Wie die Paviane zu ihrem roten Hinterteil kamen

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Für den Kinderbuchautor Simak Büchel war es kein Problem, die Schüler des ersten Jahrgangs mit in die Geschichte einzubeziehen. ▪

KIERSPE ▪ So manchem Schriftsteller sind wohl schon die besten Ideen auf der Toilette gekommen, dass es bei Simak Büchel nicht anders war, schreibt er auf seiner eigenen Homepage. Mitten in der Nacht saß er, bewacht von einem bewaffneten Ranger, auf dem Plumpsklo eines Camps mitten im afrikanischen Busch, wo er das Lachen der Hyänen vernahm.

„Irgendwie muss ich dieses Lachen persönlich genommen haben, denn in diesem Augenblick beschloss ich, es den Hyänen – literarisch – heimzuzahlen.“ Die Herkunft seiner Ideen verschwieg er den Schülern der ersten und zweiten Klassen der Bismarckschule, vor denen er aus seinen acht Büchern vorlas, beziehungsweise vorspielte.

Denn es war schon eine beeindruckende Vorstellung, die der aus dem Rhein-Sieg-Kreis stammende Autor ablieferte. Aus der Sicht einer alten Afrikanerin, die als „Fernseher ohne Strom“ in ihrem Dorf fungierte, erzählte Büchel unter anderem die Geschichte des Pavians Oropoi, der zum tragischen Helden wird, als er mit seinen Freunden Flugversuche unternimmt, um zu den Futterplätzen der Etepetete-Vögel zu gelangen. Es ist die Geschichte eines „Entdeckers“, die nicht nur erklärt, warum Paviane nicht fliegen können, sondern auch, wie sie zu ihrem roten Hinterteil kamen.

„Ich habe schon bei meinen ersten Lesungen vor rund zehn Jahren begriffen, dass die Kinder schnell auf der Suche nach einem Umschaltknopf sind, wenn man ihnen nur aus einem Buch vorliest“, erklärt Büchel, wie er zu seinem Vortragsstil gekommen ist. Und so turnt er heute vor den aufmerksamen Schülern herum, torkelt, springt und setzt sich mittenhinein in die Zuhörer, bezieht sie in seine Aufführungen mit ein und lässt sie zu Vögeln, Affen und Hyänen werden.

Der Dank sind aufmerksame Kinder, die an seinen Lippen kleben, versuchen das Ende der Geschichte zu erraten und mitfühlen, mit den afrikanischen Tieren, die die Hauptrollen spielen.

Dass der Autor, der rund 100 Lesungen dieser Art im Jahr im ganzen Bundesgebiet absolviert, am Dienstag an der Bismarckschule las, lag am Monat des Buches, der bereits seit Jahrzehnten eine große Rolle an der Kiersper Grundschule spielt.

„Wir haben uns mit den Büchern bereits so intensiv beschäftigt, als die Kinder noch nicht von Privatfernsehen, Computern und Internet abgelenkt wurden“, erklärt Ekkehard Haas, Leiter der Bismarckschule. Und die Lesungen für die beiden Jahrgänge sind bei weitem nicht die einzigen Aktionen, die im Rahmen des Monats des Buches stattfinden.

So werden in allen Klassen gemeinsam Bücher gelesen. Da spielt dann der „Kleine Prinz“ ebenso eine große Rolle wie „Elmar, der bunte Elefant“.

Außerdem haben Schüler und Lehrer rund 50 Bücher aus der Stadtbibliothek geholt, die sich nun für vier Wochen in einem speziellen Raum der Schule finden. Regelmäßig gehen die Lehrer dann mit ihren Klassen in diesen Raum, damit die Kinder dort in Ruhe in einem Buch lesen können. „Wer nach den vier Wochen sein Buch noch nicht ausgelesen hat, der kann es später in der Stadtbibliothek ausleihen und das Werk dann zu Hause fertig lesen“, so Haas.

Doch Höhepunkt der verschiedenen Veranstaltungen war sicher die Lesung von Simak Büchel, „die wir uns so nie hätten leisten können.“

Eingesprungen ist dann der Förderverein der Bismarckschule, der aufgrund seines Mitgliederschwundes die Kosten allein aber auch nicht aufbringen konnte. Die Bitte der Fördervereinsmitglieder an die Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen blieb nicht ungehört. Diese übernahm schließlich einen großen Teil der Kosten und bescherte den Kindern damit einen unvergesslichen Vormittag – und vielleicht auch einen ganz neuen Zugang zu Büchern. ▪ Johannes Becker

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