Residenz: Lührmann verlässt Betreibergesellschaft

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Nach Monaten der Unruhe hofft die Residenzleiterin Sabine Troschinski nun, sich wieder ganz der Pflege und Versorgung der Bewohner widmen zu können.

Kierspe - „Jetzt kann ich mich endlich wieder um das eigentliche Geschäft kümmern, die Pflege und Versorgung der Patienten. Das war lange nicht möglich“, erklärt Sabine Troschinski, Leiterin der Seniorenresidenz Kierspe. Zwischenzeitlich war ihr gekündigt worden, ein Gesellschafter gab seine Anteile an der Residenz auf und die Stadt möchte auch nicht mehr mit Dr. Lutz-Peter Lührmann zusammenarbeiten.

Von Johannes Becker

Als die Seniorenresidenz vor einigen Jahren gegründet wurde, stand vor allem Lutz-Peter Lührmann im Vordergrund. Er präsentierte sich als ärztlicher Leiter und Gesellschafter des Hauses, gerne im weißen Kittel und mit Stethoskop in der Brusttasche. Von seinen Mitgesellschaftern, die mit ihm die Einrichtung an der Montignyallee errichteten, war selten die Rede. Das wird sich wohl jetzt ändern.

„Es gab sehr unschöne Vorkommnisse. Und Dr. Lührmann wollte, dass ich mich an seiner Art der Geschäftsführung beteilige. Das wollte ich aber nicht, weil ich das für unmöglich und ungesetzlich hielt“, drückt sich Troschinski vorsichtig aus.

In der Konsequenz wurde der Residenz-Leiterin gekündigt. Für acht Wochen war die Stelle neu besetzt wurden. Danach wurde die „alte“ Leiterin, die seit vielen Jahren in verantwortlicher Position in der Pflege arbeitet, wieder eingesetzt. In den Wochen ihrer Abwesenheit hat sich aber auch vieles verändert. Die beiden Gesellschafter Christoph Siebold und Ulrich Scheer haben sich in dieser Zeit von dem dritten Gesellschafter Lutz-Peter Lührmann getrennt – mit offizieller Wirkung zum 1. Juli.

Auch bei den anderen Pflegeheimen, die gemeinsam betrieben wurden, kam es zu einer vollständigen geschäftlichen Trennung. Die Betreibergesellschaft in Kierspe hat einen neuen Namen bekommen und bereits in Kürze soll das Familienwappen Lührmanns, das jetzt noch an einer Wand der Residenz prangt, überstrichen werden. Sicher nur ein Symbol, das aber verdeutlicht, dass man mit Lührmann nichts mehr zu tun haben möchte.

Dieser hatte in der Zwischenzeit auch an anderen Baustellen seines Lebens zu arbeiten. Er musste sich in staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen rechtfertigen. Dabei ging es um den Vorwurf des Abrechnungsbetruges. „Das hat mir eine Pflegedienstleitung aus einer anderen Einrichtung angehängt, die sich an mir rächen wollte. Da ich ein langwieriges Verfahren verhindern wollte und es sich um sehr komplizierte Sachverhalte handelt, mit denen die Staatsanwaltschaft dabei zu tun hatte, habe ich einen Strafbefehl akzeptiert. Ich habe mir aber nichts vorzuwerfen“, erklärt Lührmann im Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung.

Und auch zum Rauswurf von Troschinski nimmt er Stellung: „Ich hatte Probleme mit der Residenzleitung. Frau Troschinski hat sich mir gegenüber nicht loyal verhalten. Ich hätte sie auch nicht wieder eingestellt, doch die anderen Gesellschafter wollten sie behalten, um die Kontinuität im Haus sicherzustellen. Wobei ich betonen möchte, dass sich die Kündigung nur auf das persönliche Verhältnis bezog und nicht auf die fachliche Qualität.“

Ursprünglich hatte Lührmann vor, in unmittelbarer Nähe der Residenz auch noch ein Gebäude für seniorengerechtes Wohnen zu bauen. Die Pläne waren bereits vorgestellt, der Vertrag mit der Stadt geschlossen und die Baugenehmigung erteilt. „Durch den Tod des Projektentwicklers ist das alles ins Stocken geraten. Und ich habe mittlerweile sowieso nichts mehr damit zu tun, da ich in Kierspe nicht mehr aktiv bin “, erklärt Lührmann. Klaus Müller, Geschäftsführer der Grundstücksentwicklung-Gesellschaft (GGE) sieht das etwas anders: „Nach dem Tod des Projektentwicklers hat Lührmann diese Arbeit übernommen. Als es dann aber zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten kam, haben wir den Verkauf rückgängig gemacht, damit die Fläche nicht zur Insolvenzmasse wird. Später wollte Lührmann eigentlich einen neuen Projektträger suchen und sich dann melden. Doch auf diesen Anruf warten wir noch immer.“

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