gut, dass Dominik Rode in Kierspe aufgewachsen und verwurzelt ist.“

Rode ist damit auch der Ansprechpartner für die Vereine und Institutionen, die für ihre Projekte Unterstützung von der Sparkassenstiftung erhalten möchten. Baran: „In der Regel reicht ein einfaches, formloses Anschreiben für den ersten Kontakt aus.“ Allerdings wird Rode es wohl schwerer haben, all die Wünsche, die an ihn herangetragen werden, zu erfüllen. Denn von den fallenden Zinsen ist auch das Stiftungskapital betroffen. Auch wenn Vermögensteile langfristig zu guten Konditionen angelegt wurden – an Erträge, wie sie noch in den 1990er Jahren möglich waren, ist derzeit nicht zu denken.

So gerne Peter Baran auch seinen Beruf ausgeübt und sich um die Stiftung gekümmert hat, jetzt freut sich der 58-Jährige auf seinen Ruhestand, wenn dieser sich auch erst einmal passiver Teil der Altersteilzeit nennt.

1974 begann Baran als Auszubildender bei der damaligen Sparkasse Kierspe. Nach erfolgreichem Abschluss war er zunächst im Kundenbereich tätig, bevor er 1980 ins Rechnungswesen wechselte. In dieser Zeit besuchte er den Sparkassenfachlehrgang der Westfälisch-Lippischen Sparkassenakademie in Münster, den er 1981 als Sparkassen-Betriebswirt abschloss.

Mit der Fusion der Sparkassen Kierspe und Meinerzhagen 1992 übernahm er die Leitung der Abteilung Betriebswirtschaft und Controlling. „Ich fühle mich ein bisschen wie ein Aussteiger. Ich will jetzt vor allem das Leben ein wenig mehr genießen. In der Vergangenheit kam die Familie doch manchmal ein wenig zu kurz. Jetzt möchte ich gerne mehr Zeit mit meinen Angehörigen verbringen“, so Baran, der sich auch um das eigene Haus und den Garten verstärkt kümmern möchte.

Der scheidende Sparkassenmitarbeiter möchte aber auch ein Hobby wieder aufnehmen, das er einige Jahre hat ruhen lassen: „Ich habe viele Jahre Turnierschach gespielt. Diesen Sport möchte ich jetzt wieder ausüben.“

Mehr Stiftungen

wünschenswert

Peter Baran wünscht sich die Gründung vieler weiterer Stiftungen: „Nicht nur wegen der großen Freude, die bei den Nutznießern ausgelöst wird. Auch der Stifter initiiert etwas, das weit in die Zukunft wirkt. Und bei unserer Stiftung kommt noch hinzu, dass es eigentlich nie um einen Zuschuss ging, sondern meist um die grundsätzliche Realisierbarkeit. Gäbe es die Sparkassenstiftung nicht, könnten viele Projekte, die für Kierspe wichtig sind, gar nicht umgesetzt werden. Vor allem bei der Jugendarbeit würde ein wichtiger Geldgeber fehlen.“ ▪ Johannes Becker

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