Keine unmittelbare Gefährdung

PCB in der Raumluft der Kiersper Gesamtschule

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Intensive und häufige Reinigung sowie regelmäßige und ausgiebige Belüftung der betroffenen Räume empfehlen die Sachverständigen Nicole Richardson (links) und Birgit Grimm (rechts), hier mit Schulleiter und Bürgermeister. - Fotos: Müller

KIERSPE - In den Räumen der Kiersper Gesamtschule wurde eine erhöhte Belastung mit PCB (polychlorierte Biphenyle) festgestellt. Darüber werden die Eltern der Gesamtschüler in einen Brief informiert, den sie am Donnerstag von Schulleiter Johannes Heintges und Bürgermeister Frank Emde als Vertreter des Schulträgers erhalten.

PCB sind giftige und krebsauslösenden organische Chlorverbindungen, die früher in Bauteilen verwendet wurden. In Deutschland wurden sie 1989 verboten.

Laut PCB-Richtlinie sind gesundheitliche Gefahren ab einem Grenzwert von 3000 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft nicht auszuschließen. Dieser Wert werde aber in keinem der untersuchten Räume erreicht. Als langfristig tolerabel gelten Raumluftkonzentrationen unter 300 Nanogramm pro Kubikmeter. Dies sei in vier der zehn getesteten Räume der Fall gewesen.

Bei einer Raumluftkonzentration zwischen 300 und 3000 Nanogramm pro Kubikmeter ist die Quelle der Raumluftverunreinigung aufzuspüren und unter Beachtung der Verhältnismäßigkeit zu beseitigen. Eine solche Konzentration liegt in sechs Räumen vor, wo Werte zwischen 310 und 1200 Nanogramm pro Kubikmeter gemessen wurden. Diese Konzentrationen lasse keine Gefährdung befürchten, dennoch werde alles unternommen, die Belastungen zu beseitigen.

Als Sofortmaßnahme empfiehlt das Sachverständigenbüro Richardson, das als Gutachter eingeschaltet wurde, die betroffenen Räume regelmäßig zu lüften und häufiger und intensiver zu reinigen. Auch alte Kondensatorlampen wurden bereits entfernt.

Sanierungskonzept wird entwickelt

Bei einer Bestandsaufnahme werden jetzt die Quellen der Schadstoffbelastung gesucht, auch die anderen Räume getestet und auf mögliche Sekundärkontaminationen untersucht. Dann soll ein Sanierungskonzept entwickelt werden, mit dem die Belastungen beseitigt werden können.

Vor allem in den Gebäudefugen, findet sich der Schadstoff.

„Es besteht keine unmittelbare Gefährdung für Schüler und Lehrer, und wir möchten niemanden in Gefahr bringen,“ versichern Heintges und Emde unisono. Deshalb sei der Sachverhalt auch sofort transparent gemacht worden. Am Dienstag wurde der Rat im nichtöffentlichen Teil seiner Sitzung informiert und am Mittwoch das Lehrerkollegium.

Angeregt durch eine Anhörung zu PCB im Landtag hatte sich die Stadt im vergangenen Jahr zu diesen Untersuchungen entschlossen, die auch an zwei Grundschulen vorgenommen wurden, wo sie allerdings erfreulicherweise ohne Befund blieben.

Drei Jahre veranschlagt Nicole Richardson, Diplom-Biologin und Sachverständige, nach einer ersten Einschätzung für die Beseitigung der Schadstoffquellen, da größere Maßnahmen nur in den Sommerferien, kleinere währen der Herbst- und Osterferien vorgenommen werden können.

Da der erforderliche Umfang der Sanierungsmaßnahmen erst nach Abschluss der Bestandsaufnahme überschaubar ist, können zurzeit auch noch keine Aussagen zu den entstehenden Kosten gemacht werden. - Von Luitgard Müller

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