Nach Brandschaden: Erfolgreicher Neustart der Firma Peripherie-Technik Vonnahme

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Die Produktion läuft. Allerdings gibt es derzeit erst einen voll ausgerüsteten Montageplatz, ein zweiter folgt in Kürze. In der alten Halle standen von diesen Plätzen gleich vier Stück zur Verfügung.

Kierspe - Letztlich dauerte es nicht einmal wenige Stunden, bis von allem, was in rund 30 Jahren aufgebaut wurde, nichts mehr übrig war.

Nichts mehr übrig – so stimmt das nicht ganz. Denn nach dem Brand des Unternehmens Peripherie-Technik Vonnahme gab es noch das Know-how der Mitarbeiter, Kunden, die an das Unternehmen glaubten, und einen Teil der Daten. Heute, sechs Monate nach dem Brand, gibt es auch wieder einen funktionierenden und produzierenden Betrieb.

„Jetzt können wir unseren Kunden wieder das bieten, wofür das Unternehmen seit 30 Jahren steht“, freut sich Oliver Sinn. Daran gezweifelt, dass es einmal so kommen würde, hat er nie – aber er weiß auch, wie viele Menschen ihm auf dem Weg geholfen haben.

Rückblick: Es war kurz vor 6 Uhr morgens am 17. Juni 2019, als die Feuerwehr alarmiert wurde, weil es im Industriegebiet In der Helle brannte. Ein technischer Defekt hatte das Feuer ausgelöst, bei dem das ganze Unternehmen verbrannte. „Unser Glück war, dass die Feuerwehr sofort erkannte, worauf es ankommt und den Server gerettet hat. Dadurch konnten wir sofort alle Kunden informieren“, erinnert sich Geschäftsführer und Inhaber Oliver Sinn. Problematisch war, dass nicht nur die eigene Firma in Schutt und Asche lag, sondern auch fast abgearbeitete Kundenaufträge. Vor allem diese Kunden mussten schnell informiert werden, dass sie mit einer Lieferung in naher Zukunft nicht rechnen könnten. „Aber wir haben keinen dieser Auftrage verloren“, freut sich Sinn.

Und nicht nur das, kurz nach dem Brand bekam der Unternehmer einen Großauftrag von einer Kiersper Firma. Sinn: „Wir haben so viel Hilfsbereitschaft erfahren, vom ersten Tag an. Das fängt mit Feuerwehr und DRK an, geht über die Kiersper Firmen weiter, die uns Lagerraum, Produktionsmöglichkeiten und Unterstützung anboten, bis hin zu den Kunden, die viel Verständnis hatten und uns viel Vertrauen geschenkt haben. Aber auch ohne die Mitarbeiter wäre dieser Neuanfang nicht möglich gewesen.“

Letztlich griff Sinn zu, als Frank Schmiedel, Chef der Firma Wisch Bauelemente, dem Unternehmer sein Lager im ehemaligen Helit-Gebäude an der Kölner Straße anbot. „Frank Schmiedel hat innerhalb von zwei Tagen sein Lager geräumt. Danach konnten wir mit dem Umbau und der Sanierung der Räume beginnen“, so Sinn. Vor allem seine fünf Mitarbeiter hätten kräftig mitangepackt, um aus einem Lager eine Produktionsstätte zu machen. Bereits am 1. August, also gerade einmal eineinhalb Monate nach dem Brand, habe man die Produktion wieder aufgenommen. „Da lief aber alles sehr holprig, viele Maschinen waren noch nicht geliefert und auch der Lagerbestand noch nicht aufgebaut“, erzählt der Geschäftsführer.

Oliver Sinn, Inhaber von Peripherie-Technik Vonnahme, arbeitet auch im Betrieb mit, wenn dies notwendig ist.


Und auch, wenn es mittlerweile gut läuft, glaubt Sinn, dass es wohl noch ein Jahr dauern werde, bis alles reibungslos funktioniert. Vor allem der Zuschnitt der rund 230 Quadratemeter großen Halle stellt Herausforderungen an das sechsköpfige Team. Denn die Schlauchform des Raumes erzeugt längere Wege und eine ganz andere Herangehensweise an die Produktion.

Am alten Standort standen rund 450 Quadratmeter zur Verfügung. Dort hatte Vonnahme angefangen, Lösungen rund um Spritzgießmaschinen zu fertigen. Fördertechnik, Trocknung, Automatisierung sowie Wartung und Service sind die Stichworte, die den Umfang des Angebots beschreiben. „Mittlerweile sind wir aber auch für Unternehmen aus anderen Branchen, vor allem Metallverarbeiter tätig, weil wir unser Können aus dem Bereich der Kunststoffindustrie übertragen konnten“, erzählt Sinn.

In einer Zeit, in der das Schadensereignis noch nicht komplett abgewickelt ist, will Sinn nicht an einen erneuten Umzug denken. „Klar ist, dass wir das nur machen würden, wenn wir eine endgültige Lösung hätten. Jetzt bleiben wir aber erst mal hier und schauen, welche Möglichkeiten sich uns hier noch bieten“, erzählt der Firmenchef.

Es sind vor allem Kleinigkeiten, die ihm das Leben in dem neuen Gebäude nicht einfach machen. Durch die Platzverhältnisse ist die Anlieferung mit großen Sattelzügen nicht einfach, Paketdienste ignorieren schon mal den Stop an dem an einer Bundesstraße gelegenen Gebäude und selbst die Post kommt nicht immer da an, wo sie hin soll. „Als wir nach dem Brand mit dem Not-Büro in eine freie Etage in meinem Elternhaus zogen, hat die Zusendung gut funktioniert, aber nach dem Umzug kommt die Post immer noch an zwei, zählt man das Postfach hinzu, an drei Stellen an“, so Sinn. Doch letztlich sind das nur Kleinigkeiten, verglichen mit dem, was hinter Sinn und seinen Mitarbeitern liegt. „Jetzt schauen wir nach vorne. Wir sind motiviert, die Auftragslage ist gut und die logistische Situation verbessert sich von Tag zu Tag“, sagt Sinn, der seinen Schreibtisch heute in der Produktion hat, damit er auf jeden Zuruf reagieren und selbst mit anpacken kann, wenn es notwendig ist.

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